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12.07.2016

06:17 Uhr

Lufthansa, Easyjet & British Airways

Brexit-Votum wirbelt Luftfahrt durcheinander

VonChristoph Schlautmann

Lufthansa-Chef Carsten Spohr spürt eine zunehmende Unsicherheit im Reisegeschäft. Mittelfristig aber könnte sein Konzern sogar vom Brexit profitieren. Für die britische Konkurrenz dürfte es weitaus schwieriger werden.

Die Zahl der Fluggäste ging im ersten Halbjahr 2016 zurück. dpa

Eine Boeing 747-8 der Lufthansa

Die Zahl der Fluggäste ging im ersten Halbjahr 2016 zurück.

DüsseldorfBei der Lufthansa bleiben zunehmend die Sitze leer. Im ersten Halbjahr 2016 reisten 1,1 Prozent weniger Fluggäste mit der Kranich-Airline, obwohl diese ihre angebotenen Sitzplatzkilometer um 1,7 Prozent ausbaute. Konzernweit – also zusammen mit den Linientöchtern Swiss und AUA sowie dem neuen Billigflieger Eurowings – schaffte Europas größte Fluggesellschaft zwar einen Passagierzuwachs von 0,7 Prozent, baute dafür aber das Angebot um 4,2 Prozent aus. Insbesondere das innereuropäische Fluggeschäft schwächelte.

Dass es sich dabei schon um erste Auswirkungen des Brexit-Referendums handelt, wies Lufthansa-Chef Carsten Spohr schon in der vergangenen Woche vorsichtshalber zurück. Dafür sei es noch zu früh. Die Zahl der langfristigen Buchungen sei in letzter Zeit allerdings deutlich zurückgegangen, räumte er ein. „Die Unsicherheit ist größer geworden.“

Und dazu führen längst nicht nur die Terroranschläge in Brüssel oder Istanbul, die im ersten Halbjahr 2016 den Flugverkehr zeitweilig lähmten. Auch vom geplanten Großbritannien-Austritt aus der EU erwartet Spohr einen volkswirtschaftlichen Dämpfer. „Weniger Wachstum führt zu weniger Reisen“, sagte er.

Ebenso wie der Lufthansa-Chef, so zeigte sich auch die Börse in den Tagen nach der Abstimmung geschockt – und strafte Aktien von Reisegesellschaften und Flugunternehmen ab. Kein Wunder. Immerhin gaben britische Touristen im vergangenen Jahr 39 Milliarden Pfund für Auslandsreisen aus. Ob dies angesichts des stark gesunkenen Pfunds nach 2016 so bleibt, ist mehr als ungewiss.

Europas größte Airline könnte am Ende trotzdem auf der Gewinnerseite stehen. Denn der Schaden, den ein britischer EU-Austritt auslösen würde, ist für den Dax-Konzern eher übersichtlich. Nur fünf Prozent ihres Umsatzes erwirtschaftet Lufthansa im Verkehr mit der Insel.

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Behält der Weltairline-Verband IATA recht, schrumpft dieser kleine Anteil durch den Großbritannien-Austritt gerade einmal um drei bis fünf Prozent. Um diese Quote werde sich die Zahl der Flugreisenden von der Insel verringern, wenn es bei der aktuellen Pfund-Abwertung bleibt, glaubt der Verband. Gegenüber dem Euro war die britische Währung zuletzt um rund sieben Prozent gefallen, was Auslandsreisen für Briten deutlich verteuert.

Sorgen dürfte sich Lufthansa dann schon eher um den Kerosinpreis machen. Denn in Folge der Brexit-Entscheidung ist auch der Euro gegenüber dem Dollar unter Druck geraten. Spritrechnungen, die üblicherweise in der US-Währung zu zahlen sind, werden damit teurer.

Doch die Vorteile für Lufthansa, die sich aus dem Austrittsvotum ergeben, überwiegen voraussichtlich deutlich. Denn Wettbewerber von der Insel wie British Airlines oder Easyjet könnten über eine längere Übergangszeit hinweg ausfallen – und damit den Preisdruck verringern.

Grund hierfür ist der freie europäische Binnenmarkt in der Luftfahrt, die European Common Aviation Area, den Großbritannien voraussichtlich verlassen wird. Er erlaubt sämtlichen Airlines der EU-Staaten, in jedem Mitgliedsland Flugverbindungen aufzunehmen.

Von der Liberalisierung haben in den vergangenen Jahren besonders Billigflieger profitiert. Denn auch außerhalb ihres Heimatlandes ist es ihnen seither erlaubt, innerhalb der EU Direktverbindungen zu bedienen. Was Experten als „Kabotage“ bezeichnen, hat für Reisende unmittelbare Vorteile: So darf die irische Ryanair von Berlin nach Mallorca fliegen, die ungarische Wizz Air von Barcelona nach Danzig.

Für die irische Ryanair wird sich das nicht ändern, wohl aber für den britischen Wettbewerber Easyjet. Er müsste sich nach einem Brexit von Standorten wie Berlin, Brüssel oder Amsterdam möglicherweise auf Flüge von und nach Großbritannien beschränken. Starts von München nach Mailand aber wären für die Briten dann Tabu.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

12.07.2016, 08:46 Uhr

"...Spohr sürt eine zunehmende Unsicherheit...."

Liebes HBO,
diese Unsicherheit spüre ich auch.

Hier gibt es jeden Tag nur sehr wenige Artikel die man noch kommentieren darf.
Man weiss auch noch nie, wann diese erscheinen.
Deshalb bin ich gezwungen, täglich alle 20 Minuten nach solchen offenen Kommentarfunktionen zu suchen!
Wenn ich dann eine solche gefunden habe, freue ich mich und kommentiere!

Können Sie sich aber vorstellen was es für einen Frust bedeutet, wenn man dann kommentiert hat, Zeit opfert, nicht nur durch das minütliche Suchen, um dann später festzustellen, dass alle Kommentare gelöscht wurden !!!!!!

Das ist doch sehr unbefriedigend und sehr frustrierend.

Account gelöscht!

12.07.2016, 09:23 Uhr

EUROPA und EU stagniert bei alles !!!

WER SOLL DA NOCH FLIEGEN ?- Flüchtlinge ???

JA...aus der EU würden viele fliehen wollen wenn diese es nur könnten !!!

Account gelöscht!

12.07.2016, 09:24 Uhr

Vielleicht wollen die BANKER aus ITALIEN als erstes EUROPA verlassen ?


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