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28.05.2015

11:34 Uhr

Logistik

Hapaq-Lloyd erwägt Kauf von Containerriesen

Riesige Containerschiffe haben bei der deutschen Reederei Hapag-Lloyd bisher keine Rolle gespielt. Das dürfte sich bald ändern. Die Konzernführung plant den Kauf eines der gegenwärtig größten Containerschiffe der Welt.

Bislang verzichtete die Reederei auf Megafrachter. Nun will Hapag-Lloyd einen Testlauf mit einem Containerriesen starten. dapd

Reederei Hapag-Lloyd

Bislang verzichtete die Reederei auf Megafrachter. Nun will Hapag-Lloyd einen Testlauf mit einem Containerriesen starten.

HamburgDie Hamburger Containerreederei Hapag-Lloyd erwägt, ihre Flotte um die weltweit größten Schiffe zu ergänzen. Es sei noch keine Entscheidung gefallen und es stünden noch Beratungen innerhalb der Reeder-Allianz G6 bevor, sagte Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen am Mittwochabend vor dem „Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten“. Die Tendenz gehe gegenwärtig eher in Richtung zugunsten der Investition. Im Falle einer positiven Entscheidung werde Hapag-Lloyd Containerfrachter mit einer Tragfähigkeit von rund 20.000 Standardcontainern (TEU) anschaffen, das sind gegenwärtig die größten erhältlichen Schiffe.

Die bislang größten Hapag-Lloyd-Schiffe der „Hamburg Express“-Klasse können 13.200 TEU tragen. Er rechne damit, dass die Entwicklung von immer größeren Schiffen sich verlangsame oder ganz zum Stillstand komme, sagte Habben Jansen. „Die Kostenvorteile größerer Schiffe waren am Anfang enorm und werden nun immer geringer“, erklärte der Hapag-Lloyd-Chef. Ähnlich wie in der Luftfahrt seien mit großen Schiffen auch Nachteile verbunden. So seien sie weniger flexibel einsetzbar und könnten nur eine begrenzte Anzahl von Häfen anlaufen.

Die größten Reedereien der Welt

Platz 10

OOCL – 104 Schiffe

Die Orient Overseas Container Line wurde 1947 in Shanghai durch den Unternehmer Tung Chao Yung unter dem Namen „Orient Overseas Line“ gegründet. Noch im selben Jahr begann Tung regelmäßiger Routen nach Nordamerika und Europa zu etablieren. Auf der Flucht vor den Kommunisten siedelte Tung mit seinem 1949 nach Hongkong um. 1969 wurde das Unternehmen zur „Orient Overseas Container Line“ und transportierte als erste asiatische Reederei regelmäßig Containerfracht über den Pazifik. Von 1979 bis 1989 stand mit dem Öltanker Seawise Giant das bis heute größte jemals (nicht an einem Stück) gebaute Schiff im Dienst der Flotte.

Quelle: Alphaliner, Stand 06. Januar 2016

Platz 9

CSCL - 124 Schiffe

Die China Shipping Container Lines (CSCL) gehören zu den jüngsten Reedereien der Containerschifffahrt und gehört zur China Shipping Group. Seit 1997 expandiert die chinesische Reederei massiv – und steuert alleine in China über 40 Häfen an.

Platz 8

Hamburg Süd – 134 Schiffe

Es ist ein Unternehmen mit Tradition: Hamburg Süd ging 1871 aus dem Zusammenschluss von elf Hamburger Handelsgesellschaften hervor. Heute gehört die Reederei zum Oetker-Konzern. Im März 2015 übernahm sie den chilenischen Konkurrenten CCNI.

Platz 7

PIL – 147 Schiffe

Mit der Küstenschifffahrt und kleinen Liniendiensten von Singapur in die Häfen Südostasiens begann 1967 die Erfolgsgeschichte der Pacific International Lines. In den folgenden Jahrzehnten dehnte die Reederei ihr Containerliniennetz von Asien nach Europa und schließlich in die ganze Welt aus. Bis heute ist PIL ein Familienunternehmen.

Platz 6

Cosco - 169 Schiffe

Die China Ocean Shipping Company wurde in Europa bekannt, weil die Reederei in der Finanzkrise 50 Prozent der Anteile am Hafen in Piräus übernommen hat. In der Containerschifffahrt haben die Chinesen ihr weltweites Netz in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut.

Platz 5

Hapag-Lloyd - 172 Schiffe

Hapag-Lloyd ging 1970 aus der Fusion von Hapag und Norddeutschem Lloyd hervor. 2014 übernahm der Konzern den chilenischen Konkurrenten CSAV, um im Wettbewerb der Großen mithalten zu können. Muttergesellschaft ist der Tui-Konzern.

Platz 4

Evergreen - 192 Schiffe

Anders als der Name vermuten lässt, kommt die Reederei Evergreen aus China, genauer: aus Taipeh. Zum Konzern gehören die Uniglory Marine aus Taiwan, die Evergreen Marine UK (vorher: Hatsu Marine) aus Großbritannien und die Lloyd Triestino (einst Österreichischer Lloyd, seit 2006 Italia Marittima). Darüber hinaus hält die Reederei Beteiligungen an der Fluggesellschaft Eva Air und an der Hotelkette Evergreen Laurel.

Platz 3

CMA CGM - 461 Schiffe

Aus Compagnie Générale Maritime (CGM) und der Compagnie Maritime d'Affrètement (CMA) entstand 1999 die größte Reederei Frankreichs, die auch weltweit in der Top drei landet. Mit der CMA CGM Marco Polo betreibt das Unternehmen eines der größten Containerschiffe der Welt, an Bord ist Platz für über 16.000 Container.

Platz 2

MSC - 487 Schiffe

Eine der größten Reedereien der Welt kommt ausgerechnet aus der Schweiz. Die Mediterranean Shipping Company (MSC) aus Genf wuchs jahrelang rasant durch den Kauf gebrauchter Containerschiffe, bestellt mittlerweile aber auch neue Schiffe. Wichtigster Umschlagplatz ist der Hafen in Antwerpen, weltweit steuert die Reederei 270 Häfen an.

Platz 1

APM-Maersk - 585 Schiffe

Das größte Containerimperium der Welt wird von Kopenhagen aus gesteuert. Seit 1904 sind die Dänen im Frachtgeschäft tätig und unterhalten mittlerweile Niederlassungen in 135 Ländern. Neben der Containerschifffahrt gehört auch die Öl- und Gasförderung zum Geschäft von Maersk.

Die Integration der Containersparte der chilenischen Reederei CSAV in den Hapag-Lloyd-Konzern komme gut voran, sagte Habben Jansen. Auch ein zusätzliches Sparprogramm, mit dem ein dreistelliger Millionenbetrag eingespart werden soll, zeige erste Ergebnisse. Die weltweit viertgrößte Containerreederei hatte für das erste Quartal dieses Jahres erstmals seit langem wieder gute Zahlen vorgelegt und will im Gesamtjahr einen operativen Gewinn erreichen. „Mit einer Kapazität von einer Million TEU sind wir groß genug“, sagte Habben Jansen.

Der angestrebte Börsengang sei nach drei bis fünf guten Quartalen und einer günstigen Lage am Kapitalmarkt möglich. Ob sich das noch in diesem Jahr verwirklichen lässt, ließ Habben Jansen angesichts der aufwendigen CSAV-Integration und des notwendigen Vorlaufs offen. „Da muss man realistisch sein.“ Es sei jedenfalls noch keine Investmentbank mit der Organisation des Börsengangs betraut worden.

Von

dpa

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