Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.11.2014

11:29 Uhr

Lokführer-Tarifvertrag

Verhandlungen von Bahn und GDL geplatzt

ExklusivIn den vergangenen Tagen hat es Gespräche zwischen der Bahn und der GDL gegeben. Die Bahn kam der Lokführer-Gewerkschaft dabei offenbar entgegen – ohne Erfolg. Heute will die GDL über einen neuen Streik entscheiden.

Bahnkunden am Flughafen Köln-Bonn: Die Bahn und die GDL haben sich bei ihren Gesprächen nicht einigen können. Reuters

Bahnkunden am Flughafen Köln-Bonn: Die Bahn und die GDL haben sich bei ihren Gesprächen nicht einigen können.

BerlinDie erneuten Tarifgespräche zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL sind gescheitert. Wie das Handelsblatt aus Bahnkreisen erfuhr, hat es in den vergangenen Tagen mehrere Gespräche gegeben, an denen unter anderem Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber und GDL-Chef Claus Weselsky beteiligt waren.

Dabei lag ein Tarifvertragsentwurf auf dem Tisch, der auch das Verfahren regeln sollte, welche Gewerkschaft für welche Berufsgruppe verhandelt. Die GDL will nicht nur für die Lokführer, sondern auch für das Zugpersonal verhandeln, das aber bisher von der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vertreten wurde.

Die Bahn war dabei auch auf den Wunsch der GDL eingegangen, mit der EVG zeitgleich und am gleichen Ort Tarifgespräche zu führen. Trotzdem ließ die GDL die Gespräche scheitern.

Die Bahn bestätigte die Treffen am Montagmittag. Am Wochenende habe man kurz vor einer Einigung gestanden. Die GDL habe die Gespräche aber „kurz vor Unterzeichnung einer Lösung für den Tarifkonflikt völlig überraschend platzen lassen“, teilte die Deutsche Bahn mit.

Der Tarifkonflikt bei der Bahn

Die GDL-Forderungen

Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 39 auf 37 Stunden. Daneben müsse es insgesamt familienfreundlichere Schichtregelungen geben.

Für wen die GDL verhandeln will

Das ist der Kern des Konflikts: Bislang schloss sie Tarifverträge für die 20.000 Lokführer, bei denen sie die stärkste Arbeitnehmervertretung ist. Die übrigen Berufsgruppen, insgesamt rund 140.000 Beschäftigte, vertrat die größere Eisenbahn-und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Zwischen beiden Gewerkschaften gab es ein Abkommen, das dies regelte. Dies ist jedoch im Juni ausgelaufen und wurde nicht verlängert.

Die GDL will nun auch für rund 17.000 Mitarbeiter des Bordpersonals wie Zugbegleiter und Restaurantkräfte sowie Rangierführer verhandeln. In der Gruppe des Zugpersonals insgesamt, also mit Lokführern, sei man die stärkste Gewerkschaft, argumentiert die GDL.

Die Position der Bahn

Die Bahn will mit der GDL einen Lokführer-Vertrag abschließen, lehnt aber konkurrierende Verhandlungen mit zwei Gewerkschaften zur gleichen Berufsgruppe strikt ab. Denn die EVG will im Gegenzug zur GDL nun auch für ihre Mitglieder unter den Lokführer einen eigenen Vertrag. Dies kann den Konflikt weiter verschärfen: Die EVG will am Mittwoch mit der Bahn verhandeln.

Rivalität zwischen GDL und EVG

Eine neue Verständigung zwischen GDL und EVG könnte den Konflikt entschärfen. Dies ist jedoch unwahrscheinlich. Zum einen will die GDL ihren Einfluss ausdehnen. Zum anderen verläuft ein tiefer Riss zwischen den Organisationen, da die Vorgängerorganisation der EVG die Börsenpläne von Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn unterstützt hatte. Dies gipfelte im Wechsel von Gewerkschaftschef Norbert Hansen in den Bahn-Vorstand. Seitdem sieht sich die GDL als einzige wirkliche Arbeitnehmervertretung.

Tarifeinheitsgesetz

Die GDL fürchtet, dass die Politik der Bahn mit dem geplanten Tarifeinheitsgesetz beispringt. Damit soll der Einfluss von Spartengewerkschaften wie der GDL oder der Pilotenvereinigung Cockpit begrenzt werden. Die GDL wirft der Bahn vor, mit ihrer Haltung Streiks provozieren zu wollen, damit das Gesetz schneller und schärfer kommt. Ein Entwurf soll im November vorgestellt werden.

Die GDL-Spitze und Vertreter der Bahn trafen sich laut Bahn in den vergangenen Tagen drei Mal. In den insgesamt mehr als zehnstündigen Gesprächen sei gemeinsam ein neues Verfahren entwickelt worden. Dadurch sollte die GDL einen eigenständigen Tarifvertrag für Zugbegleiter erhalten. Gleichzeitig sollte die Regelung demnach vermeiden, dass es für diese Berufsgruppe künftig zwei unterschiedliche Tarifverträge gibt. Auf Wunsch der GDL sei der Vorschlag aufgenommen worden, dass GDL und EVG künftig parallel mit der Bahn verhandeln, und zwar zur selben Zeit am selben Ort.

Die Gewerkschaft will am Montagnachmittag darüber informieren, ob sie bei der Bahn wieder zum Streik aufruft. Der Hauptvorstand und die Tarifkommission hätten ihre Beratungen am Morgen fortgesetzt, sagte GDL-Sprecherin Gerda Seibert. Wie lange diese dauern werden, sei nicht genau absehbar.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Teito Klein

03.11.2014, 17:06 Uhr

Die Bahn kommt - nicht!
-------------
Was ist die Position der GDL? Warum wird keine Begründung der GDL für den Abbruch geliefert? Das ist Seitens der Medien schon länger so. Soll hier einseitige Stimmungsmache betrieben werden?

Da die Bahn nicht alle Forderungen der Spartengewerkschaft GDL zu 100% erfüllen wollen, droht sie jetzt mit einem viertägigen Streik (91 Stunden).

Ein Kompromiss kommt für GDL-Boss Weselsky nicht infrage.

Und das ist auch keine einseitige Stimmungsmache gegen ihn. Er ist schlicht und ergreifend uneinsichtig.
Er hält sich für Gott.

Selbst in den eigenen Reihen mehren sich die Widerstände.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×