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19.08.2013

08:11 Uhr

Logistikbranche sucht schnelle Standorte

„Die Mitte Deutschlands ist wie ein Magnet“

Ein Mausklick und der Paketbote steht vor der Tür. Was Kunden glücklich machen soll, stellt die Unternehmen vor Herausforderungen. Amazon, Zalando, Redcoon und andere drängen an Standorte, wo die Post abgeht.

Warenversand am Fließband: Die Logistikbranche profitiert vom bequemen One-Click-Einkauf. dpa

Warenversand am Fließband: Die Logistikbranche profitiert vom bequemen One-Click-Einkauf.

Erfurt/WürzburgNur nichts dem Zufall überlassen: Bei der Standortwahl für ihr neues Logistikzentrum hat die Hamburger Eurogate GmbH Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts zurate gezogen. Sie empfahlen Thüringens Landeshauptstadt Erfurt, „so ziemlich in der Mitte Deutschlands“, sagt Eurogate-Geschäftsführer Sven Munderloh.

Er ist nicht der einzige, der in Erfurt investiert hat. Vor allem die Logistiker der Internet-Händler suchen Standorte, um ihre Kunden möglichst innerhalb eines Tages mit den bestellten Waren beglücken zu können. Während im Westen des Landes neue Logistikklötze, die für viel Verkehr und größtenteils mäßig qualifizierte Jobs sorgen, nicht immer gut gelitten sind, wirbt der Osten mit Flächen und Förderung.

„Der Internet-Handel wächst zweistellig, es werden immer neue Logistik-Flächen gebraucht“, sagt Christian Kille, Professor für Handelslogistik an der Hochschule Würzburg. Lange Zeit habe Bad Hersfeld in Hessen als A-Lage einen Run erlebt. Dort hat unter anderem der deutsche Ableger des US-Handelsgiganten Amazon ein Logistikzentrum - es sorgt mit Streiks der Beschäftigten für einen Tarifvertrag für Aufmerksamkeit. Die A-Lage in der Region um Bad Hersfeld sei inzwischen weitgehend ausgebucht, die Investitionen rückten Richtung Erfurt, sagt Kille. „Die Mitte Deutschlands ist wie ein Magnet für die schnelle Logistik.“

Aber auch die Region um Magdeburg und der Speckgürtel um Berlin sind für die Internet-Wirtschaft interessant, geht aus Untersuchungen der Fraunhofer-Arbeitsgruppe Logistik (SCS/Nürnberg) hervor. Zu den Top 20 Logistikregionen Deutschlands gehören danach neben Hamburg, großen Teilen Nordrhein-Westfalens, Frankfurt am Main oder Hannover auch Halle/Leipzig, Erfurt oder Teile Brandenburgs.

Wo Pakete am Wunschtermin kommen

Deutsche Post DHL

Die Deutsche Post will künftig allen Paketempfängern den Lieferzeitpunkt auf vier Stunden genau mitteilen. Kunden erhalten am Vortag der Zustellung eine E-Mail, in der das Zeitfenster genannt wird. Dafür gibt der Absender des Pakets, zum Beispiel ein Onlineshop die E-Mail-Adresse des Empfängers an DHL weiter. Über das Portal Paket.de können Empfänger auch Wunschtag und Wunschort für die Lieferung festlegen, müssen sich hierfür allerdings registrieren. DHL bietet Versendern außerdem kostenpflichtig an, Pakete per Expresszustellung vor einer bestimmten Uhrzeit zu liefern. Bei den Selbstbedienungs-Packstationen des Konzerns können Kunden rund um die Uhr ihre Lieferungen abholen.

GLS

Der Paketlieferant kann den Zustellzeitpunkt für Empfänger zwischen einer und vier Stunden eingrenzen - je nachdem, wie dicht besiedelt das Liefergebiet ist. Meist kann das Unternehmen nach eigenen Angaben den Liefertermin auf zwei Stunden genau vorhersagen. Das Angebot ist für den Versender kostenfrei. Kann ein Paket weder dem Empfänger direkt zugestellt, noch einem Nachbarn übergeben werden, geht es zur Abholung durch den Kunden in einen Paketshop.

DPD

DPD bietet Versendern die kostenpflichtige Möglichkeit, ein Zeitfenster für Paketlieferungen festzulegen. Dieses Zeitfenster beläuft sich nach Angaben des Unternehmens „auf bis zu drei Stunden“, soll aber künftig nur noch 30 Minuten betragen. Empfänger werden am Zustelltag per SMS oder E-Mail über den erwartbaren Zustellzeitpunkt informiert. Alternativ bietet DPD Empfängern an, sich Pakete in einen DPD-Paketshop in der Nähe schicken zu lassen anstatt an die eigene Adresse.

UPS

Der Paketdienst UPS nennt Empfängern bei Standardsendungen kein bestimmtes Zeitfenster für die Lieferung. Die Zustellung erfolgt demnach "üblicherweise zwischen 09.00 und 17.00 Uhr (und manchmal später) an Privathaushalte". Bis zu drei Zustellversuche würden unternommen, Wochenenden und Feiertage sind bei der Zustellung ausgeschlossen. Als Service können Versender die Expresszustellung vor einer bestimmten Uhrzeit hinzu buchen, wie etwa vor 09.00 Uhr oder vor 10.30 Uhr, ebenso wie teils auch die Samstagszustellung.

Hermes

Der Zustelldienst des Versandhändlers Otto will Empfängern ab kommendem Jahr auf ein bis zwei Stunden genau mitteilen, wann sie beliefert werden. Auch will das Unternehmen künftig verstärkt nach Feierabend liefern, wie Hermes-Chef Hanjo Schneider dem "Handelsblatt" im Februar sagte. Bislang liefert Hermes nach eigenen Angaben von montags bis samstags zwischen acht und 20.00 Uhr. Ein bestimmtes Zeitfenster für die Lieferung ist nach Firmenangaben bislang nicht möglich. Auch Hermes leitet Sendungen auf Wunsch der Empfänger in Paketshops weiter.

Richtig geklotzt wird vor den Toren der Thüringer Landeshauptstadt: Der Onlinehändler Zalando hat einen dreistelligen Millionen-Betrag investiert und stockt die Belegschaft derzeit in Richtung 2000 Mitarbeiter auf. Die Media-Saturn-Gruppe will mit dem Onlinehändler Redcoon ihr Internetgeschäft in Schwung bringen und hat das dazugehörige Warenverteilzentrum ganz in der Nähe von Zalando eröffnet. Etwa 1000 Arbeitsplätze von Stuttgart und Köln verlagern will der Buchgroßhändler Koch, Neff & Volckmar GmbH (KNV/Stuttgart), der seine neue Logistik-Zentrale für 150 Millionen Euro in Erfurt baut.

Kommentare (3)

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DieMittevonEuropa

19.08.2013, 08:41 Uhr

Das ist doch kalter Kaffee. Die wirklichen Denker in der Logistik gehen nicht in die Mitte, sondern an den Rand. In Städte, die direkt an der Grenze liegen, um erstens ein europäisches Netzwerk aufzubauen un zweitens bei unangenehmen Steuerüberraschungen kurzfristig den Standort ins Nachbarland verlegen zu können...

manthra

19.08.2013, 09:34 Uhr

"„Der Internet-Handel wächst zweistellig, es werden immer neue Logistik-Flächen gebraucht“, - das sind dann jene, die über Amazon auf anderen Portalen schimpfen, es verunglimpfen statt dem Riesen konsequent den Rücken zu kehren und Arbeitsplätze anderer vor Ort über überregional zu sichern! Das gleiche Phänomen haben wir bei den (Q)Wahlen. ...

Account gelöscht!

19.08.2013, 10:51 Uhr

Die sollten hier nur eine Lizenz erhalten wenn sie nachweislich ihre gewinne hier versteuern.... ohne kompromisse

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