Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.03.2016

18:00 Uhr

Lufthansa

Airline erwägt Stellenabbau bei Technik-Tochter

Technische Änderungen und ein „Lohnproblem“: Angestellte der Lufthansa-Tochter Lufthansa Technik müssen sich auf Stellenstreichungen gefasst machen. Der Schritt sei unvermeidbar, erklärt die Airline.

Der Lufthansa-Tochter drohen Stellenstreichungen. dpa

Lufthansa Technik AG

Der Lufthansa-Tochter drohen Stellenstreichungen.

HamburgBei der Technik-Tochter des Lufthansa-Konzerns droht ein Stellenabbau in Deutschland. Für die Bereiche Flugzeugüberholung und Triebwerksinstandhaltung liefen seit einigen Wochen Gespräche zwischen der Konzernleitung von Lufthansa Technik, Gewerkschaften und Betriebsrat, sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag in Hamburg. Der „Spiegel“ hatte zuvor über einen drohenden massiven Arbeitsplatzabbau berichtet.

Bei der Triebwerksinstandhaltung mit rund 1700 Beschäftigten gehe es etwa um eine Anhebung der Wochenarbeitszeit und flexible Arbeitszeiten, erklärte der Sprecher. Es solle rund um die Uhr gearbeitet werden können, um die Anlagen besser auszulasten. Bei der Flugzeugüberholung mit etwa 350 bis 400 Beschäftigten in Hamburg gehe es vor allem um Arbeitszeitflexibilität. Hamburg habe hier im Vergleich zu anderen Standorten ein „Lohnproblem“ und solle auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau gebracht werden.

Hintergrund der Verhandlungen seien gravierende Marktveränderungen bei Triebwerken, sagte der Sprecher. „Wir werden gemeinsam Maßnahmen entwickeln, um die Fahrzeugmotoren der nächsten Generation nach Hamburg zu holen.“ Das werde nur funktionieren, wenn man sich auf dem Niveau der Weltmarktpreise bewege – also niedrigere Preise als jetzt anbiete. „Wenn wir keine der neuen Motortypen nach Hamburg bekommen können, heißt das, dass wir in Hamburg weiterhin nur die Motortypen haben, die im Laufe der nächsten Jahrzehnte vom Markt verschwinden.“ Eine Entscheidung werde im Laufe des zweiten Quartals erwartet.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Bei gleicher Auslastung hätten die Beschäftigten mit den Motoren der nächsten Generation weniger zu tun, erklärte der Sprecher. Denn diese bräuchten im Laufe ihres Lebens eine Triebwerksüberholung weniger, und bei der Überholung gebe es einen geringeren technischen Aufwand. Wie viele Stellen abgebaut werden könnten, sei derzeit nicht absehbar. „Eine seriöse Aussage zur Entwicklung der nächsten 10, 15, 20 Jahre ist nicht möglich“, betonte der Sprecher. Es stehe zudem ein „großer Pensionierungsschwung“ an.

Am Montag hatte der Lufthansa-Tochterkonzern mitgeteilt, dass er im vergangenen Jahr den Umsatz um 17,6 Prozent auf rund 5,1 Milliarden Euro und den bereinigten Gewinn vor Steuern und Zinsen um 20 Prozent auf 454 Millionen Euro gesteigert habe. Ausdrücklich wurde auf die zunehmende Internationalisierung des Geschäfts verwiesen. Lufthansa Technik beschäftigt weltweit rund 20.300 Mitarbeiter, davon mehr als 10.000 in Deutschland. In Hamburg sind es laut Sprecher rund 7500.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×