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12.12.2015

08:35 Uhr

Luftfracht

Bahn legt Kartellstreit mit drei Airlines bei

Für die Deutsche Bahn geht es um eine Milliardensumme. Sie sieht sich durch ein Luftfracht-Kartell geschädigt. Vor Gericht hat sie sich noch nicht durchgesetzt. Außerhalb gelang ihr jetzt jedoch ein Teilerfolg.

Die Bahn hat den Kartellstreit mit drei Airlines beigelegt. dpa

All Nippon Airways

Die Bahn hat den Kartellstreit mit drei Airlines beigelegt.

Berlin/FrankfurtIn der Auseinandersetzung um ein Luftfracht-Kartell hat die Deutsche Bahn mit drei Fluggesellschaften eine Verständigung erzielt. Mit den Unternehmen All Nippon Airways, SAS und Cargolux habe sich die Bahn in den USA außergerichtlich geeinigt, sagte ein Konzernsprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Wegen Preisabsprachen zum Nachteil der Frachttochter DB Schenker hatte die Bahn Schadenersatzklagen in Deutschland und den USA eingereicht. Unter den Beklagten ist auch der deutsche Branchenführer Lufthansa.

„Es gab wiederholt Versuche von Luftfrachtgesellschaften, die Klage vor US-Gerichten zu stoppen. Doch diese sind gescheitert“, sagte Tilman Makatsch, Leiter Kartellrecht der Bahn. Die Verfahren, in denen bislang keine außergerichtliche Einigung gelungen sei, liefen weiter. Zu Details der beendeten Verfahren wollte die Bahn sich nicht äußern.

Bahn-Chef: Grube soll bei Verspätung weniger Geld bekommen

Bahn-Chef

Grube soll bei Verspätung weniger Geld bekommen

Noch nie kam die Bahn so unpünktlich wie heute: Allein 2013 kamen 3,8 Millionen Minuten Verspätung zusammen. Darum soll das Gehalt der Bahn-Führung künftig an Pünktlichkeit gekoppelt werden. Dem GDL-Chef gefällt das.

Die Bahn wirft mehreren Fluggesellschaften vor, von 1999 bis 2006 die Kerosin- und Sicherheitszuschläge für Frachtflüge abgesprochen zu haben. Vor einem Jahr hat die Bahn deshalb die Lufthansa und neun andere Fluggesellschaften vor dem Landgericht Köln auf rund 1,2 Milliarden Euro und 560 Millionen Euro Zinsen verklagt. In New York wurden bei Gericht gegen sieben Airlines Ansprüche in Höhe von mindestens 370 Millionen US-Dollar (aktuell 336,4 Millionen Euro) geltend gemacht.

Die Preisabsprachen waren bereits vor Jahren aufgeflogen. Die Europäische Kommission verhängte im November 2010 fast 800 Millionen Euro an Bußgeldern. Dagegen haben wiederum einige der betroffenen Luftfahrtunternehmen beim Gericht der Europäischen Union geklagt. Dieses wird am Mittwoch darüber entscheiden. Die Lufthansa war in dem Verfahren als Kronzeugin von Geldbußen verschont worden.

Bahn-Vertreter Makatsch erwartet einen steigenden Verhandlungsdruck aufseiten der Airlines, wenn die Luxemburger Richter im Sinne der Bahn urteilen. Ziel sei es weiterhin, „in den USA und natürlich auch in Deutschland zu weiteren wirtschaftlich attraktiven außergerichtlichen Einigungen zu kommen. Dazu führen wir derzeit intensive Gespräche.“

Die Ärgernisse bei der Deutschen Bahn

Pünktlichkeit

Jeder vierte Fernzug fährt heute mindestens sechs Minuten zu spät in den Bahnhof und ist damit nach Konzerndefinition verspätet. 2016 soll die Quote der pünktlichen Züge von 74 auf 80 Prozent steigen, langfristig auf 85 Prozent - was einen Kraftakt erfordert. 30 000 von 70 000 Weichen sollen Sensoren erhalten, die vor Störungen warnen - denn diese sind oft für Verspätungen verantwortlich. Störungen sind häufig auch die Ursache, wenn Züge in umgekehrter Wagenreihung ankommen - wenn sie umgeleitet werden und aus anderer Richtung in die Bahnhöfe kommen.

Verschwindende Züge

Jeder Kunde kennt das: Kommt sein Zug zu spät und ein anderer fährt vorher auf dem Gleis ein, verschwindet der eigene Zug von der Anzeigetafel. Gibt es dann einen Gleiswechsel und Bremslärm übertönt die Durchsage, wartet man vielleicht sogar vergeblich. Lösung: Die Tafeln sollen die nächsten drei Züge anzeigen. 10 000 Anzeigetafeln sollen dafür im nächsten Jahr umprogrammiert werden. Grubes Ziel: „Die größten Ärgernisse über falsche und verspätete Informationen werden 2016 abgestellt.“

Gesperrte Toiletten

Auch das gibt es immer wieder: Das Wasser geht aus, Bordtoiletten müssen gesperrt werden. Hier soll die Instandhaltung besser werden. Noch geht morgens jeder zweite Fernzug mit einem Mangel ins Netz, die Toiletten sind nur ein Beispiel. Ein mobiler Service soll dafür sorgen, dass die Zugflotte immer zu 100 Prozent intakt ist.

Service im Zug

Die Zugbegleiter sollen sich wieder mehr um die Kunden kümmern. Zusatzaufgaben, wie Fahrgäste zu zählen, fallen weg. Dafür gibt es Überlegungen für eine Art Am-Platz-Service in der zweiten Klasse, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Mittwoch) berichtet. So etwas gibt es bisher nur in der ersten, wo etwa Speisen und Getränke gebracht werden. Die harte Fernverkehrswettbewerb mit Billigfliegern und Fernbussen hat die Bahn gelehrt, dass sie an der Qualität arbeiten muss. Grube hofft auf „Leistung, die begeistert“.

WLan

Seit einem Jahr ist der drahtlose Internetzugang in der ersten Klasse des ICE inklusive, die zweite Klasse soll möglichst noch nächstes Jahr folgen. Bis zum Sommer dauert es aber mindestens noch, bis die Technik in den Zügen ist. Zudem soll es WLAN im ganzen Zug nur geben, wenn es für alle Passagiere in guter Qualität verfügbar ist.

Preissystem

Vielen Kunden halten es für schwer zu durchschauen, gar willkürlich, wie jetzt eine Umfrage ergab. Nur noch jeder zehnte Reisende zahlt nach Bahnangaben den Normalpreis ohne Rabatt. Der neue Personenverkehrschef Berthold Huber geht verstärkt mit 19-Euro-Tickets ins Rennen mit der Konkurrenz auf der Straße und in der Luft, macht die Bahn damit billiger. Eine „Riesen-Preisreform“ hat er jedoch ausgeschlossen. In der Konzernzentrale erinnert man noch sich gut an das Jahr 2002, als man ein neues Preissystem nach einem halben Jahr zurücknehmen musste.

Die Bilanz...

...ist eine der größten Baustellen. In diesem Jahr wird es wohl erstmals nach über einem Jahrzehnt tiefrote Zahlen geben. Mehr Qualität soll mehr Kunden und dann auch wieder mehr Erfolg bringen, so der Dreiklang für Grubes Umbaupläne. Bis dahin kostet der Umbau erstmal Geld, 700 Millionen Euro in diesem Jahr. Zudem werden 1,3 Milliarden Euro bei der Gütersparte abgeschrieben, was zusammen mit einer Dividenden-Zahlung an den Bund das Ergebnis um mehr als eine Milliarde Euro ins Minus drückt - trotz eines Rekordumsatzes von gut 40 Milliarden Euro und eines Gewinns (Ebit) von voraussichtlich 1,75 Milliarden Euro im laufenden Geschäft.

Bei dem Verfahren in Köln sammelt das Landgericht noch immer die Stellungnahmen der Beteiligten ein. Eine mündliche Verhandlung gab es bislang nicht. Die Lufthansa wies darauf hin, dass bis Jahresende noch eine Erwiderungsfrist laufe. Das Unternehmen werde sich dementsprechend „rechtzeitig“ äußern, sagte ein Sprecher. Lufthansa hat bislang argumentiert, dass der Bahn kein tatsächlicher Schaden entstanden sei. Das will sie mit einem neuerlichen Gutachten nachweisen.

Von

dpa

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