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25.11.2015

10:13 Uhr

Lufthansa

Flugbegleiter blasen Streik überraschend ab

VonJens Koenen

Ein Spitzengespräch bringt Bewegung in den Tarifstreit: Die Flugbegleiter sagen ihren ab Donnerstag geplanten Streik wieder ab. Die Lufthansa sieht eine „Basis für eine Lösung“ – und lobt die Gewerkschaft UFO.

Die Gewerkschaft Ufo hat ihren Streik abgesagt. dpa

Tor auf für Lufthansa-Maschinen

Die Gewerkschaft Ufo hat ihren Streik abgesagt.

FrankfurtDie von Streiks gebeutelten Passagiere der Lufthansa können aufatmen. Der für Donnerstag und Freitag geplante Streik der Flugbegleiter ist abgesagt. Management und die Gewerkschaft UFO einigten sich in der Nacht nicht nur auf Eckpunkte für Verhandlungen über die strittige Altersversorgung. Auch sollen die Chancen eines Runden Tisches noch einmal ausgelotet werden, an dem alle Gewerkschaften, neben UFO die Pilotengewerkschaft Cockpit sowie Verdi für das Bodenpersonal teilnehmen und über die künftige Struktur der Airline sprechen.

Die Deeskalation scheint vorerst geglückt. Nachdem der Tarifkonflikt zwischen UFO und dem Lufthansa-Management zuletzt nur noch aus gegenseitigen Vorwürfe und Angriffe bestand, scheinen die Beteiligten nun wieder zu einem Tarifgesprächen angemessenen Verhandlungsstil zurückgefunden zu haben. Vorausgegangen waren lange und intensive Gespräche, die bis zum frühen Mittwochmorgen dauerten und in denen man sich auf ein gemeinsames Papier verständigte, das nun Basis für weitere Gespräche sein soll.

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„Wir haben ein Papier finalisiert, in dem Lufthansa die Zwischenmitteilung der Schlichter aus dem Sommer 2015 nun doch als Ausgangsbasis für eine neue Versorgung akzeptiert“, erklärte UFO-Chef Nicoley Baublies am Mittwoch. Das Papier umfasst mehrere wichtige Vereinbarungen. Im eigentlichen Tarifstreit um die Altersversorgung sowie die so genannte Übergangsregelung, die den Vorruhestand ab 55 Jahren betrifft, näherten sich beide Seiten an.

Lufthansa spricht sogar von der „Basis für eine Lösung“. Darüber hinaus wollen beide Seiten über neue Tarifverträge für das Kabinenpersonal jener deutschen Airlines der Lufthansa-Gruppe sprechen, an denen der Konzern die Mehrheit hält.

Auch bei der von UFO immer wieder eingeforderten Wachstumsperspektive für die Lufthansa Kernmarke gibt es Bewegung. Das Lufthansa-Management hatte Lufthansa Classic zuletzt geschrumpft, mehrere Flugzeuge aus der Flotte genommen. Zudem wurde mit einer weiteren Reduzierung des Angebots gedroht, sollte man sich mit den Arbeitnehmervertretern nicht auf Kosteneinsparungen einigen. Im Fokus des Managements liegt derzeit stattdessen der Aufbau der eigenen Billig-Plattform Eurowings.

Nun wollen UFO und Lufthansa die sogenannte „Agenda Kabine“ sowie das „Bündnis für Wachstum und Beschäftigung“ in eine Schlichtung bringen. „In diesem Zusammenhang erkennt Lufthansa positiv an, dass die UFO zu nachhaltigen Senkungen der Bruttopersonalkosten in der Kabine der Passage bereit ist“, heißt es in einer Erklärung des Konzerns.

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Schwieriger Konzernumbau

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Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Gleichzeitig soll der vom Management für den 2. Dezember vorgeschlagene „Job-Gipfel“ mit UFO, der Vereinigung Cockpit (Piloten), der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi (Bodenpersonal) und dem Management vorbereitet werden. Mit allen drei Gewerkschaften liegt die Lufthansa-Spitze beim Thema Altersversorgung im Clinch, alle Arbeitnehmer-Vertretungen beklagen zudem die fehlenden Perspektiven für die Kernmarke Lufthansa. „Wir hoffen nun, dass es möglich wird, alle vier Parteien unter externer Mediation an diesem Tag zusammen zu bringen. Es muss möglich sein, darüber zu sprechen, wie das entstandene Misstrauen abgebaut werden kann“, sagte Birgit Weinreich, Vorstandsmitglied der UFO.

Ob auch die VC beim „Job-Gipfel“ mitzieht, ist derzeit allerdings nicht klar. Zuletzt hatte die Piloten-Vertretung eine Teilnahme abgesagt. Fest steht aber zumindest: Die 19.000 Kabinenmitarbeiter bei Lufthansa Classic werden bis zum 2. Dezember nicht streiken.

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