Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.11.2014

10:16 Uhr

Lokführerstreik

Wer gewinnt den Bahn-Streit?

VonMarcel Bohnensteffen

Seit Mittwoch bestreiken die Lokführer die Deutsche Bahn. Zwei Verhandlungspsychologen haben den Streit analysiert – und kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, wer als Sieger aus dem Konflikt hervorgehen könnte.

Bahnstreik, Runde zwei

Weselsky: „Mit uns ist nicht gut Kirschen essen!“

Bahnstreik, Runde zwei: Weselsky: „Mit uns ist nicht gut Kirschen essen!“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

DüsseldorfEs ist keine angenehme Restwoche, die den Berufspendlern in Deutschland bevorsteht. Und erst recht kein schönes Wochenende für alle, die geplant hatten, mit der Bahn zu reisen. Der Grund: der Mammut-Streik der Lokführer.  

Die Situation scheint schier aussichtslos. Die Bahn macht ein Angebot, die GDL lehnt ab. Auch ein Gericht konnte bisher keine Lösung finden. Wie lange geht das noch so weiter? Drohen nach dem Rekordstreik noch weitere Arbeitsniederlegungen der Lokführer?

„Derzeit ist es ein 0:1-Spiel. Es gibt sowohl für Bahn als auch GDL nur zwei Möglichkeiten: gewinnen oder verlieren“, sagt der Nürnberger Konfliktpsychologe Markus Müller. „Diese Konstellation macht es sehr schwer, eine Lösung zu erreichen, die für alle Beteiligten hilfreich ist.“

Die längsten Streiks der deutschen Geschichte

Tarifkampf

Im Tarifstreit bei der Bahn hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL mehrfach gestreikt. Der längste Ausstand dauerte 109 Stunden im Güterverkehr und 98 Stunden im Personenverkehr, der längste in der Geschichte der Deutschen Bahn. Im Vergleich zu anderen Branchen ist dies noch moderat. Es folgt eine Zusammenstellung besonders langer Streiks in Deutschland.

1956/1957

1956/57 dauerte der Streik in der Metallindustrie in Schleswig-Holstein 16 Wochen. 34.000 Beschäftigte setzten sich für eine höhere Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ein. Sie erreichten eine Aufstockung auf 90 Prozent des Nettoeinkommens.

1984

1984 streikten die Beschäftigten der Metallindustrie in Hessen und Baden-Württemberg sieben Wochen lang für die 35-Stunden-Woche. Die Drucker waren bundesweit sogar zwölf Wochen im Ausstand. Die Arbeitgeber reagierten mit massiven Aussperrungen. Am Ende wurde in beiden Branchen die 38,5-Stunden-Woche vereinbart.

1994

1994 legten 100.000 Drucker 17 Wochen lang die Arbeit nieder, um Vorruhestand-Regelungen und einen besseren Gesundheitsschutz sowie eine Gleichstellung von Frauen durchzusetzen. Die Arbeitgeber verpflichteten sich am Ende nur, über diese Themen zu verhandeln.

2004

2004 blieben in Leverkusen die Busse 395 Tage lang in den Depots, weil die Mitarbeiter einer Tochterfirma der Kraftverkehr Wupper-Sieg (KWS) höhere Löhne verlangten.

2012/2013

2012/2013 streikten Beschäftigte des Verpackungsherstellers Neupack in Hamburg acht Monate lang, um einen Tarifvertrag durchzusetzen. Erreicht wurde eine tarifvertragsähnliche Vereinbarung mit dem Betriebsrat.

2013

2013 legten Beschäftigte im Einzelhandel über einen Zeitraum von acht Monaten immer wieder die Arbeit nieder, bis Anfang 2014 die letzten Lohn-Abschlüsse unter Dach und Fach waren. In mehr als 950 Betrieben wurde vorübergehend nicht gearbeitet.

Ein Grund für die verzwickte Lage ist auch die störrische harte Verhandlungstaktik von Gewerkschaftschef Claus Weselsky. Anstatt sich mit anderen Lokführer-Vertretungen zusammen zu schließen und eine allgemeinverbindliche Lohnzahlung zu erzielen, kocht die GDL derzeit lieber ihr eigenes Süppchen.

Konflikttrainer Müller sieht in dem bedingungslosen Vorpreschen Weselskys ein Risiko. „Mit Kompromisslosigkeit lassen sich zwar kurzfristige Erfolge erzielen. Man läuft jedoch Gefahr, langfristige Konsequenzen aus den Augen zu verlieren“, sagte er Handelsblatt Online. Das Streikverhalten könnte als Provokation für die Regierung wirken, die dann entsprechende Regeln verschärfen könnte.

Bereits jetzt hat die Politik eine Gesetzesinitiative zur Wahrung der Tarifeinheit auf den Weg gebracht. Sie soll den Einfluss kleiner Gewerkschaften begrenzen, die sich über ein einheitliches Lohnniveau hinwegsetzen wollen.

Durch den aktuellen Streik der GDL wird diese Debatte jetzt erneut befeuert. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer appellierte jüngst an die Große Koalition dem „unhaltbaren Zustand von konkurrierenden Tarifverträgen“ ein Ende zu bereiten. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat errechnet, dass der Stillstand auf den Gleisen die Wirtschaft hierzulande ab dem vierten Streiktag mit 100 Millionen Euro belasten könnte – täglich.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Woifi Fischer

07.11.2014, 15:00 Uhr

Wer gewinnt den Bahn-Streit?

Ist doch Sonnenklar der Bahnkunde und der Steuerzahler, er darf die ganze Schose für Herrn Weselsky seinen Persönlichen Streik bezahlen.

Man kann nur über solche Diktatoren den Kopf schütteln.

Das nennt sich nun Demokratie!!!

Herr D. Dino54

07.11.2014, 17:08 Uhr

Es gibt keine Stunde, kein Wochentag, keine Woche, kein Monat, kein Jahr, der bei einem Streik im Reiseverkehr nicht irgendjemanden unpassend wäre !

Ob Berufs- , oder Freizeit-, oder Urlaubsreisen !

Wann wäre dann die richtige Zeit zum streiken ?

Was einige Medien mit der einseitigen, ja parteiisch gegen die GDL, noch skandalöser, gegen den Vorsitzenden mit privaten Daten "berichtet" ist einfach bedenklich und erschreckend.

Es scheint so, das einige Lobbygruppen und "Volksvertreter", nicht alle aber zu viele, nicht wenige Medien-Unternehmen im Griff haben !

Liebe betroffene Bahn- oder Flugreisende. Der Streik, die Gewerkschaften sind ein wichtiger Bestandteil der Arbeitnehmerschaft, um wieder eine Verbesserung im Arbeitsleben zu erreichen, bei der unverschämten Deregulierung im Arbeitsrecht, seit ROT/GRÜN !

Einzelkämpfer haben kaum Aussichten, da bin ich mir sicher !!!

Es gibt viele Wege im Vorfeld, die Zug- und Flugausfälle zu überbrücken oder zu mildern !

Es ist gut, ja auch beruhigend, das es noch solche Gewerkschaftsvorsitzende gibt, mit Rückgrat und Durchsetzungsvermögen !!!

Weiter so !

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×