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18.03.2016

18:54 Uhr

Lufthansa Cargo für Privatkunden

Mit dem Motorrad abheben

VonJens Koenen

Mit dem eigenen Motorrad die Route 66 in den USA befahren? Mit Lufthansa ist das ab Sommer kein Problem mehr. Passagiere können ihren „Bock“ von der Lufthansa Cargo abholen und in die USA transportieren lassen.

Frachtflugzeuge der Lufthansa sollen auch für Privatkunden interessiert. dpa

Lufthansa Cargo

Frachtflugzeuge der Lufthansa sollen auch für Privatkunden interessiert.

FrankfurtPrivatkunden – das war bislang nicht das Geschäfts von Peter Gerber. Doch der Vorstandschef der Lufthansa-Tochter Lufthansa Cargo will das ändern. „Wir werden für die Lufthansa-Passagiere ab Sommer einen direkten Lieferservice von Tür zu Tür starten“, sagte der Manager am Freitag in Frankfurt. Zuvor werde man das Angebot mit den eigenen Mitarbeitern testen, dann ab Sommer auf den Strecken zwischen Europa und Nordamerika starten. „Läuft es gut, werden wir auch nach Asien gehen“, sagte Gerber.

Das Angebot zielt nicht auf kleine Mitbringsel, etwa das Päckchen Pralinen. Dieses Geschäft der so genannten „Integratoren“ wie etwa DHL/Deutsche Post hat LH Cargo nicht im Blick. Es geht vielmehr um größere Waren. „Will jemand zum Beispiel mit seinem eigenen Motorrad die Route 66 befahren, kann er seine Maschine mit uns verschicken“, so Gerber. Ein weiteres Szenario: Jemand findet bei seinem US-Besuch einen schicken Oldtimer, kauft ihn und organisiert den Transport innerhalb weniger Minuten mit seinem Smartphone.

Denn das Buchen soll denkbar einfach sein. Über die Lufthansa-App können die Passagiere prüfen, ob das spezielle Frachtangebot auf der eigenen Verbindung verfügbar ist. Ist das der Fall, bekommt man sofort einen konkreten Preis genannt und kann direkt buchen. Für die Abholung und Auslieferung vor Ort will LH Cargo mit Logistikpartnern zusammenarbeiten.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

„Der Versand eines Motorrades auf herkömmlichem Weg ist derzeit sehr komplex“, sagt Gerber. Zu den Preisen wollte er noch keine Angaben machen. „Natürlich ist Luftfracht nicht ganz billig, aber wir werden uns den Markt anschauen und wettbewerbsfähige Preise machen.“ Ein großes Geschäft erwartet der Manager nicht, es geht ihm vielmehr darum, noch freien Frachtraum zu vermarkten. Deshalb wird es auch keine Garantie geben, dass die Fracht auf demselben Flug ist wie der Passagier. Aber zeitnah, also innerhalb weniger Tage, soll die Lieferung erfolgen.

Für LH Cargo ist das Angebot Teil neuer Dienstleistungen im Zuge der eingeleiteten Digitalisierung. Die Frachtfluggesellschaft will sich darüber im beinharten Wettbewerb behaupten. Unter anderem wegen der großen Überkapazitäten im Luftfrachtmarkt und der Nachfrageschwäche etwa in China musste die Lufthansa-Tochter 2015 einen Umsatzrückgang von 3,3 Prozent auf 2,35 Milliarden Euro hinnehmen. Das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sackte sogar um 40 Prozent auf 73,5 Millionen Euro ab.

Gleichzeitig passt das neue Privatkundenangebot in die Strategie der Muttergesellschaft. Auch Lufthansa arbeitet an neuen digitalen Services, von einem vereinfachten Einchecken und einer Aufgabe des Gepäcks über das Smartphone bis hin zu lokalen Angeboten am Flughafen wie etwa einem Zugang zu einer Lounge.

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