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10.04.2011

14:44 Uhr

Lieferschwierigkeiten

Bahn bereitet Kunden auf weitere Problemjahre vor

Rüdiger Grube verliert die Geduld: Offen kritisiert der Bahnchef jetzt die Unzuverlässigkeit seiner Zulieferer. Siemens kann ICE-Züge wohl nicht pünktlich liefern, Bombardier kämpft mit der Software.

Blick auf den Waggonbau bei Bombardier in Görlitz: Die Deutsche Bahn braucht nach den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden Rüdiger Grube noch Jahre, um die Technikprobleme ihrer Züge in den Griff zu bekommen. Quelle: dpa

Blick auf den Waggonbau bei Bombardier in Görlitz: Die Deutsche Bahn braucht nach den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden Rüdiger Grube noch Jahre, um die Technikprobleme ihrer Züge in den Griff zu bekommen.

BerlinEinem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" zufolge hat die Bahn angeblich Ärger mit ihrem Großlieferanten Siemens und muss deshalb möglicherweise ein neues Winterchaos befürchten. Der Konzern werde bis zum Beginn des Winterfahrplans Mitte Dezember die ursprünglich zugesagten sieben neuen ICE-3-Züge womöglich nicht liefern können, berichtete der "Spiegel". Dies habe Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg vergangene Woche auf der Verkehrsministerkonferenz erklärt, schreibt das Magazin unter Berufung auf einen Teilnehmer.

Die 2008 bestellten ICE waren Bestandteil der Bahn-Bemühungen, ihre winterlichen Probleme in den Griff zu bekommen. Konzernintern rechnet man laut "Spiegel" damit, dass sich die Lieferung um rund ein halbes Jahr verzögern könnte. Wie Homburg weiter berichtet habe, müsse die Bahn auch noch auf 160 Regionalzüge des Bombardier-Konzerns verzichten, denen das Eisenbahn-Bundesamt wegen Softwareproblemen bislang die Zulassung verweigere. 90 dieser Züge stünden schon auf Abstellgleisen und dürften nicht fahren. Siemens habe auf Nachfrage erklärt, man hoffe, die bestellten ICE pünktlich an die Bahn übergeben zu können.

Grube greift Zulieferer frontal an

Die Deutsche Bahn braucht nach den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden Rüdiger Grube noch Jahre, um die Technikprobleme ihrer Züge in den Griff zu bekommen. "Es geht nur schrittweise voran", sagte Grube der Zeitung "Bild am Sonntag" . "Vor 2014 werden wir die Probleme nicht vollständig gelöst bekommen."

Rüdiger Grube macht seinem Ärger über unzuverlässige Zulieferer Luft. Quelle: Reuters

Rüdiger Grube macht seinem Ärger über unzuverlässige Zulieferer Luft.

Grube sagte, einerseits habe die Bahn zu wenig Züge, andererseits liefere die Industrie zu oft schlechtes Material. "Vor den Toren Berlins stehen 90 brandneue Regionalzüge, die wegen Mängeln vom Eisenbahnbundesamt nicht zugelassen werden. Entweder sind die Bremsen zu schwach oder die Software hat Macken", sagte er. Die Bahn werde keine Züge mehr abnehmen, die nicht die bestellte Qualität haben. "Ich sehe es einfach nicht mehr ein, dass wir Züge sozusagen als grüne Bananen kaufen, die dann auf der Schiene bei uns erst zur Einsatzreife kommen", sagte Grube.

Wie Grube der "Bild am Sonntag" weiter sagte, verbessert die Bahn nach den Pannen bei Klimaanlagen im vergangenen Sommer die Anlagen und schult das Personal. Hundertprozentige Sicherheit gebe es aber nicht. "Technik kann einmal ausfallen, übrigens auch beim Auto und Flugzeug", sagte er.

Von

dapd

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

10.04.2011, 15:04 Uhr

An dem Tag, an dem ich beim Buchen einer Fernreise nicht mehr durchkalkulieren muss, mit welcher Wahrscheinlichkeit und Verbindung ich die kürzeste Verspätung erreichen kann, an dem Tag nehme ich gerne Herrn Grubes Ärger über Zulieferer Ernst.

Nachwuchs

10.04.2011, 19:57 Uhr

Das ist Deutschland heute unter der Führung von Politiker, Wirtschaft, Industrie und Manager: Unfähigkeit bis geht nicht mehr und dafür als Ausgleich mehr Einkommen!

Muunoy

11.04.2011, 01:57 Uhr

Wer schon mal erlebt hat, mit welcher Vehemenz die Bahn Preise und Konditionen drückt, wundert sich wohl kaum, wenn die Lieferanten gar nicht liefern, weil sie auch noch andere Kunden haben oder eben schlechte Qualität abliefern. Das Geschäftsgebaren der Bahn entspricht weiterhin dem eines monopolistischen Staatskonzerns.

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