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26.05.2011

17:19 Uhr

Logbuch 2. Tag

Ausschau nach Piraten in trügerischer Ruhe

VonFlorian Brückner

Die portugiesische Fregatte "Vasco da Gama" sucht im Golf von Aden nach Piraten. Die Nervosität auf den Handelsschiffen ist groß - vor allem nachts.

Leutnant Pedro Pereira sucht mit einem Fernglas den Horizont nach verdächtigen Schiffen ab. Quelle: Florian Brückner / Handelsblatt Online

Leutnant Pedro Pereira sucht mit einem Fernglas den Horizont nach verdächtigen Schiffen ab.

Gigantische Mauern, Türme auf See schieben sich am Horizont durch den Dunst über dem Golf von Aden. Ein Blick durchs Fernglas – und aus dem Bild blau-roter Klötzchen wird ein Container-Schiff der französischen Reederei CMA CGM. Eines von gut 50 bis 70 Schiffen, die täglich den 1000 Kilometer langen und 40 Kilometer breiten Sicherheitskorridor IRTC (International Recommended Transit Corridor) durch den Golf von Aden passiert. Ein mögliches Opfer für Piraten, ein Schützling der „Vasco da Gama“.

Die portugiesische Fregatte ist in ihrem Operationsgebiet angekommen. Sie kreuzt jetzt 80 Seemeilen südöstlich von Aden. Die Brücke ist das Auge der „Vasco da Gama“. Fünf Männer und Frauen steuern hier das Schiff und überprüfen rund um die Uhr mit Radar und Fernglas ein Schiff nach dem anderen. Ihre Schicht dauert drei Stunden, dann werden sie von einem Team abgelöst, das die ganze Zeit über einsatzbereit auf Standby steht. Zehn Soldaten sind also 24 Stunden am Tag im Einsatz – allein hier auf der Brücke. Ein wachhabender Offizier führt das Kommando. Unterstützt werden die Seeleute von einem Marine-Infanteristen.

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Jede Stunde setzt das Kriegsschiff im Golf von Aden nun denselben  Funkspruch auf dem allgemeinen Kanal 16 ab: „Hier ist das portugiesische Kriegsschiff Vasco da Gama…“, spricht Leutnant Marina Miranda über einen Telefonhörer ins Funkgerät. Ihre schwarzen Haare sind hochgesteckt. „Wir wollen damit Präsenz zeigen, und den Schiffen ein sicheres Gefühl vermitteln“, sagt Korvettenkapitän João Piedade,  Wachleiter der Operationszentrale.

Doch nicht nur das. Es geht auch um die so genannten Best Management Practices, kurz BMPs, Ratschläge für Reeder und Seeleute zur Abwehr von Piraten. Wann immer ein Kriegsschiff – sei es von der europäischen Koalition, der Taskforce 151 oder der Nato-Operation Ocean Shield – Funkkontakt mit einem Handelsschiff hat, geht es um Stacheldraht, Wasserkanonen, Schutzräume und wachhabende Crewmitglieder, die nach Piraten Ausschau halten. „Wenn Piraten auf ein gut geschütztes Schiff zusteuern, brechen sie ihren Angriff meistens ab. Selbstverteidigung ist der beste Schutz – und verschafft uns Zeit, um auf einen Notruf zu reagieren“, sagt Piedade.

Viele Schiffe im Golf von Aden können die Portugiesen auch dank des Schiffsortungs- und Informationsdienstes AIS per Sattelitenübertragung auf ihrem Computer direkt kontrollieren. Ein Klick genügt, um die wichtigsten Details zu erhalten: Name, Zielhafen, Tragfähigkeit, Tiefgang, alles enthalten.  Doch das gilt nicht für dieses Schiff, was etwa eine halbe Stunde Fahrt entfernt auf der Steuerbordseite ausgemacht worden ist.

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