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02.04.2014

12:06 Uhr

Lufthansa

Der Streik der Unersättlichen

VonLukas Bay , Janina Raschdorf

Leere Flughäfen, volle Bahnhöfe – die Lufthansa-Piloten verprellen mit ihren Streiks die besten Kunden. Während das Unternehmen im größten Umbau seiner Geschichte steckt, denken sie vor allem an sich selbst.

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Lufthansa-Streik: Arbeitsniederlegung für neue Privilegien

Handelsblatt in 99 Sekunden: Lufthansa-Streik: Arbeitsniederlegung für neue Privilegien

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Düsseldorf/FrankfurtKeine langen Schlangen, keine hektischen Telefonate, keine verzweifelten Kleinfamilien - offenbar haben sich die Lufthansa-Kunden mittlerweile an den Streikzustand gewöhnt. Die meisten haben sich im Internet informiert. Am Schalter der Lufthansa am Düsseldorfer Flughafen herrscht heute Totenstille, nur wenige Passagiere sind gekommen, um die wenigen Tickets abzuholen, die heute ausgestellt werden. Drei Tage wollen die 5400 Lufthansa-Piloten streiken. Sie fordern mehr Geld und die Beibehaltung einer betriebsinternen Frührente. Darum wurden 3800 Verbindungen gestrichen, 425.000 Passagiere sind betroffen.

Claudia Forster, Lena Everding und Caroline Wicke gehören nicht dazu. Während andere im Streik gestrandet sind, können sie ihre Reise nach Nizza antreten. „Wir mussten umbuchen“, erklärt Wicke. „Aber die Lufthansa hat uns dabei unterstützt.“ Gekostet hat die Umbuchung nichts. Nur landen sie jetzt drei Stunden später und können auch während des Flugs nicht beisammen sitzen. 

Am Bahnhof Düsseldorf ist die Stimmung deutlich gereizter. Einige Geschäftsreisende müssen durch den Streik auf den Zug umsteigen - und kommen dadurch in Zeitnot. Umbuchen ist an diesem Tag nur in Ausnahmefällen eine Option. Die Lufthansa verprellt damit auch ihre besten Kunden. Nicht umsonst halten laut einer aktuellen Forsa-Umfrage 74 Prozent Deutschen die Forderungen der Pilotengewerkschaft für ungerechtfertigt und überzogen.

Streiks im deutschen Luftverkehr

5. März 2008

Auf dem Frankfurter Flughafen legen laut Gewerkschaft Verdi rund 2.000 Mitarbeiter von Vorfeld, Passagierkontrolle und Werkstätten für vier Stunden ihre Arbeit nieder.

23. Januar 2009

Wegen eines Warnstreiks des Kabinenpersonals fallen 44 Flüge von und nach Frankfurt aus. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verlangt Tariferhöhungen.

Februar 2012

Bei einem tagelangen Arbeitskampf in Frankfurt fallen mehr als 1.700 Flüge aus. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will für Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen und Flugzeug-Einweiser mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen erzwingen.

27. März 2012

Wegen Warnstreiks an den Flughäfen in Frankfurt/Main, Köln/Bonn, Düsseldorf, München, Stuttgart, Bremen und Hannover fallen Hunderte Flüge aus. Über Stunden sorgen die von der Gewerkschaft Verdi vertretenen Mitarbeiter von Feuerwehr, Gepäckabfertigung und Bodenverkehrsdiensten dafür, dass nicht mehr viel geht.

7. September 2012

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verursacht den bis dahin größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1.000 Flüge werden gestrichen, mehr als 100.000 Passagiere sind betroffen. Bei zwei Streikwellen in den Tagen zuvor waren insgesamt bereits rund 500 Flüge ausgefallen.

Januar/Februar 2013

Streiks des Sicherheitspersonals privater Dienstleister legen mehrere deutsche Flughäfen mehrfach weitgehend lahm. In Hamburg, Düsseldorf und Köln/Bonn kommt es zu massiven Behinderungen.

22. April 2013

Die Gewerkschaft Verdi ruft zu einem ganztägigen Warnstreik auf, um Forderungen nach Jobgarantien und 5,2 Prozent mehr Geld durchzudrücken. Das Bodenpersonal der Lufthansa sorgt dafür, dass von 1.720 geplanten Flügen nur noch 32 stattfinden.

21. Februar 2014

Private Sicherheitsleute legen mit einem 21-stündigen Warnstreik den Frankfurter Flughafen nahezu lahm. Verdi fordert für die Beschäftigten einen Einheitsstundenlohn von 16 Euro.

2. April 2014

Im April kommt es zum längsten Arbeitskampf der Piloten bei der Lufthansa jemals. Die Vereinigung Cockpit (VC) ruft ihre Mitglieder bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings auf, für drei Tage die Arbeit niederzulegen. Die Lufthansa reduzierte in diesen Tagen ihr Flugplanangebot stark und strich insgesamt 3800 Flüge, wodurch weit über 400.000 Passagiere betroffen waren.

29. August 2014

Die Gewerkschaft Cockpit ruft Piloten der Lufthansatochter Germanwings zum Arbeitsausstand auf. Streitpunkt sind vor allem die Regelungen zur Übergangsversorgung der bei Lufthansa angestellten Piloten. Von dem sechsstündigen Streik an sieben Standorten sind 116 von 164 Germanwings-Flügen an dem Tag betroffen, 15.000 Passagiere können nach Angaben der Airline nicht wie gewohnt reisen.

In einem Schreiben an die betroffenen Kunden wirbt Lufthansa-Manager Jens Bischof mit jeder Menge Selbstkritik um Nachsicht. „Unser Anspruch bei Lufthansa ist es, Ihnen als führende Fluggesellschaft einen reibungslosen und hervorragenden Service zu bieten. Diesem Anspruch können wir in den nächsten drei Tagen des Stillstands nicht gerecht werden.“ Doch der Streik - das weiß der Lufthansa-Manager - ist nicht nur für die Passagiere ein Ärgernis. Für die Fluggesellschaft ist es ein Machtkampf - an dessen Ende entschieden sein wird, wie anfällig Deutschlands größte Airline für die Erpressungen von Kleingewerkschaften ist.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit will die Interessen ihrer hochbezahlten Klientel auch zum Schaden des eigenen Unternehmens durchsetzen. „Eine Mogelpackung“ sei das Angebot, schimpft ihr Vertreter Markus Wahl. Die Angebote seien aber immer die gleichen. „Für uns ist Lufthansa klar der Wolf im Schafspelz.“ Notfalls wolle man nach den Osterferien noch einmal die Arbeit niederlegen. „Sollte uns natürlich Lufthansa zwingen, erneut in den Ausstand zu gehen, müssen wir das tun.“

Im Netz sind die Reaktionen eindeutig:

Die Rücksichtslosigkeit ihrer Arbeitnehmer bringt die Lufthansa in die Bredouille: Zwar kostet jeder Streiktag 20 Millionen Euro. Doch die Forderung nach zehn Prozent mehr Gehalt und Beibehaltung der Altersregelungen dürfte noch teurer werden. Denn die hohen Rückstellungen würden die Lufthansa-Bilanz über Jahre belasten. Je niedriger die Marktzinsen, desto mehr Geld muss die Lufthansa für die Altersversorgung zurücklegen. Und die Zinsen sind sehr niedrig.

Kommentare (38)

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02.04.2014, 12:38 Uhr

Wieviele Mittelmanager sitzen sich den ganzen Tag den Allerwertesten platt und tragen kaum Verantwortung in ihrem Eckzimmer mit Sekretariat und E-Klasse?
Ein Pilot dagegen verantwortet täglich zighundertfach Menschenleben. Deshalb fliege ich immer LH und nicht Schrott a la Ryan Air, SouthWest und Co.
Die haben sich ein sehr gutes Gehalt verdient. Eine Neiddebatte ist lächerlich.

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02.04.2014, 12:39 Uhr

Der Streik der Unersättlichen!
wer im Jahr bis zu 300 000 € verdient, und mit 55 Jahren in Vorruhestand gehen kann, und andere Vergünstigungen hat, hat kein recht sich so aufzuführen wie diese Pilotenvereinigung.
Ich würde diese Herren ganz einfach der Luftwaffe unterstellen, und schon sind die Streiks der nimmersatt erledigt.
Was hier abläuft ist eine kriminelle Tat weniger, dies ist der Gesellschaft nicht mehr zu
zumuten.

Account gelöscht!

02.04.2014, 12:40 Uhr

Die Forderungen der Piloten sind absolut berechtigt. Zum einen tragen diese Menschen eine nicht unerhebliche Verantwortung von hunderten Fluggästen. Zum anderen erkrankt, mein Onkel ist Amtsarzt, jeder 2te Pilot ab mitte 50 an einer schweren Krebserkrankung. Das wird in den Medien natürlich nicht kommuniziert.

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