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19.08.2016

18:40 Uhr

Lufthansa-Billigflieger

Eurowings macht in Moskau den Abflug

VonAndré Ballin

Die vermeintliche Marktlücke wird zum schwarzen Loch: Eurowings stellt nach nur einem Jahr die Flüge nach Moskau wieder ein. Die russische Luftfahrt-Misere kennt nur einen großen Profiteur.

Die Lufthansa-Tochter streicht Moskau aus dem Winterflugplan. Imago

Eurowings

Die Lufthansa-Tochter streicht Moskau aus dem Winterflugplan.

MoskauDer Lufthansa-Billigtochter Eurowings stellt nur ein Jahr nach der Aufnahme der Flüge von Berlin Richtung Moskau die Route wieder ein. Der Konzern begründet die Entscheidung mit Unwirtschaftlichkeit. „Die Route hat unsere hohen Renditeerwartungen nicht erfüllt“, sagte Sprecher Heinz Joachim Schöttes dem Handelsblatt. Daher werde sie zum Winterflugplan aus dem Programm genommen.

Eurowings bedient mit einer Flotte von 88 Flugzeugen insgesamt etwa 130 Routen in Europa, Nord- und Südamerika. Mit einem Umsatz von 1,9 Milliarden Euro und 4,5 Millionen Fluggästen, die das Unternehmen 2015 allein in Düsseldorf abfertigte, gehört Eurowings zu den zehn größten Billigfluganbietern Europas. Mit Russland hatte der Konzern allerdings wenig Glück.

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Eurowings hatte versucht, in die Lücke zu stoßen, die nach dem Ausstieg von Air Berlin 2015 in Russland entstanden war. Doch die Lücke erwies sich als schwarzes Loch. Das Passagieraufkommen in Russland auf den internationalen Routen fällt seit 2015 unaufhörlich. Nach Angaben der Flugbehörde Rosaviazija wurden im vergangenen Jahr 32,3 Millionen Passagiere auf internationalen Flügen außerhalb der GUS abgefertigt. Das ist ein Minus von 18,6 Prozent gegenüber 2014.

In diesem Jahr hat sich der Sturzflug nur noch beschleunigt. Im ersten Halbjahr lag das Minus mit nur 10,5 Millionen Passagieren bei 30 Prozent. Über die Auslastung der Eurowings-Flieger machte Schöttes keine Angaben.
Hauptgründe für die Reiseunlust der Russen sind die mit dem Ölpreisverfall einhergehende Rubelabwertung und die Wirtschaftskrise im Land.

In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts WZIOM zum Sommerbeginn gaben 45 Prozent der Befragten an, ihren Urlaub zu Hause verbringen zu wollen. Eine weitere große Gruppe konnte sich nur Urlaub auf der Datscha – das russische Gartenhäuschen im Grünen – leisten. Nur drei Prozent zogen eine Auslandsreise in Betracht. Der billige Rubel hat Reisen ins Ausland für die meisten Menschen zum Luxus gemacht.

Der Anschluss der Krim rief zudem die westlichen Sanktionen, einen Rückgang des Handels und damit auch einen deutlichen Rückgang bei Geschäftsreisen hervor. Zugleich schürte der in den Medien ausgetragene Streit gegenseitige Ressentiments. Viele Russen erscheint es geradezu unpatriotisch, außerhalb der Heimat Urlaub zu machen Folgerichtig wurden Italien, Spanien oder Österreich durch die Krim, Sotschi und den Kaukasus ersetzt.

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