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05.05.2015

13:06 Uhr

Lokführer-Ausstand

Streik erwischt auch den Bahnchef

Seit dem Morgen bestreiken die Lokführer auch den Personenverkehr. Der Ausstand trifft nicht nur Millionen Pendler, sondern auch den Bahnchef. Und auch eine von der Bahn unterstützte Veranstaltung hat Probleme.

Der Bahnchef wollte reden, doch jetzt wurde die Veranstaltung wegen des Streiks abgesagt. dpa

Rüdiger Grube

Der Bahnchef wollte reden, doch jetzt wurde die Veranstaltung wegen des Streiks abgesagt.

FrankfurtDer Lokführerstreik trifft auch Bahnchef Rüdiger Grube. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG wollte an einem Kongress der „Women Speaker Foundation“ an diesem Freitag in Frankfurt teilnehmen. Die schon ab Donnerstag geplante Veranstaltung mit rund 150 Teilnehmern wurde jedoch kurzfristig abgesagt, wie die Veranstalter auf Anfrage bestätigten.

Wegen des Streiks hätte es für viele Gäste und Referenten Probleme gegeben, den Veranstaltungsort im Frankfurter Bahn-Hochhaus sicher und pünktlich zu erreichen. Grube wollte über die Digitalstrategie der Bahn sprechen.

Knackpunkte in den Verhandlungen zwischen Bahn und GDL

Darum geht's

Der im Juli 2014 begonnene Tarifkonflikt zwischen der Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL scheint unendlich. Eine Vielzahl von Knackpunkten hat bislang eine Einigung verhindert.

Berufsgruppen

Die GDL will nicht mehr allein für die Lokführer verhandeln, sondern auch für das übrige Zugpersonal in ihrer Mitgliedschaft. Bis die Bahn diesen Anspruch im November 2014 anerkennt, vergehen zwei Warnstreiks und vier reguläre Streikrunden.

Konkurrierende Verträge...

... mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG sind nun möglich, doch die DB will unter allen Umständen verhindern, dass sie unterschiedliche Regelungen zur Arbeitszeit oder anderen Details enthalten. In den Verhandlungen muss die Bahn also versuchen, beide Gewerkschaften auf das gleiche Ergebnis festzulegen. Das birgt für die EVG in ihren parallelen Verhandlungen mit der Bahn die Möglichkeit, die nicht erwünschten GDL-Abschlüsse zu torpedieren.

Lokrangierführer...

... sollen nach dem Willen der GDL wie ihre Kollegen auf der Strecke bezahlt werden. Die Bahn will hingegen die bislang mit der EVG vereinbarte niedrigere Einstufung auch für GDL-Mitglieder beibehalten.

Tarifeinheit

Das Gesetzesvorhaben der Bundesregierung setzt die GDL zusätzlich unter Druck. Wenn vom Sommer an nur noch eine Gewerkschaft in einem Betrieb einen Tarifabschluss verhandeln kann, gilt es für die Lokführer, vorher noch einen Abschluss zu erzielen und einen möglichst großen Teilbetrieb des Bahn-Konzerns zu organisieren. Der GDL schwebt eine gewerkschaftliche Trennung in Fahrbetrieb (GDL) und Infrastrukturbetrieb (EVG) vor.

Entgelt

Über Löhne und Gehälter ist mit Ausnahme von Abschlagszahlungen zu Jahresbeginn noch gar nicht gesprochen worden. Auch hier ist die Lage wegen der Gewerkschaftskonkurrenz komplex, weil EVG und GDL unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Die Lokführer wollen eine Arbeitszeitverkürzung von derzeit noch einer Stunde, während die EVG vor allem die unteren Gehaltsgruppen stärker anheben will. Diese soziale Komponente fehlt bei den Lokführern.

Der Streik trifft auch gut 3000 Schüler auf ihrem Weg nach Berlin zum Schulwettbewerb Jugend trainiert für Olympia. Die Beteiligten organisierten viel selbst, Eltern würden ihre Kinder etwa zu den Bahnknotenpunkten fahren, erklärte Thomas Poller von der Deutschen Schulsportstiftung am Dienstag. Die Deutsche Bahn habe zusätzliche Busse gechartert, teilte das Unternehmen mit. Die Bahn ist seit 2012 Hauptsponsor des Wettbewerbs. Ob Wettkämpfe verschoben werden müssen, werde erst noch entschieden, sagte Poller.

Am Morgen hatte der Streik bereits Millionen Pendler im Berufsverkehr getroffen. In der Nacht zum Dienstag weiteten die Lokführer ihren im Güterverkehr begonnenen Ausstand bundesweit auf den S-Bahn-, Regional- und Fernverkehr aus. In vielen Städten fielen am Morgen zahlreiche S-Bahnen aus. Laut Bahn waren Berlin, Halle, Frankfurt und Mannheim besonders betroffen.

Im Regionalverkehr fielen demnach rund ein Drittel der Züge aus, im Fernverkehr zwei Drittel. Der achte Streik im laufenden Tarifkonflikt soll bis Sonntag dauern. Damit wäre er der längste in der Geschichte der Deutschen Bahn. Eine Annäherung zur Lokführergewerkschaft GDL war nicht in Sicht.

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Bahn-Chef Rüdiger Grube schart in der Not seine sieben Vorstände um sich. Das Management des Staatskonzerns sieht offenbar keine Chance mehr, den Tarifkonflikt mit den Lokführern allein zu lösen.

Besonders stark vom Ausstand betroffen sind laut Bahn der bereits seit Montag bestreikte Güterverkehr. Hier gebe es bundesweit massive Verspätungen sowie Einschränkungen der Kunden im In- und Ausland. Zeitkritische Transporte fährt die Bahn jedoch bevorzugt, um Produktionsausfälle zu vermeiden. Zudem haben inzwischen private Konkurrenten der Bahn einen Marktanteil von rund einem Drittel erobert. Auch im Regionalverkehr fahren die Züge dort, wo die Deutsche Bahn Verkehrsaufträge der Länder an andere Unternehmen verloren hat.

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