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28.11.2015

11:10 Uhr

Lufthansa-Chef

Hohe Personalkosten halten 25 Flugzeuge am Boden

5000 zusätzliche Stellen könnte die Lufthansa schaffen – wären da nicht die hohen Personalkosten. So fliegen 25 Flugzeuge weniger als eigentlich geplant. Konzernchef Spohr klagt über „Strukturen einer Staats-Airline“

Für 25 Flugzeuge fand die Lufthansa keine profitablen Strecken. Den Grund sieht Konzernchef Spohr vor allem in den hohen Personalkosten. Reuters

Geparkte Flugzeuge

Für 25 Flugzeuge fand die Lufthansa keine profitablen Strecken. Den Grund sieht Konzernchef Spohr vor allem in den hohen Personalkosten.

FrankfurtLufthansa könnte nach Angaben des Konzerns bei geringeren Personalkosten deutlich mehr Stellen schaffen. Da diese Kosten aber zu hoch seien, betreibe die Lufthansa 25 Flugzeuge weniger als eigentlich geplant. „Das entspricht rund 5000 Arbeitsplätzen, die wir nicht schaffen konnten, weil wir mit unseren Kosten keine Strecken finden, auf denen wir diese Flugzeuge ohne Verluste einsetzen könnten“, sagte Vorstandsvorsitzender Carsten Spohr dem Nachrichtenmagazin „Focus“.

Der Konzern profitiere dabei noch vom niedrigen Ölpreis einerseits, sowie von der „guten Nachfrage unserer Kunden, die unsere Investitionen in neue Flugzeuge, Angebote und Produkte, wie etwa die Premium-Economy-Klasse, sehr gut annehmen.“

In Bezug auf die Tarif-Auseinandersetzungen mit dem Kabinenpersonal betonte Spohr: Geschäftsleitung und Mitarbeiter müssten sich „gegenseitig eingestehen, dass wir mit den Strukturen, die noch immer in Teilen denen einer Staats-Airline gleichen, unsere Marktanteile nicht halten können“, sagte Spohr. Lufthansa ringt an verschiedenen Stellen mit den Gewerkschaften um Lösungen für etliche Fragen.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Von

dpa

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