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02.02.2017

12:15 Uhr

Lufthansa-Billigtochter

Eurowings will 2018 in Frankfurt landen

Die Lufthansa-Billigtochter Eurowings will zum Sommer 2018 am größten deutschen Flughafen in Frankfurt landen. Damit würde die Gesellschaft dort dem irischen Billigflieger Ryanair die Stirn bieten.

Die Lufthansa-Tochter will trotz hoher Gebühren vom Drehkreuz Frankfurt starten. dpa

Eurowings

Die Lufthansa-Tochter will trotz hoher Gebühren vom Drehkreuz Frankfurt starten.

Köln/FrankfurtDie Lufthansa-Billigtochter Eurowings will zum Sommer 2018 am größten deutschen Flughafen in Frankfurt landen. „Wir arbeiten an einer Lösung für den Sommer 2018“, sagte Eurowings-Chef Karl Ulrich Garnadt am Donnerstag. Damit würde die Gesellschaft dem irischen Billigflieger Ryanair die Stirn bieten, der bereits in diesem Frühjahr trotz hoher Gebühren erstmals vom größten deutschen Flughafen startet.

Lange Jahre hatte Lufthansa seine Drehkreuze München und Frankfurt allein der Kernmarke Lufthansa vorbehalten. Die Buchungen für die ersten Eurowings-Flüge ab München seien nun auch für Frankfurt sehr ermutigend, sagte Garnadt.

Die Lufthansa-Tochter Eurowings will in Deutschland vor allem an den Großflughäfen weiter zulegen. Nach München in diesem Jahr soll ab 2018 auch der größte deutsche Flughafen in Frankfurt angeflogen werden – bislang ein nahezu weißer Fleck für Billigflieger. „Wir arbeiten an einer Lösung für den Sommer 2018“, sagte Eurowings-Chef Karl Ulrich Garnadt am Donnerstag.

Die Baustellen bei Eurowings

Große Herausforderungen für den neuen Chef

Lufthansa hat die Latte für sein neues Vorstandsmitglied Thorsten Dirks ordentlich hoch gelegt. Der frühere Chef der Telekommunikationsanbieter E-Plus und O2 muss ab Mai das Billigkonzept Eurowings zum Erfolg führen, nicht weniger erwarten Aufsichtsrat und Konzernchef Carsten Spohr von dem 53-Jährigen. Neben seiner Rolle als Ideengeber für neue Digitalstrategien muss der frühere Luftwaffen-Pilot handfeste Airline-Probleme lösen, denn die aktuell in der Verlustzone operierende Eurowings ist kompliziert aufgebaut und teurer als die Konkurrenz.

Komplizierte Integration

Die Billig-Plattform Eurowings soll eigentlich auch externen Fluggesellschaften offenstehen. Bislang sind aber nur Gesellschaften der Lufthansa-Familie unter Wings-Flagge unterwegs: Eurowings, Germanwings, die Wiener Eurowings Europe und SunExpress. 2017 kommen die kürzlich komplett übernommene Brussels Airlines und bis zu 35 Jets der Air Berlin dazu, die im so genannten „Wet Lease“ zugemietet werden sollen – die niedrigste vorgesehene Kooperationsstufe mit einem Externen. Lufthansa hat ein detailliertes Regelwerk für die neu zu gewinnenden Partner aufgestellt. „Alles, womit der Kunde in Berührung kommt, soll gleich sein“, sagt der scheidende Vorstand Karl Ulrich Garnadt. Bei der Integration könnten Dirks Erfahrungen aus der Fusion der Mobilfunker E-Plus und O2 sehr nützlich sein.

Wackelkandidat Air Berlin

Wenn alles klappt, gehen die 35 Jets der Air Berlin samt Personal ab Ende März 2017 für Eurowings an den Start. Der mehrjährige Mietvertrag gehört zum Rettungspaket, das AB-Großaktionär Etihad für seine deutsche Beteiligung geschnürt hat, die aber erst einmal über den einnahmeschwachen Winter gebracht werden muss. Helfen soll dabei die 300-Millionen-Euro-Spritze, die Etihad offiziell für den Verkauf der AB-Tochter Niki lockergemacht hat. Doch auch damit ist Air Berlin nicht aus dem Schneider. Dem Vernehmen nach zahlt Eurowings für die Flieger so wenig Miete, dass Air Berlin auch 2017 Geld drauflegt. Seit Jahren hält sich die Gesellschaft nur dank der arabischen Finanzspritzen in der Luft. Ein Aus würde künftig auch Eurowings treffen. Lufthansa-Insider behaupten aber, das Problem einer möglichen Insolvenz im Griff zu haben und den Flugbetrieb auch in diesem Fall schnell weiterführen zu können.

Kein Frieden mit den Gewerkschaften

In den zersplitterten Fluggesellschaften, die Flüge der Marke Eurowings anbieten, haben unterschiedliche Gewerkschaften das Sagen, die zudem nach Berufsgruppen aufgeteilt sind. Die Piloten der Vereinigung Cockpit bekämpfen das Wings-Konzept ohnehin nach Kräften, legten in der Vergangenheit auch immer wieder die größte Teilgesellschaft Germanwings lahm. Beim Kabinenpersonal der kleineren Eurowings GmbH bekämpfen sich die Gewerkschaften Verdi und Ufo mit wechselnden Streikszenarien, wobei eine Klarstellung durch das Tarifeinheitsgesetz noch in weiter Ferne liegt. Bei den Passagieren kann sich der Eindruck festsetzen, dass bei Eurowings und Lufthansa immer irgendwo gestreikt werde.

Kaum noch Nischen

Lufthansa bietet im Eurowings-Plattformkonzept auch Fernflüge an. In den wenigen, ebenfalls geleasten Langstreckenjets sitzen Piloten der deutsch-türkischen Sun Express. Lowcost rechnet sich auf lange Entfernungen aber deutlich schlechter, weil Crews übernachten müssen und komplizierte Umläufe entstehen. Technische Probleme können schnell zu massiven Verspätungen führen, wie die Lufthansa-Tochter bereits mehrfach schmerzhaft erfahren hat. Außerdem drängen andere Gesellschaften wie Norwegian und WOW Air (über Island) in das Nordatlantikgeschäft. Aus den asiatischen Massenmärkten will unter anderem der malaysische Billigriese Air Asia künftig nach Europa und zurück fliegen.

Brexit macht Billig-Konkurrenz aggressiver

Eigentlich könnte der Brexit der Lufthansa fast schnuppe sein. Das Großbritannien-Geschäft ist für den Konzern nicht bedeutend, und das billige britische Pfund lockt zusätzliche Urlauber auf die Insel. Doch der erwartete EU-Austritt des Landes treibt Europas größten Billigflieger Ryanair aus Irland noch stärker auf den Kontinent. Ryanair-Chef Michael O'Leary will seine für das nächste Geschäftsjahr erwarteten 50 neuen Flugzeuge nur außerhalb Großbritanniens einsetzen. Die britische Rivalin Easyjet fürchtet um ihre Verkehrsrechte - und plant den Aufbau eines Flugbetriebs innerhalb der Europäischen Union. Für Lufthansa und ihre Tochter Eurowings droht der Wettbewerb noch härter zu werden, weil sie trotz aller Anstrengungen das Kostenniveau der Herausforderer nicht erreicht. Schon heute macht der Ansturm der Konkurrenz dem Konzern an vielen deutschen Flughäfen zu schaffen. Ab März landet Ryanair auch am größten Lufthansa-Drehkreuz in Frankfurt.

Mit einer neuen Basis am Main würde die Gesellschaft dem irischen Billigflieger Ryanair die Stirn bieten, der bereits in diesem Frühjahr trotz hoher Gebühren erstmals von Frankfurt startet. Lange Jahre hatte Lufthansa ihre Drehkreuze München und Frankfurt allein der gleichnamigen Kernmarke vorbehalten.

Die Buchungen für die ersten Eurowings-Flüge ab München seien nun auch für Frankfurt sehr ermutigend, sagte Garnadt. „Wir machen dort ein Angebot, das wir so bislang nicht hatten.“ Auch in Hamburg und Palma de Mallorca stationiert Eurowings zusätzliche Flugzeuge.

Mit dem kartellrechtlich gerade zugelassenen Leasing-Vertrag über 33 Airbus-Jets der Air Berlin steuert Eurowings für 2017 auf einem starken Wachstumskurs. Bei 23.000 zusätzlichen Flügen werde die Passagierzahl um rund 3 Millionen auf etwa 22 Millionen ansteigen.

Für einen Teil der neuen Flugzeuge werden alte Maschinen der Germanwings aus dem Betrieb genommen, so dass zum Jahresende die Flotte zwischen 110 und 120 Jets umfassen werde. Im kommenden Jahr ist die Integration weiterer Maschinen geplant, die dann von der Lufthansa-Tochter Brussels Airlines kommen sollen.

Er erwarte durch den Einsatz der Air-Berlin-Jets einen Rückgang der Stückkosten im einstelligen Prozentbereich, sagte Garnadt. Dazu trage auch das Ausscheiden der letzten 90-Sitzer aus der Flotte bei, die durch moderne Airbus-Jets der A320-Familie ersetzt werden. Ohne die Integrationskosten werde Eurowings in diesem Jahr einen operativen Gewinn machen.

Von

dpa

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