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27.05.2014

18:26 Uhr

Logistikkonzern auf Expansionskurs

Post will bis 2020 Weltmarktführer werden

USA, China, ganz Europa – die Post sieht noch viel Raum, ihr Geschäft international auszudehnen. Den will sie nutzen, selbst verlassene Standorte werden wieder attraktiv. Denn der Bonner Konzern hat ein ehrgeiziges Ziel.

Von Deutschland in die ganze Welt: Frank Appel, Vorstandschef der Deutschen Post, will sein Unternehmen an die Spitze des Weltmarktes setzen. Reuters

Von Deutschland in die ganze Welt: Frank Appel, Vorstandschef der Deutschen Post, will sein Unternehmen an die Spitze des Weltmarktes setzen.

FrankfurtDer boomende Online-Handel soll der Deutschen Post bis 2020 die Weltmarktführung im Paketdienst bescheren. „Die Wachstumsfelder Paket und E-Commerce werden in Zukunft immer mehr an Bedeutung für uns gewinnen“, sagte Vorstandschef Frank Appel am Dienstag auf der Hauptversammlung in Frankfurt. „Wir haben vor, bis 2020 die globale Nummer 1 in diesem Geschäft zu werden“, fügte er hinzu. Dabei setzt die Post vor allem auf organisches Wachstum. „Es bedarf keiner großen Zukäufe mehr. Im Bedarfsfall sind jedoch kleinere Akquisitionen denkbar.“

Bei der Expansion hat der Bonner Konzern fast alle Regionen im Blick: „Wir denken an Europa, Amerika und Asien“, sagte Appel. Geprüft werde auch eine Rückkehr in solche Länder, die der Konzern wegen anhaltender Verluste verlassen hatte. Der Schwerpunkt liege aber auf dem Ausbau der Geschäfte in den bestehenden Märkten. Verabschiedet hatte sich die Post zum Beispiel 2010 aus dem inländischen Paketgeschäft in Frankreich und Großbritannien. Besondere Wachstumschancen sieht die Post in den Schwellenländern. Deren Umsatzanteil soll bis 2020 auf 30 Prozent von derzeit 22 Prozent steigen.

Wo Pakete am Wunschtermin kommen

Deutsche Post DHL

Die Deutsche Post will künftig allen Paketempfängern den Lieferzeitpunkt auf vier Stunden genau mitteilen. Kunden erhalten am Vortag der Zustellung eine E-Mail, in der das Zeitfenster genannt wird. Dafür gibt der Absender des Pakets, zum Beispiel ein Onlineshop die E-Mail-Adresse des Empfängers an DHL weiter. Über das Portal Paket.de können Empfänger auch Wunschtag und Wunschort für die Lieferung festlegen, müssen sich hierfür allerdings registrieren. DHL bietet Versendern außerdem kostenpflichtig an, Pakete per Expresszustellung vor einer bestimmten Uhrzeit zu liefern. Bei den Selbstbedienungs-Packstationen des Konzerns können Kunden rund um die Uhr ihre Lieferungen abholen.

GLS

Der Paketlieferant kann den Zustellzeitpunkt für Empfänger zwischen einer und vier Stunden eingrenzen - je nachdem, wie dicht besiedelt das Liefergebiet ist. Meist kann das Unternehmen nach eigenen Angaben den Liefertermin auf zwei Stunden genau vorhersagen. Das Angebot ist für den Versender kostenfrei. Kann ein Paket weder dem Empfänger direkt zugestellt, noch einem Nachbarn übergeben werden, geht es zur Abholung durch den Kunden in einen Paketshop.

DPD

DPD bietet Versendern die kostenpflichtige Möglichkeit, ein Zeitfenster für Paketlieferungen festzulegen. Dieses Zeitfenster beläuft sich nach Angaben des Unternehmens „auf bis zu drei Stunden“, soll aber künftig nur noch 30 Minuten betragen. Empfänger werden am Zustelltag per SMS oder E-Mail über den erwartbaren Zustellzeitpunkt informiert. Alternativ bietet DPD Empfängern an, sich Pakete in einen DPD-Paketshop in der Nähe schicken zu lassen anstatt an die eigene Adresse.

UPS

Der Paketdienst UPS nennt Empfängern bei Standardsendungen kein bestimmtes Zeitfenster für die Lieferung. Die Zustellung erfolgt demnach "üblicherweise zwischen 09.00 und 17.00 Uhr (und manchmal später) an Privathaushalte". Bis zu drei Zustellversuche würden unternommen, Wochenenden und Feiertage sind bei der Zustellung ausgeschlossen. Als Service können Versender die Expresszustellung vor einer bestimmten Uhrzeit hinzu buchen, wie etwa vor 09.00 Uhr oder vor 10.30 Uhr, ebenso wie teils auch die Samstagszustellung.

Hermes

Der Zustelldienst des Versandhändlers Otto will Empfängern ab kommendem Jahr auf ein bis zwei Stunden genau mitteilen, wann sie beliefert werden. Auch will das Unternehmen künftig verstärkt nach Feierabend liefern, wie Hermes-Chef Hanjo Schneider dem "Handelsblatt" im Februar sagte. Bislang liefert Hermes nach eigenen Angaben von montags bis samstags zwischen acht und 20.00 Uhr. Ein bestimmtes Zeitfenster für die Lieferung ist nach Firmenangaben bislang nicht möglich. Auch Hermes leitet Sendungen auf Wunsch der Empfänger in Paketshops weiter.

Den Anteilseignern stellte Appel auf Nachfrage eine höhere Ausschüttung in Aussicht, ohne aber konkrete Zahlen zu nennen. Wenn sich das operative Ergebnis wie geplant verbessere, würden sich auch der Konzerngewinn und die Dividende entsprechend erhöhen. Die Post sehe eine Ausschüttungsquote von 40 bis 60 Prozent vor. Für das abgelaufene Geschäftsjahr billigten die Aktionäre am Dienstag auf der Hauptversammlung eine Anhebung der Dividende um 0,10 Euro auf 0,80 Euro.

Die Post profitiert von dem Trend, dass die Verbraucher ihre Waren zunehmend im Internet bestellen und sich dann per Paket nach Hause liefern lassen. Das macht Rückgänge im Briefgeschäft wett: Die in „Post - E-Commerce - Parcel“ (Pep) umbenannte Sparte, die rund ein Drittel des Umsatzes ausmacht, soll ihren operativen Gewinn (Ebit) bis 2020 jährlich um rund drei Prozent steigern. Davor hatte der Konzern dem Briefgeschäft wegen des Vormarschs der Email höchstens stabile Gewinne vorausgesagt. Für den größeren Bereich DHL - in dem das Expressgeschäft, die Luft- und Seefracht sowie Logistikdienstleistungen für Firmen gebündelt sind - peilt Appel ein jährliches Ebit-Wachstum von zehn Prozent an. Insgesamt soll das Ebit in diesem Jahr auf 2,9 bis 3,1 (2013: 2,86) Milliarden Euro und bis 2020 auf etwa fünf Milliarden Euro klettern, bekräftigte der Post-Chef die kurz- und mittelfristigen Prognosen.

Die Aktionärsvertreter äußerten sich zufrieden mit dem Kurs: „Sie haben geliefert“, fasste Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zusammen. Kritik wurde vor allem an den Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten äußert. Die Aktien, die seit Jahresbeginn 4,5 Prozent zugelegt und damit mehr als der Dax gewonnen haben, notierten am Dienstag knapp ein Prozent im Plus bei 27,68 Euro.

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