Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.05.2016

12:56 Uhr

Lufthansa

Airline kommt in Nigeria nicht an Einkünfte

Die Lufthansa kommt offenbar nicht an Geld aus Ticketverkäufen in Nigeria. Bis zu 20 Millionen Dollar können nicht an die Zentrale überwiesen werden. Wenn das Problem anhält, könnte die Airline Flüge streichen.

Die deutsche Airline kommt offenbar nicht an Ticketeinnahmen in Nigeria. dpa

Lufthansa

Die deutsche Airline kommt offenbar nicht an Ticketeinnahmen in Nigeria.

FrankfurtDie Lufthansa hat einem Bericht zufolge Probleme mit einbehaltenen Ticketeinnahmen in Nigeria. Die Fluggesellschaft könne derzeit wegen der Beschränkungen von Devisenausfuhren in Nigeria 20 Millionen Dollar nicht an die Zentrale nach Deutschland überweisen, sagte eine mit dem Sachverhalt vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Falls die Summe auf 30 Millionen Dollar anschwelle, werde erwogen, weniger häufig in das Land zu fliegen.

Derzeit fliegt die Fluggesellschaft täglich von Frankfurt direkt in die größte nigerianische Stadt Lagos und mit einem zweiten Flug über die Hauptstadt Abuja in die Ölfördermetropole Port Harcourt.

Die Deutschen sind mit dem Problem nicht allein. Nach Berechnungen des Weltluftfahrtverbands Iata blockiert die nigerianische Regierung Airline-Einnahmen von 575 Millionen Dollar. Die Lufthansa-Rivalen United aus den USA und die spanische Iberia zogen deshalb bereits die Reißleine und stellten ihre Flüge in das westafrikanische Land ein. Die Lufthansa will nach Aussagen eines Sprechers die Flüge nach Nigeria nicht einschränken. Auch im Winterflugplan seien die Verbindungen fest eingeplant. Zu den Details der von Nigeria einbehaltenen Lufthansa-Einnahmen wollte er sich nicht äußern.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

In der nigerianischen Wirtschaft dreht sich alles um die Förderung und den Export von Öl. Mehr als 90 Prozent der Staatseinnahmen gehen auf den Rohstoff zurück. Da die Ölpreise in den vergangenen zwei Jahren massiv einbrachen, klaffen immer größere Löcher im Haushalt der größten afrikanischen Volkswirtschaft. Vor dem Hintergrund begrenzte die Regierung die Möglichkeit für Firmen, Dollar außer Landes zu bringen.

Der Erdölpreisverfall hat noch einen zweiten negativen Effekt für die Lufthansa und andere Airlines: Da die Ölbranche derzeit viele Stellen streicht, sinkt die Zahl der ausländischen Passagiere, die nach Nigeria müssen. Das Geschäft mit den Ölarbeitern ist lukrativ, da sie alle paar Wochen nach Hause fliegen.

Nicht nur Nigeria hält Einnahmen der Lufthansa zurück: Auch Venezuela sitzt auf über 100 Millionen Dollar. Die Flüge in das südamerikanische Land will die Lufthansa deshalb Mitte Juni streichen.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×