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13.09.2013

13:59 Uhr

Legionellen-Alarm

Bakterien-Belastung bei Warsteiner steigt

Die Maßnahmen gegen die Legionellen-Epidemie scheinen zu greifen. Sorgen bereitet aber weiterhin die Warsteiner-Brauerei: Neue Proben aus der Kläranlage zeigen gestiegene Werte an. UV-Bestrahlung soll Abhilfe schaffen.

Neue Legionellen-Proben zeigen in der Vorkläranlage der Warsteiner Brauerei hohe Werte an. dpa

Neue Legionellen-Proben zeigen in der Vorkläranlage der Warsteiner Brauerei hohe Werte an.

Warstein/SoestDer Legionellen-Befall in der Vorkläranlage der Warsteiner-Brauerei nimmt immer größere Dimensionen an. Das ergaben amtliche Messungen, wie ein Sprecher des Kreises Soest am Freitag mitteilte. Die Produkte aus dem Brauprozess sind laut Firma aber nach wie vor nicht betroffen. Die Biere (Warsteiner und Frankenheim) sowie die Biermischgetränke seien rein. Die Produktion laufe weiter, Brauereibesichtigungen fallen jedoch zurzeit aus. Der Krisenstab des Kreises empfiehlt weiterhin, auf Fahrten nach Warstein zu verzichten. Da das Abwasser aus der Produktion keinen Befall aufweist, gehen Experten davon aus, dass die Erreger von außen - wohl über die Luft - in die offene Vorklärung gelangten.

Der vom Kreis Soest bestellte Hygiene-Experte Prof. Martin Exner hält inzwischen Vorkläranlagen an Brauereien für Anlagen, die den Legionellen gute Bedingungen bieten. Der Krisenstab will am Montag beraten, ob die Kläranlage aus dem Kreislauf herausgenommen und das nicht-belastete Brauereiabwasser direkt zur kommunalen Kläranlage geleitet wird.

Die bisherigen Schutzmaßnahmen scheinen unterdessen zu greifen. Auch am Freitag waren keine neuen Erkrankungen aufgetreten. Die Legionellen waren über die Klärbetriebe bis zu einer Firma gelangt, über dessen Kühlanlage die Legionellen mit dem Wasserdampf in die Luft gelangten. 165 Menschen erkrankten seit August, zwei von ihnen starben. Die Kühlung der Firma ist bereits stillgelegt.

Der Hygiene-Experte Exner kommt inzwischen zu dem Schluss, dass in Vorkläranlagen, in denen Hefe-belastete Abwässer anfallen, Legionellen offenbar besonders gute Bedingungen finden. Bislang sei aber in der Wissenschaft kein Zusammenhang zwischen Brauereien und Legionellen bekannt. „Ich glaube, wir stehen hier vor ganz neuen Erkenntnissen. Die bisherige Ökologie der Legionellen muss umgeschrieben werden“, sagte Exner

Zum Schutz vor Legionelleneintrag aus der Luft soll die Vorklärung der Warsteiner Brauerei bis kommenden Mittwoch ein Dach und eine UV-Bestrahlung zur Abtötung der Legionellen bekommen, so wie es an der kommunalen Anlage kurzfristig bereits gemacht wurde.

Warsteins Bürgermeister Manfred Gödde rechnet mit einem Umdenken der Brauereien. Er sagte, in keiner Brauerei in Deutschland werde auf Legionellen untersucht. „Dieser Fall wirft ja über Deutschland hinaus Schatten.“ Jetzt werde womöglich jede Brauerei-Kläranlage mal untersucht, sagte Gödde.

Von

dpa

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