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30.06.2016

14:40 Uhr

Lufthansa

Airline einigt sich mit Flugbegleitern

Die Gewerkschaft Ufo hatte der Lufthansa den längsten Streik in der Konzerngeschichte geliefert. Betroffen waren mehr als eine halbe Millionen Passagiere. Nun haben Airline und Flugbegleiter den Tarifstreit beigelegt.

Die Platzeck-Schlichtung war bereits die zweite in dem seit Januar 2015 andauernden Tarifkonflikt. dpa

Flugbegleiterin der Lufthansa

Die Platzeck-Schlichtung war bereits die zweite in dem seit Januar 2015 andauernden Tarifkonflikt.

BerlinLufthansa-Passagiere müssen auf absehbare Zeit keine Streiks der Flugbegleiter mehr befürchten. Die Schlichtung zwischen dem Unternehmen und der Gewerkschaft Ufo ist erfolgreich abgeschlossen worden, wie aus am Donnerstag verbreiteten Erklärungen der Tarifpartner hervorgeht. Der Tarifkonflikt mit dem bislang härtesten Streik in der Geschichte der Lufthansa geht damit zu Ende.

Über die Details der Vereinbarung wollen beide Seiten sowie der Schlichter Matthias Platzeck allerdings erst am kommenden Dienstag auf einer Pressekonferenz in Berlin berichten. Noch offen sind zudem die parallelen Tarifverhandlungen mit den Piloten.

Das umfassende Schlichtungsergebnis sei von beiden Seiten akzeptiert worden und müsse noch im Detail aufgearbeitet werden, erklärte Ufo-Verhandlungsführer Nicoley Baublies. Auch ein Lufthansa-Sprecher verwies noch auf letzte zu klärende Einzelheiten. Baublies lehnte es aus Rücksicht auf Schlichter Platzeck ab, die Inhalte zu erläutern. „Dass wir jedoch nur einem Ergebnis zustimmen konnten, welches die Bedürfnisse unserer Mitglieder wahrt, kann sich jeder vorstellen.“

Der Umbau von Germanwings zu Eurowings

Germanwings

Germanwings war mit seiner Basis am Flughafen Köln/Bonn einst die drittgrößte Fluggesellschaft Deutschlands.

Quelle: dpa

Umbau

Auf Sicht wird die Marke allerdings in den kommenden Jahren von den Rollfeldern verschwinden, weil der Lufthansa-Konzern sein komplettes Billigflugangebot mittlerweile über die Plattform Eurowings organisiert.

Konkurrenzkampf

So will sich der Konzern im Kampf gegen Konkurrenten wie Easyjet und Ryanair behaupten.

Kein Markenauftritt

Die Marke Germanwings, die 2002 gegründet und 2013 neu gestaltet wurde, hat seinen eigenständigen Markenauftritt bereits ebenso verloren wie seine Präsenz im Internet und im Vertrieb.

Jets

Die Germanwings-Jets werden in den kommenden Jahren umgestaltet.

Germanwings-Absturz

Der Name Germanwings wird noch lange mit dem wohl vom Co-Piloten herbeigeführten Absturz des Flugs 4U9525 verbunden werden, bei dem im März 2015 alle 150 Menschen im Flugzeug ums Leben kamen.

Verzögerter Markenwechsel

Der Markenwechsel hin zu Eurowings war aus unternehmensstrategischen Gründen aber schon vor der Katastrophe beschlossene Sache - die Tragödie hat den Umbau eher verzögert als beschleunigt.

Bereits zu Beginn der Gespräche im Januar hatte der frühere SPD-Ministerpräsident von Brandenburg eine Teileinigung in zentralen Fragen erreicht, die aber unter dem Vorbehalt einer Gesamtlösung standen. So hatten sich die Kontrahenten schon auf eine kurzfristige Gehaltssteigerung und Grundzüge zur künftigen Alterssicherung der rund 19.000 Flugbegleiter bei der Kernmarke Lufthansa geeinigt.

Ufo hatte dabei akzeptiert, dass vom Unternehmen künftig nur noch fest definierte Rentenzuschüsse bezahlt werden, nicht aber die absolute Höhe der Zahlungen garantiert wird. Das Risiko besonders niedriger Zinsen geht damit auf die Beschäftigten über.

Eine ganze Reihe von Regelungen etwa zu Aufstiegsmöglichkeiten, Einsatzzeiten und Versetzungen innerhalb des Lufthansa-Konzerns zu anderen Fluggesellschaften sollten nachfolgend unter Platzecks Vermittlung gelöst werden. Insbesondere das Verhältnis zur aufstrebenden Billigtochter Eurowings benötigte nach Ansicht der Gewerkschaft eine exakte Definition.

Lufthansa: Flugbegleiter-Suche à la Heidi Klum

Lufthansa

Flugbegleiter-Suche à la Heidi Klum

Die Lufthansa kämpft in diesem Sommer mit einem Personalengpass bei den Flugbegleitern. In Heidi-Klum-Manier veranstaltet der Konzern nun Castings in mehreren deutschen Städten, um neues Kabinenpersonal zu gewinnen.

Auch ein neuer, bereits ab Oktober geltender Gehaltstarifvertrag stand im Lastenheft des Schlichters. Die Annahme des Schlichterspruchs steht noch unter dem Vorbehalt einer Urabstimmung der mehr als 10.000 bei der Lufthansa beschäftigten Ufo-Mitglieder.

Die Platzeck-Schlichtung ist bereits die zweite in dem seit Januar 2015 immer weiter eskalierten Tarifkonflikt der Flugbegleiter. Ein erster Versuch der Ex-Politiker Friedrich Merz (CDU) und Herta Däubler-Gmelin (SPD) war im Sommer 2015 an der harten Haltung beider Tarifpartner gescheitert, so dass die Schlichter nur weitere Verhandlungen empfehlen konnten.

Im November des vergangenen Jahres hatte Ufo dann einen sieben Tage langen Streik organisiert, bei dem rund 4700 Flüge ausgefallen waren. Betroffen vom härtesten Streik in der Unternehmensgeschichte waren etwa 550.000 Passagiere. Bei den Verhandlungen mit den Piloten gilt eine Frist zum 31. Juli, bis zu der verhandelt werden soll.

Von

dpa

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