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04.10.2012

08:16 Uhr

Logistik-Offensive

Amazon macht DHL-Packstationen Konkurrenz

VonCarina Kontio

New York, Seattle, London: Der Online-Händler macht seinem Unmut mit der Postzustellung Luft und baut in immer mehr Metropolen eigene Packstationen auf. Doch in Deutschland hängen die Trauben sehr hoch.

Mit seinen „Amazon Delivery Lockers“ könnte der Online-Händler den DHL-Packstationen Konkurrenz machen. (Foto: Amazon)

Mit seinen „Amazon Delivery Lockers“ könnte der Online-Händler den DHL-Packstationen Konkurrenz machen. (Foto: Amazon)

DüsseldorfWenn zwei sich streiten, freut sich meistens am Ende der Dritte. Dabei ist es eigentlich gar kein wirklicher Streit, um den es hier bei der Deutschen Post und dem E-Commerce-Riesen Amazon geht. Zumindest noch nicht. Der Dritte ist – um das vorweg zu nehmen – das kleine österreichische Familienunternehmen Keba. Seit Jahren rüstet die Firma die Post-Tochter DHL mit Packstationen aus; rund 2.500 sind es inzwischen im gesamten Bundesgebiet. Nun kann Keba auf weitere lukrative Aufträge hoffen – diesmal aber nicht von der Post, sondern vom weltgrößten Online-Händler Amazon.

Weil der US-Händler unzufrieden mit der Postzustellung von Paketen ist, testet er seit geraumer Zeit einen eigenen Vertriebsweg: Paketstationen zum Selbst-Abholen. Wie das „Wall Street Journal“ schreibt, soll so auch sichergestellt werden, dass keine Warenlieferungen mehr durch Diebstahl verloren gehen.

Die größten Einzelhändler der Welt

Platz 10

Best Buy (USA)

Das US-Amerikaner aus Richfield, Minnesota sind einer der führenden Anbieter für Unterhaltungselektronik. Der Umsatz im Jahr 2010 betrug 50,27 Milliarden Dollar.

Platz 9

Walgreens (USA)

Mit rund 7.000 Filialen in den USA und Puerto Rico, von denen ein Drittel 24 Stunden am Tag geöffnet sind, schafft es Walgreens unter die zehn größten Einzelhändler. Am Hauptsitz in Deerfield, Illinois, konnte man sich 2010 über einen Umsatz von 67,42 Milliarden Dollar freuen.

Platz 8

Home Depot (USA)

Die Amerikaner bezeichnen sich selbst als größte Baumarktkette der Welt. Was den Umsatz angeht, haben sie recht. Mit rund 68 Milliarden Dollar kann keine andere Baumarktkette mitthalten.

Platz 7

Costco Wholesale (USA)

Die 500 Cash&Carry-Märkte der US-Großhandelskette sind in den USA weit verbreitet. Der Hauptsitz liegt in der Kleinstadt Issaquah bei Seattle im Bundesstaat Washington. Mit 77,95 Milliarden Dollar fiel der Umsatz auch 2010 gigantisch aus.

Platz 6

Kroger

Was als kleiner Lebensmittelladen in Cincinnati begann, ist mittlerweile einer der größten Supermarktketten der Welt. Im Jahr 2010 setzte der Lebensmittelhändler 82,19 Milliarden Dollar um.

Platz 5

Metro (Deutschland)

Der deutsche Handelsriese aus Düsseldorf ist der drittgrößte Einzelhändler Europas. International erreicht der Dax-Konzern mit einem Umsatz von 89,08 Dollar im Jahr 2010 ebenfalls einen Spitzenplatz.

Platz 4

Tesco (Großbritannien)

Die blau-weiße Handelskette aus Cheshunt gehört schon seit Jahren zu den größten Supermarktkonzernen. Weltweit betreiben die Briten 5390 Supermärkte Großbritannien 94,185 4,104 384.389 Einzelhandel Philip Clarke

Platz 3

CVS Caremark (USA)

In der Kleinstadt Woonsocket im US-Bundesstaat Rhode Island ist die drittgrößte Handelskette der Welt beheimatet. Die Drogerie- und Pharmahändler setzten im Jahr 2010 rund 96,4 Milliarden Dollar um.

Platz 2

Carrefour (Frankreich)

Kein europäischer Einzelhändler ist größer als Carrefour. Mit 471.755 Mitarbeitern weltweit machten die Franzosen im Jahr 2010 einen Umsatz von 120,3 Milliarden Dollar. Nur ein Einzelhändler setzte mehr um.

Platz 1

Walmart (USA)

Unangefochten an der Spitze bleibt der Handelsgigant aus Bentonville, Arkansas. Gigantische 421,85 Milliarden Dollar setzte der Konzern 2010 um - bei einem Gewinn von 16 Milliarden Dollar. Weltweit beschäftigt der Konzern 2,1 Millionen Angestellte.

In Amerika wurden die sogenannten „Amazon Delivery Lockers“ in populären Läden der Supermarktkette 7-Eleven aufgestellt, die 24 Stunden lang geöffnet sind. Außerdem kooperiert Amazon mit der Drogeriekette Rite-Aid und der Metzgereikette Gristedes. Auch in London stehen inzwischen die Geräte an öffentlichen Plätzen und in Einkaufszentren – und es kommen ständig neue dazu.

E-Commerce in Zahlen

Der Handel

Im Jahr 2011 machte der elektronische Handel 14 Prozent am Gesamtumsatz der Unternehmen in der Europäischen Union aus. Das zeigen Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat. In Deutschland sind die Firmen mit einem Anteil von 17 Prozent überdurchschnittlich online-affin. Die Tschechische Republik liegt mit 25 Prozent an der Spitze.

Der Einkauf

Laut Studienergebnissen des IT-Verbands Bitkom kaufen bereits neun von zehn Internetnutzern Waren und Dienstleistungen im Internet ein. Demnach haben knapp 40 Prozent der User bereits Eintrittskarten für Theater, Konzerte oder Ähnliches online gekauft. Knapp darunter landet der Kauf von Flügen (38,2 %), gefolgt von Musik (36,6 %), Büchern (32,3 %) und Übernachtungen, z.B. im Hotel (30,4 %).

Online-Reisebüros

Mehr als fünf Millionen Bundesbürger buchen Reisen und Hotels grundsätzlich über die Websites der Anbieter, so Ergebnisse einer Bitkom-Erhebung. Besonders beliebt ist demnach das Buchen von Hotelzimmern und Übernachtungen, womit etwa 23 Millionen Deutsche bereits Erfahrungen gemacht haben.

Die Produktinformationen

Studienergebnisse des Verbands Bitkom bzw. der Statistikbehörde Eurostat zeigen, dass 70 Prozent der Deutschen Informationen über Waren und Dienstleistungen im Internet sammeln, bevor sie tatsächlich kaufen. Auch, wer Computer, Smartphones oder Flachbildfernseher im Internet ersteht, informiert sich oft bereits dort über Preise und Qualität der Produkte. Mehr als 90 Prozent der Internetnutzer suchen laut weiteren Umfrageergebnissen von Bitkom online nach entsprechenden Informationen, meist direkt bei den Shops. Mit 62 Prozent ist der Fachhandel bei der Kaufberatung deutlich abgeschlagen.

Die Bewertungen

Jeder zweite Internetnutzer schaut sich Bewertungen anderer Kunden vor dem Kauf an, zeigen Daten von Bitkom. Eine direkte Auswirkung auf die Kaufentscheidung haben die Nutzerkommentare demnach bei jedem Dritten. Eigene Bewertungen zu Produkten und Dienstleistungen schreibt rund ein Fünftel der Internetnutzer.

Der „Financial Times Deutschland“ sagte ein Vertrauter des Unternehmens, dass einem Aufbau der Stationen in Deutschland nichts im Wege stehe. „Generell ist es unser Ziel, unseren Kunden die Zustellung von Paketen so einfach und bequem wie möglich zu gestalten - und Amazon Lockers ist einer der verschiedenen Wege, die wir zur Erreichung dieses Ziels verfolgen“, sagt eine Amazon-Sprecherin Handelsblatt-Online. Nur zu zukünftigen Plänen mag sie keine Auskunft geben. „Ich bitte um Ihr Verständnis.“

Zukunft des Einkaufens: Der digitale Kaufrausch

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E-Commerce gehört längst zum Alltag: Ob Buch, Reise oder Auto - das Internet hat sich zum Marktplatz entwickelt. Modelle, Preise und Erfahrungen werden verglichen. Doch der körperlose Warenaustausch steht erst am Anfang.

Für die Deutsche Post würde eine Ausweitung auf Deutschland bedeuten, dass sie ausgerechnet von einem ihrer prestigeträchtigsten Auftraggeber Konkurrenz bekommt. Seit mehr als einem Jahrzehnt verdiente der Bonner Konzern nicht schlecht an Amazon, der seiner Kundschaft bislang in den meisten Ländern für bestimmte Produkte einen kostenlosen Postversand anbietet. Durch den Boom im Online-Versandhandel ist das Paketgeschäft zu einem Milliardenmarkt angeschwollen, um den mehrere Anbieter kämpfen, die täglich zigtausende Paketboten an die Haustüren schicken. Allein die Post-Tochter DHL transportiert pro Werktag rund drei Millionen Paketsendungen. Über 60.000 Zusteller sind für die Auslieferung von Paketen und Päckchen im Einsatz.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

04.10.2012, 09:04 Uhr

Ich will, daß es so bleibt wie es ist - nämlich daß die DHL die Päckchen bringt. Durch die Packstationen werden wieder Leute wegrationalisiert und überdies finde ich es eine Frechheit, den Bringdienst in eine Abholpflicht zu verwandeln. So wird wieder etwas vom Unternehmen auf die Kunden verlagert. Wenn ich "Packstation" auswähle und das Ganze wird um 4 Euro billiger, dann ist das okay, aber bei gleichbleibendem Preis eben nicht.

Account gelöscht!

04.10.2012, 09:47 Uhr

Ein Kostenproblem entsteht dadurch, daß oft mehr als ein Zustell-Versuch unternommen werden muß.

Dem können die Packstationen entgegenwirken.

Ein eigener Paket-Briefkasten vorm Haus ist natürlich ein Traum, den ich mir etwas kosten lassen würde.

Vor allem, weil dort auch eigene Sendungen für den Zusteller platziert werden können.

Gute Idee!

cbrs

04.10.2012, 10:08 Uhr

Es wäre nur zu wünschen, dass die Post hier Konkurrenz bekommt. Die Packstationen sind in großen Städten oft überlastet und so wird das Paket in eine willkürliche Filiale umgeleitet, was 2 Tage dauert und für den Kunden einen erheblichen Mehraufwand bedeutet.

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