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12.11.2014

13:40 Uhr

Lokführer Weselsky und Schell

Der Krieg der GDL-Alphatiere

Manfred Schell, der Vorgänger des GDL-Chefs Claus Weselsky, ist gleichzeitig sein ärgster Widersacher. Seit Jahren liefern sich die beiden einen Machtkampf. Nun hat Weselsky indirekt zu Schells Rauswurf aufgerufen.

Ex-GDL-Chef Manfred Schell (links) und sein Nachfolger Claus Weselsky tragen einen gewerkschaftsinternen Machtkampf aus. AP

Ex-GDL-Chef Manfred Schell (links) und sein Nachfolger Claus Weselsky tragen einen gewerkschaftsinternen Machtkampf aus.

Hamburg/DüsseldorfDer Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, hat einen Rauswurf seines Vorgängers Manfred Schell aus der Gewerkschaft ins Gespräch gebracht. „Wenn seine Ortsgruppe einen Antrag stellt, ihn rauszuwerfen, werden wir im Vorstand bestimmt nicht dagegen sein“, sagte Weselsky in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“. Die Aussage kann auch als indirekter Aufruf zu einem Rauswurf von Schell interpretiert werden.

Schell habe der GDL, „um die er unglaubliche Verdienste hat, so großen Schaden zugefügt, dass unsere Leute nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen“, sagte Weselsky. Manche Mitglieder forderten, ihn aus der GDL zu werfen. Er sei ja noch immer Mitglied. „Aber vielleicht nicht mehr lange“, sagte Weselsky. Er forderte Schell auf, er solle „sich in eine Ecke zurückziehen und seinen Altersstarrsinn für sich behalten“.

Schell, der von 1989 bis 2008 GDL-Bundesvorsitzender war, hatte Weselsky wegen dessen Kurs im Tarifstreit mit der Deutschen Bahn scharf angegriffen. In einem Interview mit „Zeit Online“ hatte er Weselsky vorgeworfen, mit dem Streik der Lokführergewerkschaft zu schaden.

Im September hatte Schell gegenüber der „Bild“ die Ankündigung Weselskys, eine Urabstimmung durchführen zu wollen und die damit verbundenen Dauerstreik-Drohungen folgendermaßen kommentiert: „Der stellt sich hin, als würde er zum Heiligen Krieg aufrufen. Nur um sein Ego zu stärken. So geht es nicht!“

Kleine Gewerkschaften mit großer Macht

Vereinigung Cockpit (VC)

Der „Verband der Verkehrsflugzeugführer und Flugingenieure in Deutschland“ setzt sich für die Interessen von rund 9300 Cockpit-Besatzungsmitgliedern aus allen deutschen Airlines und von Verkehrshubschrauberführern ein.


Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF)

Zu den etwa 3900 Mitgliedern gehören Lotsen in den Towern, bei der militärischen Flugsicherung und bei den Vorfeldkontrollen.

Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo)

Nach eigenen Angaben ist sie die einzige deutsche Gewerkschaft, die sich ausschließlich für das fliegende Kabinenpersonal einsetzt. Die Ufo hat gut 10 000 Mitglieder.

Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr (AGiL)

Die erst Ende 2012 gegründete Gruppierung gilt als neuer Machtfaktor im Lufthansa-Konzern. Nach eigenen Angaben vertritt sie alle Beschäftigten von Fluggesellschaften, Airportbetreibergesellschaften und Dienstleistungsunternehmen mit Bezug zur Luftfahrtbranche.

Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL)

Sie hat rund 34.000 Mitglieder und ist Tarifpartner der Deutschen Bahn und mehrerer Privatbahnen. Nach eigenen Angaben organisiert sie mehr als 80 Prozent der Lokomotivführer und zahlreiche Zugbegleiter.

Marburger Bund (MB)

Die nach eigenen Angaben einzige tariffähige Ärztegewerkschaft in Deutschland kämpft unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen ihrer rund 115 000 Mitglieder in Kliniken.

Die Hauptforderung Weselskys im Tarifstreit mit der Deutschen Bahn ist es, auch im Namen des Zugpersonals in der Bordgastronomie, Disponenten oder Zugbegleitern zu verhandeln. Auch hier musste der GDL-Chef Kritik von seinem Vorgänger einstecken: „Das war doch zu meiner Zeit schon klar: Wenn nur ein Drittel der Beschäftigten dieser Bereiche in meiner Gewerkschaft organisiert sind, kann ich nicht erwarten, diese Leute zu vertreten! Die GDL ist auf dem falschen Gleis!“ sagte Schell der „Bild“.

Schell hat in den Jahren 2007 und 2008 selbst knallharte Tarifverhandlungen mit der Bahn geführt und den damaligen DB-Chef Hartmut Mehdorn als „Rumpelstilzchen“ bezeichnet.

Weselsky und Schell bekriegen sich schon seit längerer Zeit. Schell legte im vergangenen Jahr den Ehrenvorsitz bei der GDL nieder, nachdem der Vizevorsitzende Sven Grünwoldt vom Hauptvorstand nach Streitigkeiten um einen Privatkredit des Amtes enthoben worden war.

Daraufhin wurden zwei Stellvertreter Weselskys aus dem Vorstand geschasst. Schell hatte Weselsky „Säuberungen“ vorgeworfen und ihn mit Syriens Diktator Baschar al-Assad verglichen. 2013 gründete Schell mit anderen früheren langjährigen Amtsträgern die Initiative für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der GDL, die Weselsky scharf kritisiert.

Nun wittert Weselsky offenbar die Gelegenheit, seinen ärgsten Widersacher innerhalb der Lokführergewerkschaft loszuwerden.

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