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05.05.2015

19:19 Uhr

Lokführer-Aufstand

Streik trifft Millionen Pendler und Reisende

Fast eine ganze Woche lang wollen die Lokführer streiken. Der Ausstand trifft Pendler, Reisende und die Wirtschaft mit voller Härte. Ob die Bahn mit einem neuen Vorschlag etwas bewirken kann, bleibt vorerst offen.

GDL-Streik geht weiter

Bahnstreik erwischt Millionen Pendler

GDL-Streik geht weiter: Bahnstreik erwischt Millionen Pendler

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Berlin/FrankfurtDer längste Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn macht Millionen Pendlern und Reisenden das Leben schwer. Die Lokführergewerkschaft GDL weitete am Dienstag ihren Ausstand auf Fernzüge, Regionalbahnen und S-Bahnen in ganz Deutschland aus. Im Osten Deutschlands fuhr in einigen Gebieten kaum ein Regionalzug. Die Ausfallquote lag dort nach Bahn-Angaben bei 85 bis 95 Prozent. Der fast einwöchige Arbeitskampf, der am Montag im Güterverkehr begann und bis Sonntag dauern soll, ist der achte im derzeitigen Tarifkonflikt.

Möglicherweise kommt am Mittwoch Bewegung in den Tarifkonflikt. Dann will die Bahn einen „Vorschlag zur Befriedung der Lage“ unterbreiten, wie Bahnchef Rüdiger Grube in der „Bild“-Zeitung (Mittwoch) ankündigte. Dazu planen die beiden eine Pressekonferenz, wie es in Unternehmenskreisen hieß. Ort und Zeit wurden zunächst nicht genannt.

Den angekündigten Vorstoß der Bahnspitze zur Lösung des Konflikts werde man bewerten, wenn er vorliegt, sagte GDL-Sprecherin Gerda Seibert in Frankfurt. Es sei aber klar, dass über Grundrechte der GDL-Mitglieder nicht verhandelt oder geschlichtet werden könne. Die Gewerkschaft geht von einer unverändert hohen Beteiligung ihrer Mitglieder an dem Arbeitskampf aus. Pro Tag seien rund 3000 Lokführer im Streik, berichtete Seibert.

Knackpunkte in den Verhandlungen zwischen Bahn und GDL

Darum geht's

Der im Juli 2014 begonnene Tarifkonflikt zwischen der Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL scheint unendlich. Eine Vielzahl von Knackpunkten hat bislang eine Einigung verhindert.

Berufsgruppen

Die GDL will nicht mehr allein für die Lokführer verhandeln, sondern auch für das übrige Zugpersonal in ihrer Mitgliedschaft. Bis die Bahn diesen Anspruch im November 2014 anerkennt, vergehen zwei Warnstreiks und vier reguläre Streikrunden.

Konkurrierende Verträge...

... mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG sind nun möglich, doch die DB will unter allen Umständen verhindern, dass sie unterschiedliche Regelungen zur Arbeitszeit oder anderen Details enthalten. In den Verhandlungen muss die Bahn also versuchen, beide Gewerkschaften auf das gleiche Ergebnis festzulegen. Das birgt für die EVG in ihren parallelen Verhandlungen mit der Bahn die Möglichkeit, die nicht erwünschten GDL-Abschlüsse zu torpedieren.

Lokrangierführer...

... sollen nach dem Willen der GDL wie ihre Kollegen auf der Strecke bezahlt werden. Die Bahn will hingegen die bislang mit der EVG vereinbarte niedrigere Einstufung auch für GDL-Mitglieder beibehalten.

Tarifeinheit

Das Gesetzesvorhaben der Bundesregierung setzt die GDL zusätzlich unter Druck. Wenn vom Sommer an nur noch eine Gewerkschaft in einem Betrieb einen Tarifabschluss verhandeln kann, gilt es für die Lokführer, vorher noch einen Abschluss zu erzielen und einen möglichst großen Teilbetrieb des Bahn-Konzerns zu organisieren. Der GDL schwebt eine gewerkschaftliche Trennung in Fahrbetrieb (GDL) und Infrastrukturbetrieb (EVG) vor.

Entgelt

Über Löhne und Gehälter ist mit Ausnahme von Abschlagszahlungen zu Jahresbeginn noch gar nicht gesprochen worden. Auch hier ist die Lage wegen der Gewerkschaftskonkurrenz komplex, weil EVG und GDL unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Die Lokführer wollen eine Arbeitszeitverkürzung von derzeit noch einer Stunde, während die EVG vor allem die unteren Gehaltsgruppen stärker anheben will. Diese soziale Komponente fehlt bei den Lokführern.

Viele Menschen nahmen das Auto und gerieten vor allem in den Ballungsgebieten in sehr dichten Verkehr - weitaus dichter als an normalen Arbeitstagen. „Wer keine Alternative zum Auto hat, steht fast zwangsläufig im Stau“, sagte eine Sprecherin des Automobilclubs ADAC. Die Wirtschaft befürchtet wegen der langen Streikdauer Millionenschäden. Allein die Bahn-Bilanz belastet jeder Streiktag mit zehn Millionen Euro.

Die Bahn will im Fernverkehr auch am Mittwoch und Donnerstag etwa ein Drittel des sonst üblichen Verkehrs auf die Schiene bringen. Am Dienstag sei der Zugverkehr nach Ersatzfahrplänen Angaben des Unternehmens zufolge stabil gelaufen, sagte Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg. Jeder dritte Fernzug fahre, im Regionalverkehr seien es im Westen 50 bis 60 Prozent der Züge, im Osten teilweise nur 5 bis 15 Prozent. Dort gibt es kaum beamtete Lokführer, die nicht streiken dürfen.

Auch die S-Bahnen waren stark beeinträchtigt. In Hamburg fuhren sie auf den Stammlinien im 20-Minuten-Takt. In Berlin wurde etwa die Hälfte der Linien ebenfalls im Abstand von 20 Minuten bedient. Im Rhein-Main-Gebiet fuhren die meisten Linien im Stunden-Takt oder fielen gleich ganz aus.

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