Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.04.2013

14:14 Uhr

Logistiker Hermes

Paketversand in der Steilkurve

VonSebastian Ertinger

Amazon und Ebay sei dank: Weil die Deutschen immer mehr Waren im Internet bestellen, macht der Paketdienst Hermes einen Rekordumsatz. Zudem angeln sich die Hamburger jetzt eine prominente Aufsichtsrätin.

Päckchenband bei Hermes: Der Logistiker profitiert vom Online-Handel. dpa

Päckchenband bei Hermes: Der Logistiker profitiert vom Online-Handel.

HamburgEin endlos erscheinendes Band aus Holzschalen schlängelt sich durch die Halle. Auf den Schalen gleiten große und klein, braune oder weiße Pappkartons über das Förderband im Verteilzentrum West des Logistikkonzerns Hermes. Täglich kreisen so mehr als 150.000 Päckchen und Pakete durch die Sortieranlage in Hückelhoven in Nordrhein-Westfalen. Meist rattern die Paketschalen mit etwas mehr als zwei Metern pro Sekunde über die Schienen, bevor die Schalen hochkippen und ihre Last auf Rutschen werfen. Die Pakete landen dann in der Verladestelle und Lastwagen kutschieren sie zum Ziel.

Doch wenn besonders viel los ist, wie in der Vorweihnachtszeit, fahren die Techniker das Tempo der Anlage hoch auf 2,5 Meter die Sekunde. Bei dem Tempo drohen aber die Pakete in den Kurven vom Band zu fliegen. Deswegen kippen in den Kurven die Schalen automatisch etwas – und bilden so eine Art Steilkurve. So kann Hermes im hektischen Weihnachtsgeschäft täglich mehr als 250.000 Sendungen durch die Hallen schleusen.

Warum die Deutschen Online-Shopper sind

Eine Welt ohne Online-Shopping?

„Aus heutiger Sicht wäre das der Weg zurück in die Steinzeit“, lautete eine Antwort auf diese Frage. E-Commerce hat sich fest in den Alltag der meisten Menschen integriert. Die Deutschen sind insgesamt besonders positiv eingestellt. 61 Prozent der Deutschen Online-Shopper möchten auf diese bequeme Art des Einkaufs nicht mehr verzichten.

Faktor Zeit

„Zu den Zeiten einkaufen, die in mein Leben passen“ nennen in Deutschland vier von fünf Konsumenten als wichtigsten Vorteil. Eine echte Zeitersparnis haben 57 Prozent festgestellt. Mehr Zeit zu haben, empfinden dabei die meisten Deutschen als eine Entlastung im Alltag: 63 Prozent geben an, „viel weniger Stress beim Einkaufen als früher in der Stadt“ zu haben. 55 Prozent geben an, sich entspannter zu fühlen.

Faktor Angebotsvielfalt und Preis

„Genau das Produkt, das ich suche“ finden in der Regel zwei Drittel der Online-Shopper. Und zwar sehr schnell und zum günstigsten Preis. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) gibt an, im Internet oft besonders individuelle Produkte zu finden, 62 Prozent schätzen es, dass sie Produkte finden, „die man im Geschäft beziehungsweise via Katalog nicht bekommen würde“.

Faktor Selbstbestimmung

Die Mehrheit der Käufer erlebt sich im Internet als „empowered consumer“. Zwei Drittel der Online-Shopper halten sich für besser informiert über Angebote und Preise als früher, nutzen gerne Bewertungen anderer Kunden und meinen, dass Konsumenten heute durch Kommentarfunktion und Empfehlungen beim Online- Kauf viel mehr Einflussmöglichkeiten haben.

Quelle: Studie im Auftrag der Deutschen Post: Einkaufen 4.0  - der Einfluss von E-Commerce auf Lebensqualität und Einkaufsverhalten

Das bescherte dem Logistikkonzern nun einen Umsatzanstieg um sieben Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Dies sei das neunte erfolgreiche Geschäftsjahr in Folge, teilte die Tochter des Handels- und Dienstleistungskonzerns Otto in Hamburg mit. „Wir gehen davon aus, unsere positive Entwicklung fortzusetzen und 2013 erstmals einen Umsatz von mehr als zwei Milliarden Euro zu erreichen“, sagt Hanjo Schneider, Vorstandschef von Hermes Europe und bei der Otto Group Vorstand für den Bereich Service.

Paketdienste wie Hermes profitieren von dem boomenden Versandhandel über Online-Portale wie etwa Amazon oder der Auktionsplattform Ebay. Laut Schätzung des Marktführers Deutsche Post DHL belief sich das Volumen des deutschen Paketmarkts 2012 auf 7,8 Milliarden Euro. Ein Zuwachs von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Was Paketlogistik im E-Commerce-Zeitalter leisten muss

Packstation

Ende 2001 wurden in Dortmund und Mainz die ersten Packstationen in Betrieb genommen, heute stehen mehr als 2.500 dieser Automaten in ganz Deutschland den Kunden von DHL zur Verfügung. An sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr können sie hier ihre Pakete abholen. Insbesondere für Berufstätige ist die Zustellung an eine Packstation eine sinnvolle Alternative zur Heimzustellung.

Online-Retoure

Für den Betreiber fällt damit die kostenintensive und wenig umweltfreundliche Produktion vieler ungenutzter Retouren-Label weg. Der Käufer muss nicht wie bisher üblich diese Label lange aufbewahren, sondern kann sie bei Bedarf zuhause ausdrucken. Der Shop-Betreiber wiederum hat die Möglichkeit zu wissen, welche Retouren überhaupt zu ihm unterwegs sind – und kann sie bereits für den Wiederverkauf einplanen, wenn sie noch gar nicht wieder bei ihm angekommen sind. Das erhöht die Umlaufgeschwindigkeit der Ware und verringert die Kapitalbindung.

Wunschzustellung

Registrierte DHL-Kunden können bei der Bestellung ihrem Händler ihre DHL-Kundennummer angeben. Sie werden dann von DHL per SMS kostenlos über den voraussichtlichen Zustelltag informiert. Ebenfalls per SMS kann der Kunde antworten und, für einen geringen Preisaufschlag, einen anderen Zustelltag vereinbaren und damit selbst bestimmen, wann er sein Paket empfangen möchte.

Internationale Retouren

Dank dieses vollständig webbasierten Verfahrens können Kunden die Sendungen bei allen Filialen der Postgesellschaften im Zielland zurückgeben. Den Online-Händlern stehen dabei drei unterschiedliche Varianten zur Verfügung, von einer Online-Buchungsmaske mit Link zum Retouren-Label bis zur Vollintegration in den eigenen Webauftritt.

Angebote für Shop-Betreiber

Vom Aufbau eines Web-Shops über die logistische Abwicklung und Lagerhaltung bis hin zum Kunden- und Debitoren-Management reichen die Fulfillment-Lösungen, die DHL für Versandhändler offeriert. Damit kann der Händler sehr flexibel auf die Nachfrage in seinem Shop reagieren und die von seinen Kunden erwartete Servicequalität sichern. Hinzu kommen spezielle Angebote für Powerseller wie der kostenlos herunterladbare DHL Versandhelfer: Mit Portorechner, Ausfüllhilfe, Online-Frankierung, Sendungsverfolgung, Postfinder und Adressbuch.

Hermes will dementsprechend weiter in sein Geschäft investieren. Der Logistiker baut sein deutsches Versandnetz aus und eröffnet im Mai eine Niederlassung in Wilhelmshaven. Zudem richten die Hamburger Standorte in Shanghai, Hongkong sowie in Indien ein und planen Büros in den USA, Frankreich und den Benelux-Staaten. Angaben zum Gewinn macht das Unternehmen nicht. Wegen der hohen Investitionen und schwacher Margen sei er aber eher rückläufig.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

23.04.2013, 14:26 Uhr

Hermes? Das sind doch die Scheinselbständigen, die für unter 1000€ 60h/Woche schuften müssen, ohne Urlaub. Und eine Krankenversicherung ist auch nicht drin.

Und Herr Otto genießt seine Milliardengewinne!

TripleL

23.04.2013, 15:06 Uhr

Naja "müssen", die werden ja nicht gezwungen da zu arbeiten....
Als Kunde bin ich jedenfalls hochgradig zufrieden mit Hermes...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×