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16.01.2011

09:00 Uhr

London Symphony Orchestra

Große Musik, kleine Rendite

VonKatharina Slodczyk

Das London Symphony Orchestra war Vorreiter bei der kreativen Vermarktung seiner Musik. Doch inzwischen hat die Konkurrenz aufgeholt. Und die Finanzkrise hat auch die Hochkultur nicht verschont. Vom Staat können die Musiker immer weniger Zuschüsse erwarten.

Orchesterprobe. Das London Symphony Orchestra war Vorreiter bei der kreativen Vermarktung seiner Musik. Jetzt haben auch die Briten mit sinkenden Einnahmen zu kämpfen. dpa

Orchesterprobe. Das London Symphony Orchestra war Vorreiter bei der kreativen Vermarktung seiner Musik. Jetzt haben auch die Briten mit sinkenden Einnahmen zu kämpfen.

LONDON. Diesen Krach hatten sie nicht erwartet. Ein leises Tuscheln, gelegentliches Husten, das waren sie gewohnt. Aber das, was zu den Musikern des London Symphony Orchestra bei ihren ersten Konzerten in der Mittagszeit auf die Bühne drang und vor allem die Zuschauern hinzunehmen hatten, das ging zu weit: das Knistern von Chipstüten, Knabbern, Rascheln, Schmatzen.

"Dieser Lärm war unglaublich", erinnert sich Robert Bourton. Das hatten sich der Fagottspieler und seine Kollegen so nicht vorgestellt, als sie die Idee entwickelten, in der Mittagspause Konzerte zu geben und den Zuhörern mit der Eintrittskarte noch eine Lunchbox zu verkaufen. Das Orchester gab diese Vorstellungen schnell wieder auf.

Fast 20 Jahre ist das inzwischen her, dass das London Symphony Orchestra so versuchte, sich ein neues Publikum und weitere Geldquellen zu erschließen. Es hat nicht funktioniert, doch es blieb bei weitem nicht bei dieser einen Idee. Die große Experimentierfreude begründet bis heute den Ruf des London Symphony Orchestra. Es ist nicht nur eines der renommiertesten Orchester weltweit, es ist auch eines mit einem enorm ausgeprägten Geschäftssinn und stabilen Finanzen.

Auch heute sind wieder gute Ideen für neue Einnahmequellen gefragt: Denn wegen der Sparpolitik der britischen Regierung werden die Musiker voraussichtlich mit geringeren öffentlichen Zuschüssen auskommen müssen. Die Finanzprobleme von Ländern wie Portugal und Spanien, in denen das Orchester oft und regelmäßig auftrat, werden zudem möglicherweise die Zahl der Gastspiele und damit die Tournee-Einnahmen dort einschränken.

Doch die Chancen stehen gut, dass die Londoner Musiker es schaffen, neue Geldquellen zu finden. Schließlich haben sie professionelle Marketingmethoden bereits erfolgreich eingesetzt, als diese in der Klassikszene noch verpönt waren. Lange Zeit haben sie so Maßstäbe gesetzt. 1904 ist das Orchester gegründet worden. Es war das erste unabhängige und selbstverwaltete Orchester Englands. Einige Jahre später gehörten die Musiker zu den ersten in Großbritannien, die im Ausland auf Tournee gingen. Nur knapp entgingen sie dabei ihrem Untergang. Im April 1912 wollten sie eigentlich auf der Titanic nach New York reisen und änderten ihre Pläne erst in letzter Minute.

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