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08.08.2014

15:24 Uhr

Lego & Co.

Stereotypen lassen die Kasse klingeln

VonKatharina Matheis

Die Spielzeugindustrie definiert Geschlechterrollen ganz klar: Mädchen backen Kuchen, Jungs jagen Verbrecher. Lego verkauft nun erstmals ein Spielzeuglabor mit weiblichen Forschern. Experten reicht der Vorstoß nicht.

Chemikerin in der Lego-Forschungsstation LEGO

Chemikerin in der Lego-Forschungsstation

DüsseldorfIm Januar schreibt die 7-jährige Charlotte einen Brief an Lego. Sie war im Spielzeuggeschäft, dort sei aufgefallen, dass es pinke und hellblau verpackte Bausätze gibt. „Die Mädchen sitzen zu Hause, schlafen und shoppen, sie haben keine Jobs – und die Jungs? Die haben Abenteuer, arbeiten, retten andere Menschen und schwimmen sogar mit Haien!“. Sie resümiert mit einer klaren Forderung an den dänischen Bausteine-Hersteller: „Ich möchte, dass ihr auch Mädchen Abenteuer und Spaß machen lasst, ok!?!“

Brief der 7-jährigen Charlotte das Unternehmen an Lego

Brief der 7-jährigen Charlotte das Unternehmen an Lego

Legos Figurenfamilie ist nun größer geworden. Das Unternehmen hat weibliche Wissenschaftlerinnen in das Sortiment genommen: Im Legostein-Labor können Kinder mit einer Chemikerin, Astronomin und Archäologin forschen. Der Zuspruch ist enorm: Auf Twitter verbreitet sich die Neuigkeit weitläufig, die Resonanz der Lego-Fangemeinde ist positiv. Mehr als 100 Jahre nachdem Marie Curie als erste Frau einen Nobelpreis erhalten hat, empfinden viele die weiblichen Forscher im Spielregal als überfällig.

Für Lego ein Coup: Das Set ist bereits ausverkauft und erst im September wieder lieferbar. Dabei hat das Unternehmen für Mädchen bisher andere Themenwelten vorgesehen, etwa die Serie „Friends“. Das Sortiment könnte pinker kaum sein: Tierklinik, Beautysalon und der Bausatz ,Backspaß im Garten'. Abenteuer sind hier selten. Baumhaus, Küstenwache, Polizei - spektakuläre Rollen sind meist den männlichen Figuren vorbehalten.

So ist es bezeichnend, dass der Forscherinnen-Bausatz nicht aus der hauseigenen Ideenschmiede kommt. Am Ende war es die Geochemikerin Ellen Kooijman, die den Vorschlag über die Fan-Plattform „Ideas“ einreichte. 10.000 andere fanden die Idee gut und Lego produzierte. „Wir erhöhen seit einiger Zeit gezielt die Anzahl weiblicher Figuren in unseren Sets - auch wenn das sicherlich noch nicht ausgeglichen ist“, verteidigt sich eine Sprecherin.

Kommentare (1)

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Herr Horst Hamacher

08.08.2014, 17:52 Uhr

Lego verkauft nun erstmals ein Spielzeuglabor mit weiblichen Forschern. Experten reicht der Vorstoß nicht.
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Dann sollte man den weiblichen Forscherinnen alle eine weiße Stirnbinde spendieren, auf der "Nobelpreisträgerin" geschrieben steht. Das sollte wohl vorerst mal reichen, gell!

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