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04.06.2011

08:10 Uhr

Logbuch 10. Tag

Finnisches Kriegsschiff muss 18 Piraten freilassen

VonFlorian Brückner

Das finnische Kriegsschiff „FNS Pohjanmaa“ hatte 18 mutmaßliche Piraten im Golf von Aden festgenommen - die niemals vor Gericht kamen. Kein Staat wollte die Somalis haben. Eine ernüchternde Reise.

Ein Mitglied des Helikopter-Teams wartet auf seinen Einsatz. Quelle: Florian Brückner

Ein Mitglied des Helikopter-Teams wartet auf seinen Einsatz.

Als Alberto Correia die „FNS Pohjanmaa“ Ende April nach dem Einlaufen in den Hafen von Djibouti zu Gesicht bekommt, ist eine der dringlichsten Sorgen des Kommodore verschwunden. Nur ein großes Zeltdach in beigebraunen Tarnfarben am Heck des Minenlegers erinnert noch an die Piraten. Zumindest sind sich einige Offiziere der „NRP Vasco da Gama“ sicher, dass die Finnen dort unter der Zeltplane die Somalis festhielten. Offiziell gibt es dazu keinen Kommentar. Aber: Wo sonst? Die gut 78 Meter lange „Pohjanmaa“ ist ein gutes Stück kleiner als die portugiesische Fregatte. Und beide sind keine Kreuzfahrer. Platz ist Mangelware.

Vor gut zwei Wochen hatte die finnische „Pohjanmaa“ eine verdächtige somalische Dhau mit zwei Beibooten aufgebracht. 250 Seemeilen südöstlich der omanischen Hafenstadt Salalah. Die Besatzung hatte noch hektisch im Angesicht des nahenden Kriegsschiffes versucht, Waffen und Ausrüstung über Bord zu werfen - aber zu spät. Die Finnen stoppten das Schiff und nahmen die Crew in Gewahrsam, alle 18 Mann. Die Besatzung der „Pohjanmaa“ ebenso wie die Verantwortlichen der EUNAVFOR waren sich sicher: Wir haben echte Piraten geschnappt.

„Wir sind angesichts der Beweislage von der Schuld der Gefangenen überzeugt“, hatte Correia vor Tagen noch mit bestimmter Sicherheit mitten im Golf von Aden gesagt. In Somalia selbst gibt es allerdings kein Gericht, das die Piraten verurteilen könnte. Genau deshalb hatte die EU mit Kenia und den Seychellen Justizabkommen abgeschlossen, um Piraten dort verurteilen und bestrafen zu lassen. Aber Kenia hat das Abkommen im vergangenen Jahr gekündigt. Seit Monaten wird verhandelt, bis zum Abschluss nimmt Kenia nur noch im Einzelfall gefangene Piraten auf. Und die Kapazitäten der kleinen Inselrepublik Seychellen  sind sehr begrenzt.

„Die Europäische Union unternimmt große Anstrengungen in der Region. Aber in Somalia ist es unter den gegenwärtigen Bedingungen sehr schwierig eine wirksame Gerichtsbarkeit oder eine effiziente Küstenwache aufzubauen“, sagt Correia. „Jetzt warten wir darauf, dass irgendein Land, vielleicht das des Schiffseigners oder der Flaggenstaat, sich der Piraten annimmt.“ Aber dies, so Correia seinerzeit weiter, sei gar nicht so einfach. Er hatte recht - und das gilt selbst für die 738 Piraten, die etwa in Kenia bereits im Gefängnis sitzen und von denen viele immer noch auf eine Gerichtsverhandlung warten.

Über den Fang der Piraten kann sich der Kommodore heute, hier in Djibouti, nicht mehr freuen. Als das finnische Schiff unter den Blicken des portugiesischen Oberkommandierenden der Operation Atalanta längsseits der „Vasco da Gama“ festmacht, sind die Piraten längst frei.

Kommentare (9)

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RalphFischer

04.06.2011, 08:50 Uhr

Kein Wunder das uns die Piraten auslachen und munter weitermachen.

marin

04.06.2011, 09:08 Uhr

wenn diese leute shwere waffen an bord haben , schiffe kapern ,
die crew gefangen nehmen ,und sogar ermorden ; dann wissen wir doch wen wir vor uns haben.soldaten sind keine krankenschwestern, schiessbefehl, nach einem monat wird es um diese scene deutlich ruhiger werden. kein pitie fuer scrupellose moerder.

Account gelöscht!

04.06.2011, 10:56 Uhr

Wenn keiner die Piraten haben will, muß man sie auf hoher See über Bord werfen. Piraten sie ausgesprochen gute Schwimmer!

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