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05.11.2016

13:42 Uhr

Liberalisierte Öffnungszeiten

Im Supermarkt abends um Zehn

Vor 20 Jahren begann die umstrittene Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten. Über die Ergebnisse herrscht Uneinigkeit. Heute sorgen die „Rund-um-die-Uhr-Angebote“ des Online-Handels für eine neue Brisanz der Debatte.

Die Ergebnisse der Liberalisierung von Ladenöffnungszeiten bleiben auch nach 20 Jahren umstritten. dpa

Lange Öffnungszeiten

Die Ergebnisse der Liberalisierung von Ladenöffnungszeiten bleiben auch nach 20 Jahren umstritten.

DüsseldorfBäcker durften am Sonntag keine frischen Brötchen verkaufen. Supermärkte hatten werktags pünktlich um 18.30 Uhr zu schließen. Bis vor 20 Jahren war das Ladenschlussgesetz in Deutschland strikt – und wenig verbraucherfreundlich.

Das änderte sich erst am 1. November 1996. Die Gesetzesnovellierung vor 20 Jahren erlaubte es den Geschäften erstmals, an Werktagen bis 20 Uhr zu öffnen, an Samstagen immerhin bis 16 Uhr. Und Bäcker durften erstmals frische Sonntagsbrötchen verkaufen. Vorher gab es die nur an der Tankstelle. Von einer „Zeitenwende im Einzelhandel“ war damals die Rede.

Neue Ideen für die Online-Lieferung

Drohnen

Als Amazon-Chef Jeff Bezos Ende 2013 in einem TV-Interview den Prototypen seiner kleinen Fluggeräte zur Warenlieferung vorstellte, hielten das viele zunächst für einen Werbegag. Doch Amazon meint es ernst und hat mit „Prime Air“ sogar schon einen Namen für den Service. Ob und wann Amazon-Bestellungen tatsächlich im Alltag per Drohne geliefert werden könnten, ist offen - der Konzern testet noch. Eine Hürde bleibt auch die rechtliche Grundlage. Dies schreckt Konkurrenten jedoch nicht von eigenen Versuchen ab. So hat die Deutsche Post den automatischen „Paketcopter“, der 2014 testweise die Nordseeinsel Juist unter anderem mit Medikamenten versorgte. Und Google arbeitet bei „Project Wing“ an Mini-Fliegern mit Seilwinde.

Lieferroboter

Die Fahrzeuge, die äußerlich an einen großen Mars-Rover erinnern, sollen neben Fußgängern auf Gehwegen unterwegs sein. Die Firma Starship zum Beispiel, mit der unter anderem der Paketdienst Hermes und der Handelskonzern Metro zusammenarbeiten, will damit Waren mit einem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm auf eine Entfernung von fünf Kilometern befördern. Die Vision ist, dass ein Mitarbeiter über das Internet 50 bis 100 automatische Lieferroboter überwacht. Starship peilt Kosten von rund einem Dollar pro Zustellung an. Die Pizza-Kette Domino's testete einen eigenen Lieferroboter in Australien. In Deutschland gibt es das Problem, dass der Betrieb solcher Fahrzeuge im Alltag nicht geregelt ist.

Kofferraum

Warum die Pakete immer nach Hause liefern, wenn der Adressat vielleicht gerade woanders unterwegs ist? Die Idee, die Pakete vom Zusteller einfach im Kofferraum zu platzieren, nimmt dabei konkrete Formen an. Der Zusteller bekommt dafür einen ein Mal gültigen Code, mit dem er die Klappe öffnen kann. Die Position des Fahrzeugs wird per GPS bestimmt. Der Paketdienst DHL testet die Kofferraum-Zustellung in einigen deutschen Städten mit jeweils mehreren hundert Smart-Fahrern. Unter anderem auch Audi, BMW und Volvo arbeiten an einem solchen Verfahren.

Crowdshipping

Warum nicht den Nachbarn zum Paketboten machen? Zahlreiche Start-ups versuchen gerade, daraus eine Geschäftsidee zu machen. Kern ist eine App, die Händler, Lieferanten und Kunden verknüpft. Wer ohnehin unterwegs ist, kann dann Pakete für andere mitnehmen und sich so etwas Geld verdienen. So gut die Idee ist, so schwierig scheint sie umzusetzen zu sein: DHL hat damit schon erfolglos experimentiert, Walmart einen Feldversuch abgebrochen. Auch Amazon testet den Service.

Kühlboxen

Die britische Supermarktkette Waitrose hat als erster mit dieser Idee Furore gemacht: Gekühlte Abholstationen für online bestellte Lebensmittel. Auch die britische Walmart-Tochter Asda experimentiert mit Kühlfächern an Tankstellen. Geöffnet werden sie per QR-Code oder PIN, die Kunde per Mail bekommt. Auch Rewe probiert bereits die Idee aus.

Was heute so selbstverständlich klingt, sorgte damals für heftige Auseinandersetzungen. Rund 50.000 Verkäuferinnen und Verkäufer demonstrierten in Bonn gegen das vor allem vom damaligen Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt (FDP) vorangetriebene Gesetz. Wissenschaftler kritisierten den „Ausverkauf der Arbeitszeiten“ und warnten vor sozialen Verwerfungen. Selbst die Kunden nahmen die neue Regelung zunächst nur zögerlich an.

Dennoch war die weitere Liberalisierung der Öffnungszeiten nicht zu stoppen. Im Jahr 2003 wurden auch für den Samstag die Öffnungszeiten bis 20 Uhr verlängert. Mit der Föderalismusreform von 2006 ging die Gesetzgebungskompetenz für den Ladenschluss dann vom Bund auf die Länder über und ein weiterer Liberalisierungsschub folgte. In den meisten Bundesländern können die Läden heute werktags rund um die Uhr öffnen. Doch gibt es auch restriktivere Reglungen – etwa in Bayern, wo die Geschäfte nach wie vor um 20 Uhr zu schließen haben.

Genutzt werden die längeren Öffnungszeiten vor allem in den Fußgängerzonen der Großstädte und im Lebensmittelhandel. Oft haben Supermärkte und Discounter heute bis 20, 21 oder 22 Uhr offen. Geschäfte mit 24-Stunden-Service haben jedoch nach wie vor Seltenheitswert.

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