Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.04.2011

15:59 Uhr

Linienreederei

Schiffe aus Hamburg Süd fahren Bogen um Fukushima

Einen Umweg von 1000 Kilometern fahren die Schiffe der Reederei Hamburg Süd um Fukushima. Unsicherheiten auf dem ganzen Erdball machen eine Prognose für dieses Jahr schwierig, erklärt die Reederei-Geschäftsführung.

Das Containerschiff "Monte Rosa" der Reederei Hamburg Süd. Quelle: dpa

Das Containerschiff "Monte Rosa" der Reederei Hamburg Süd.

Hamburg Die Linienreederei Hamburg Süd fährt nach der Havarie des Atomkraftwerks Fukushima mit ihren Schiffen einen großen Bogen um den Reaktor. Die Linienschiffe hielten rund 1000 Kilometer Abstand von Fukushima, ehe sie auf einer veränderten Route die Containerhäfen Tokio und Yokohama ansteuerten, sagte Geschäftsführungs-Sprecher Ottmar Gast am Mittwoch in Hamburg. Wenn der Wind von Fukushima in Richtung Süden wehe, reisten die Schiffe weiter nach Korea. Bislang mussten nach seinen Angaben drei von gut 20 Schiffen abdrehen, die fahrplanmäßig in die Bucht von Tokio gefahren wären. Der großzügig bemessene Sicherheitsabstand bedeutet einen Umweg von rund 1000 Kilometern.

Die weltweite Containerschifffahrt muss gleich mit vielen Unsicherheiten leben: der japanischen Katastrophenserie, den Unruhen in Nordafrika und der arabischen Welt sowie der anhaltenden Finanzkrise in wichtigen europäischen Ländern. „Eine Prognose für 2011 fällt schwer“, sagte Gast. Ermutigend sei allerdings, dass die Weltwirtschaft nach Prognosen um 4,4 Prozent wachsen solle; der Containerverkehr nehme in der Regel dann um mehr als doppelt soviel zu.

Gast rechnet damit, dass zwar mehr Container über die Weltmeere transportiert werden, die Gewinne der Reedereien und auch der Hamburg Süd jedoch unter Druck geraten. Zum einen müssten die Unternehmen mit massiven Kostensteigerungen zurechtkommen, vor allem wegen der hohen Energiekosten. Zum anderen stünden die Frachtraten nach einer guten Entwicklung im vergangenen Jahr nun wieder unter Druck, weil Überkapazitäten im Markt seien. „Man muss feststellen, dass die Branche aus der Krise nichts gelernt hat“, sagte der Hamburg-Süd-Chef. „Es ist frustrierend, wenn erst bei einer Auslastung von 95 bis 100 Prozent Geld verdient wird.“

Die Hamburg Süd, die zum Oetker-Konzern gehört und dort 47 Prozent zum Umsatz beisteuert, bedient vor allem Häfen in Südamerika, dem erweiterten Mittelmeerraum und Australien/Neuseeland. Dort wächst der Konkurrenzdruck. Auf den Container-Rennstrecken von Asien nach Europa werden immer größere Schiffe mit einem Fassungsvermögen von 12.000 Containern (TEU) und mehr eingesetzt. Für die kleineren Schiffe mit 6000 bis 8000 TEU suchen asiatische Reedereien nach neuen Einsatzmöglichkeiten und entdecken dabei auch Märkte wie Südamerika, in denen sie zuvor nicht aktiv waren.

Hamburg Süd steuert eine Flotte von 169 Schiffen, davon 40 eigene.

Ihre Transportleistung hat die Reederei gegenüber dem Krisenjahr 2009 um 23 Prozent auf 2,9 Millionen TEU gesteigert und damit selbst das Vorkrisenniveau übertroffen. Weil auch die Raten stiegen und aufgrund von günstigen Währungseinflüssen erhöhte sich der Umsatz um 39 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Ertragszahlen geben Oetker-Unternehmen nicht bekannt; die Eigentümer seien aber zufrieden gewesen.

Weil das Unternehmen mit weiter steigenden Ladungsmengen rechnet, bleiben die Investitionen auf hohem Niveau. Im vergangenen Jahr hat die Hamburg Süd mit der „Santa Clara“, die 7100 TEU tragen kann, das bislang größte Schiff ihrer Geschichte in Dienst gestellt. Zehn Frachter dieser Größenordnung sind bestellt und werden bis Juni 2012 ausgeliefert. Danach kommen noch größere Schiffe: Im März hat die Hamburg Süd sechs Schiffe mit 9600 TEU geordert, die ab Mai 2013 in die Flotte integriert werden.

 

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×