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13.05.2012

16:53 Uhr

Logistik für Autos

Im Doppeldecker durch Europa

VonEberhard Krummheuer

Bevor fabrikneue Autos auf die Straße kommen, müssen sie erst auf die Bahn. Selbst für einen Hafenbetreiber ist dies ein lukratives Geschäft.

Der Autoterminal in Bremerhaven. dpa

Der Autoterminal in Bremerhaven.

FalkenbergVor dem Halbrund des baufälligen Lokschuppens und seiner von Birkenstämmen überwucherten Drehscheibe parken Puffer an Puffer die rostigen Kadaver von Dampflokomotiven aus alten Tagen. Der vergessene Güterbahnhof in Falkenberg sieht aus wie ein Friedhof für Dampfrösser.

Doch gleich nebenan herrscht reges Treiben. Auf den wenigen modernisierten Gleisen rangieren Diesellokomotiven nagelneue Fracht. Doppelstöckige Transportwagen sind mit fabrikneuen Fahrzeugen voll geparkt, vor den Unbilden des Wetters schützend verpackt. Fabrikneu sind auch die grau lackierten Eisenbahnwaggons. Sie tragen das Logo in Blau der BLG Logistics Group – besser bekannt als frühere Bremer Lagerhaus Gesellschaft.

Der Rangierbahnhof von Falkenberg an der Elster im südlichen Brandenburg war einmal eine der großen Drehscheiben der untergegangenen DDR-Reichsbahn. Vor mehr als zehn Jahren wurde er von der Deutschen Bahn stillgelegt. Nun nutzen die Bremer die verkehrsgünstige Lage am Schnittpunkt der Ost-West-Verbindung von Polen über Cottbus nach Leipzig sowie der Nord-Süd-Strecke Prag–Dresden–Berlin als Verschiebebahnhof in ihrer europaweiten Automotive-Logistik.

BLG transportiert Autos aus den osteuropäischen Werken in die westeuropäischen Märkte und für den Überseeexport in die Nordseehäfen. Auch die Gegenrichtung funktioniert: Auto-Importe aus Brasilien via Seehafen Emden für Mittel- und Osteuropa. Drei Züge pro Tag sind es heute, sieben bis acht werden es ab Sommer sein.

Mit dem Thema Neuwagen-Logistik beschäftigt sich die BLG schon seit der Zeit, als sie noch als Lagerhausgesellschaft nur die Weserhäfen in Bremen und Bremerhaven betrieb. Über den Autoterminal an der Wesermündung laufen seit Jahren Exporte und Importe von Autos. Berichte über den Exportweltmeister Deutschland werden seit Jahren gern mit Bildern von Tausenden am Hafenkai geparkter Autos illustriert.

Zum Teil werden die Fahrzeuge dort in einem logistischen „Finishing“ mit Extras vom Schiebedach bis zum Navi ausgestattet oder technisch für das Land des Endverbrauchers umgerüstet. 2011 wurden, wie in Vorkrisenzeiten, in Bremerhaven gut zwei Millionen Neuwagen umgeschlagen.

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