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29.05.2011

11:42 Uhr

Logbuch 4. Tag

Die großen Rätsel der somalischen Seeräuber

VonFlorian Brückner

Wo sind die Piraten geblieben? Die "Vasco da Gama" stößt auf ihrer Fahrt noch auf keinen Piraten - aber genau das macht der Besatzung Sorgen.

Der Wellengang an Bord eines der Schlauchboote der "Vasco da Gama" ist schwerer als man es erwarten würde. Die Besatzung der Boote muss immer ihr Gleichgewicht halten  Quelle: Florian Brückner / Handelsblatt Online

Der Wellengang an Bord eines der Schlauchboote der "Vasco da Gama" ist schwerer als man es erwarten würde. Die Besatzung der Boote muss immer ihr Gleichgewicht halten 

Mit einem lauten Knall schlägt das graue Schlauchboot auf dem Wasser auf. Ein harter Ruck erschüttert die Männer an Bord. Meerwasser spritzt an Bord. Korporal Ivo Soares reißt das Steuerrad herum, gibt Vollgas und prescht mit dem Beiboot der „Vasco da Gama“ in einem langen Bogen steuerbords auf einen neuen Wellenkamm zu. Gleich wird das Schlauchboot wieder abheben. Festhalten.

Die Sonne an diesem Spätnachmittag hat das Meer im Golf von Aden in ein tiefes Blau getaucht. Von Bord der portugiesischen Fregatte aus sehen die Wellen klein, geradezu freundlich aus, wogen munter vor sich hin. Tatsächlich sind sie eineinhalb Meter hoch. Für die „Vasco da Gama“ kein Problem. Für die Seeleute an Bord des Schlauchbootes auch nicht – solange es nur ringsherum um die „Vasco da Gama“ geht.

„Aber für Piraten, die mit ihren kleinen Booten ein Schiff entern wollen, sind die Bedingungen keineswegs optimal. Das Entern eines Schiffes bei voller Fahrt wird dann ausgesprochen schwierig“, sagt Korvettenkapitän  Miguel Algarvio später an Bord der „Vasco da Gama“. Er gehört zum Führungsstab der Operation Atalanta. Ab und an lässt die Fregatte eines ihrer beiden Schlauchboote zu Wasser, um sich ein direktes Bild vom Wellengang auf See für kleine Boote zu verschaffen. Algarvio steht im Planungsraum vor einer großen Landkarte, während die Crew eines der beiden Boote mit einem Kran an wieder an Bord holt. „Im Moment ist das Wetter vor der somalischen Küste  ungünstig für die Piraten.“ Zu viel Wind – und damit auch zu starke Wellen.

Ein Grund dafür, dass von den Piraten bislang jede Spur fehlt. Stundenlang blicken die Frauen und Männer auf der Brücke durch ihre Ferngläser in den Dunst hinaus. Die Routine hält die Mannschaften auf Trab. Rundgänge, Wache abwechseln, Schiffe notieren. Sonst nichts – bis auf die endlose Folge von Handelsschiffen, die sich langsam durch diese wichtige Lebensader des Welthandels schiebt.

Laut den Vereinten Nationen passieren jährlich 22.000 bis 25.000 Schiffe den Suez Kanal. Und jeden Tag werden 3,3 Millionen Barrel Öl durch die Straße von Bab-al-Mandeb - die zwischen den Küsten Djiboutis im Süden und des Jemens im Norden verläuft - transportiert.

Kommentare (4)

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Memorabiliter_R_l_Stevenson

29.05.2011, 11:51 Uhr

Somalische "Seeräuber"
So ne Klamotte könnt Ihr denen von der Allianz erzählen: die sind ja auch wahre Poeten vor dem Herrn.

Nachwuchs

29.05.2011, 11:56 Uhr

Keine Frage. Die Piraten sind gerade in Hamburg, mit der Bundesmarine hierher gebracht und beantragen mit Hilfe deutscher Juristen Asyl!

Paul_der_Grinser

29.05.2011, 12:00 Uhr

..."Und dieses Gefühl haben offenbar auch die vielen Handelsschiffe"...

Mitunter bereitet Lesen richtig Spaß.

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