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19.05.2016

11:24 Uhr

Lufthansa-Chef

Carsten Spohr warnt vor dem Brexit

Ein möglicher Austritt Großbritanniens aus der EU bereitet nicht nur Politikern Sorgen. Auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr warnt vor den wirtschaftlichen Folgen und bereitet seinen Konzern auf den Ernstfall vor.

Carsten Spohr warnt vor den Folgen des Brexits. Reuters

Lufthansa-Chef

Carsten Spohr warnt vor den Folgen des Brexits.

DüsseldorfLufthansa-Chef Carsten Spohr hat sich für einen Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union (EU) ausgesprochen. Ein Ausstieg des Landes aus der EU, ein Brexit, könne sich negativ auf die Luftfahrtbranche auswirken, sagte der Manager am Mittwochabend vor der Wirschaftspublizistischen Vereinigung Düsseldorf. „Ich bin sicher, der Brexit würde zu einer Reduzierung des europäischen Wachstums führen und das führt zu einer Nachfragereduzierung auch beim Kunden.“ Sein Konzern bereite sich auf den Brexit genauso vor wie auf jede andere erdenkliche Krise – „und als solche würde ich sie bezeichnen“. Er hoffe, dass es nicht dazu komme.

Der Umbau von Germanwings zu Eurowings

Germanwings

Germanwings war mit seiner Basis am Flughafen Köln/Bonn einst die drittgrößte Fluggesellschaft Deutschlands.

Quelle: dpa

Umbau

Auf Sicht wird die Marke allerdings in den kommenden Jahren von den Rollfeldern verschwinden, weil der Lufthansa-Konzern sein komplettes Billigflugangebot mittlerweile über die Plattform Eurowings organisiert.

Konkurrenzkampf

So will sich der Konzern im Kampf gegen Konkurrenten wie Easyjet und Ryanair behaupten.

Kein Markenauftritt

Die Marke Germanwings, die 2002 gegründet und 2013 neu gestaltet wurde, hat seinen eigenständigen Markenauftritt bereits ebenso verloren wie seine Präsenz im Internet und im Vertrieb.

Jets

Die Germanwings-Jets werden in den kommenden Jahren umgestaltet.

Germanwings-Absturz

Der Name Germanwings wird noch lange mit dem wohl vom Co-Piloten herbeigeführten Absturz des Flugs 4U9525 verbunden werden, bei dem im März 2015 alle 150 Menschen im Flugzeug ums Leben kamen.

Verzögerter Markenwechsel

Der Markenwechsel hin zu Eurowings war aus unternehmensstrategischen Gründen aber schon vor der Katastrophe beschlossene Sache - die Tragödie hat den Umbau eher verzögert als beschleunigt.

Die Briten stimmen am 23. Juni über einen Verbleib in der EU ab. In Umfragen lagen die EU-Befürworter zuletzt vorne. Einige große Konzerne, darunter Microsoft und Airbus sowie Fluggesellschaften wie easyJet und Ryanair, haben sich für eine weitere Mitgliedschaft Großbritanniens in der EU ausgesprochen. Der irische Billigflieger Ryanair hat gedroht, im Fall eines Brexit Investitionen in Großbritannien zurückzufahren. Bei der Lufthansa sei dies nicht geplant, sagte Spohr. Die Investitionen seien aber ohnehin nicht sehr groß.

Die Fluggesellschaften kämpfen mit Überkapazitäten und Preisdruck. Spohr bekräftigte, dass die Lufthansa ihre Kapazitäten in diesem Jahr um weniger als sechs Prozent ausbauen wolle. „Näher können wir es nicht eingrenzen.“ Drei Langestreckenflugzeuge sollten nach dem Sommer am Boden bleiben. Es gebe zu viele Kapazitäten im Markt, die auf die Preise drückten. Ursprünglich hatte der Konzern seine Sitzplatzkapazitäten 2016 um 6,6 Prozent ausbauen wollen.

Mit diesen Extras verdienen die Airlines gutes Geld

Lufthansa

Im Jahr 2014 hat die Lufthansa ihre Einnahmen aus dem Vielfliegerprogramm Miles & More mehr als verdoppelt. 90 Millionen Dollar an Einnahmen standen zu Buche.

Quelle: The Car Trawler Yearbook of Ancillary Revenue

Air Asia

Air Asia bietet seinen Passagieren Wlan für weniger als drei Dollar während des Flugs an, dass für Chatprogramme wie WhatsApp benutzt werden kann.

Jetblue

Jetblue will bald neue Paketangebote vorstellen. Besonders günstig sind dabei Handgepäck-Flüge. So sollen jährlich bis zu 200 Millionen Dollar mehr eingenommen werden.

Ryanair

Billigflieger Ryanair geht davon aus, dass 25 Prozent seiner Kunden Geschäftsreisende sind. So buchen bis zu 9000 Kunden pro Tag das teurere Business-Plus-Paket.

Spirit

Spirit erzielte durch den Verkauf von zugeteilten Sitzplätzen Einnahmen von 76,2 Millionen Dollar, das entspricht im Durchschnitt 5,30 Dollar pro Passagier.

Allegiant

Im vergangenen Jahr steigerte der US-Billigflieger Allegiant seine Einnahmen durch den Verkauf von Dritt-Dienstleistungen (Hotelzimmer, Mietwagen, Hotel Shuttle Service) um 30,1 Prozent.

Volaris

Die mexikanische Billig-Airline Volaris erzielte mehr als 3,5 Millionen Euro durch Mitgliedschaften in seinem „V-Club“. Dieser bietet den Mitgliedern günstigere Flugtarife.

Tigerair

Wer schon mal am Flughafen in Singapur gestrandet ist, wird hierfür sicher Verwendung finden: Tigerair bietet mi seinem „Tigerconnect“-Programm für 18 Dollar eine Sightseeing-Tour durch die Stadt an für Kunden, die länger als acht Stunden auf ihren Anschlussflug warten müssen.

American und US Airways

Die US-Fluglinien setzten im Jahr 2014 287 Milliarden Flugmeilen für Vielflieger ab, 61 Prozent davon wurden an Mitglieder des entsprechenden Programms verkauft.

Virgin Australia

Virgin Australia verkaufte sein Vielflieger-Programm für 295 Millionen Dollar.

Spohr sprach sich erneut für eine Konsolidierung der Branche aus. Lufthansa wolle voraussichtlich im September entscheiden, ob die Gesellschaft die restlichen 55 Prozent von Brussels Airlines übernimmt, die an den Lufthansa-Billigflieger Eurowings angedockt werden könnten. Sein Konzern schaue sich nach Gesellschaften um, die im Verbund mit der Lufthansa besser dastünden. „Solche Airlines gucken wir uns an. Airlines, die per se hoffnungslos sind, weil sie zu hohe Kosten haben, zu schlechte Produktqualität haben, werden auch bei uns nicht ins Portfolio kommen.“

Von

rtr

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