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11.05.2017

18:15 Uhr

Locomore

Bahn-Konkurrent meldet Insolvenz an

VonDieter Fockenbrock

Bahn-Konkurrent Locomore hat Insolvenz angemeldet. Der private Fernzug-Betreiber muss schnell einen Investoren finden, sonst wird der Betrieb zwischen Stuttgart und Berlin in den nächsten Tagen eingestellt.

Ein Zug des Crowdfunding-Unternehmens steht am Hauptbahnhof in Stuttgart zur Abfahrt nach Berlin bereit. dpa

Locomore

Ein Zug des Crowdfunding-Unternehmens steht am Hauptbahnhof in Stuttgart zur Abfahrt nach Berlin bereit.

BerlinEiner der wenigen Konkurrenten der Deutschen Bahn im Fernverkehr ist insolvent. Der erst vor wenigen Monaten auf der Strecke zwischen Berlin und Stuttgart gestartete private Betreiber Locomore hat am Donnerstag einen entsprechenden Antrag beim Amtsgericht Charlottenburg in Berlin eingereicht. Das geht aus den amtlichen Bekanntmachungen des Gerichts hervor.

Als vorläufiger Verwalter ist der Berliner Rechtsanwalt Rolf Rattunde bestellt. Rattunde bestätigte auf Anfrage des Handelsblatts den Insolvenzantrag und machte wenig Hoffnungen, dass Locomore den Betrieb aufrechterhalten kann. Vorerst würden die Züge weiterfahren, sagte er.

Das Unternehmen habe aber in den nächsten Tagen „hohe Zahlungen“ zu leisten. Falls nicht ganz schnell ein Investor gefunden werde, rechnet er mit einer Einstellung des Betriebs. Locomore sei unterkapitalisiert gewesen, sagte Rattunde weiter und warb um Interessenten, die „jetzt beherzt zugreifen“ könnten. Die Auslastung der Züge liege zwischen 60 und 70 Prozent. Das Unternehmen sei deshalb für einen Käufer durchaus interessant.

Locomore hat sich vor allem über Crowdfunding finanziert. Geldgeber konnten Anteile zeichnen und Tickets im Voraus buchen. So waren rund 600.000 Euro zusammen gekommen. Waggons hat das Unternehmens selbst gekauft und umgebaut. Lokomotiven wurden dagegen geleast.

Bereits im Frühjahr gab es betriebliche Probleme. Verbindungen mussten gestrichen werden, weil Fahrzeuge ausfielen. Noch Anfang April meldete das Unternehmen dann die Rückkehr zum regulären Betrieb und kündigte sogar an: „Wir beginnen jetzt mit den ersten konkreten Planungen für die weitere Expansion, ab Frühjahr 2018 wollen wir mit einem zweiten Zug Berlin mit Dortmund, Düsseldorf und Köln verbinden.“ Daraus dürfte nun wohl nichts mehr werden.

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