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04.09.2012

17:03 Uhr

Lufthansa

Flugbegleiter kündigen bundesweiten Streik an

Die Lufthansa hat auch während der zweiten Streikrunde der Flugbegleiter kein Mittel gefunden, um die Folgen des Ausstands abzufedern. 43.000 Passagiere sollen betroffen gewesen sein. Bald werden es noch weit mehr sein.

Flugbegleiter erhöhen den Druck auf Lufthansa

Video: Flugbegleiter erhöhen den Druck auf Lufthansa

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Frankfurt/BerlinDie Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo will die Lufthansa bundesweit bestreiken. „Wir werden heute am frühen Abend ankündigen, wann es flächendeckende Streiks geben wird“, sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies am Dienstag zu Reuters. Ufo sehe sich dazu veranlasst, da die Lufthansa in dem Tarifkonflikt keinerlei Entgegenkommen gezeigt habe.

Vom jüngsten Ausstand der Flugbegleiter an den Flughäfen Frankfurt, Berlin und München waren am Dienstag mindestens 43.000 Fluggäste betroffen . Diese Zahl nannte ein Sprecher des Unternehmens am Dienstagnachmittag in einer ersten Bilanz. Am Freitag, dem ersten Streiktag, waren es 26.000 Passagiere.

Am Berliner Flughafen Tegel hatte die Arbeitsniederlegung am Dienstag gegen 5.00 Uhr begonnen. Eine Stunde später folgte das Kabinenpersonal in Frankfurt am Main, wie Ufo-Sprecher Alexander Behrens am Dienstagmorgen bestätigte. An beiden Standorten dauerte der Ausstand jeweils acht Stunden.

Auf ihrer Internetseite teilte die Lufthansa am Dienstag mit, dass rund die Hälfte aller Kurz- und Mittelstreckenverbindungen entfalle, zudem auch einige Langstreckenflüge. Insgesamt standen bei der Lufthansa für den Streikzeitraum von 6 Uhr bis 14 Uhr 370 Flüge im Frankfurter Flugplan. In Berlin entfielen „einige“ Flüge, hieß es.

Nach Berlin und Frankfurt bestreikten die Flugbegleiter am Nachmittag noch den Flughafen in München. Der Ausstand soll von 13.00 Uhr bis Mitternacht dauern.

Das Wichtigste zum Lufthansa Streik

Wie erfahre ich, ob mein Flug ausfällt?

Ob, und welche Flüge konkret betroffen sind, können Kunden auf der Lufthansa Website prüfen. Das Lufthansa Service Center steht bei Flugunregelmäßigkeiten kostenlos auch telefonisch zur Verfügung:

0800 / 8 50 60 70

Worum geht es eigentlich?

Offiziell streiken die Flugbegleiter lediglich für mehr Geld. Sie verlangen nach drei Jahren Nullrunde ein Einkommensplus von fünf Prozent sowie höhere Gewinnbeteiligungen. Im Hintergrund geht es um die Zukunft des Lufthansa-Konzerns. Das Management will eine Billigeinheit für Direktflüge mit zunächst rund 90 Flugzeugen und 2000 Beschäftigten gründen, für die deutlich niedrigere Tarife gelten sollen. Bei allen übrigen sollen Gehaltsstufen abgeflacht werden, neue Kräfte nicht mehr so schnell aufsteigen können. Weil Ufo dabei nicht mitmachen wollte, hat Lufthansa zudem Leiharbeiter eingesetzt.

Die UFO-Taktik

Die Gewerkschaft UFO will eine Nadelstichtaktik führen. Um der Lufthansa möglichst wenig Zeit zur Vorbereitung zu lassen, veröffentlicht sie die bestreikten Flughäfen erst wenige Stunden vor Beginn der Arbeitsniederlegung. Als nächste Stufe des Arbeitskampfes wird ein flächendeckender Streik vorbereitet, sagt Ufo-Chef Nicoley Baublies. Damit erhofft sich die Gewerkschaft ein Einlenken der Lufthansa auf ihre Forderungen.

Wie reagiert die Lufthansa?

Man habe mehrere Szenarien in der Schublade und werde möglichst viele Flüge stattfinden lassen, sagt Sprecher Thomas Jachnow. Vorrang haben die Interkontinentalverbindungen, während innerdeutsche Flüge am einfachsten auf die Bahn verlagert werden können. Auch Umbuchungen auf andere Airlines sind möglich

Wie hoch ist die Kampfbereitschaft der Stewards und Stewardessen?

Das ist die spannende Frage in diesem Tarifkonflikt. Im Gegensatz zu den weit besser verdienenden Piloten oder den Fluglotsen bei der Deutschen Flugsicherung haben die Flugbegleiter bislang noch nie einen richtigen Arbeitskampf durchstehen müssen. Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer hat sich vor wenigen Tagen noch sicher gezeigt, dass es zu großen, flächendeckenden Streiks nicht kommen werde. Sicher ist aber, dass es in der einstmals geschlossenen und stolzen Lufthansa-Belegschaft wegen der umfassenden Sparpläne gärt.

Wie lange hält die Gewerkschaft einen Arbeitskampf durch?

An mangelnden Mitteln aus der Streikkasse werde der Arbeitskampf nicht scheitern, sagt Baublies. Die langsame Eskalation schont zumindest am Anfang auch das Ufo-Vermögen. Eine Strategie könnte es sein, nur wenige Streikende pro Flug zu organisieren, weil die Flieger mit Mindestbesatzungen starten müssen. Vor allem bei den eng besetzten Europaflügen ist eigentlich kein Puffer drin, so dass bereits der Ausfall eines Flugbegleiters den Start verhindern kann. Das sehen gesetzliche Vorschriften vor.

Kann die Lufthansa nicht einfach Ersatzleute anheuern?

Das wird schwierig, wenngleich der zuständige Personalchef Peter Gerber sich das durchaus vorbehalten hat. Doch der Arbeitsmarkt ist nicht gerade üppig besetzt. Die Grundausbildung ist zwar mit zwölf Wochen relativ kurz, aber es kann nicht jeder Flugbegleiter auf jedem Jet eingesetzt werden. Aus Sicherheitsgründen sind die Leute jeweils nur auf bestimmte Flugzeugtypen zugelassen. Zudem sind Leiharbeiter nicht verpflichtet, sich als Streikbrecher zu betätigen.

Wann erfahre ich, ob mein Flug ausfällt?

Sechs Stunden vor Beginn der Streikmaßnahmen will die UFO bekannt geben, an welchen Flughäfen sie streikt. Gewerkschaftschef Nicoley Baublies verspricht, bereits am Vorabend zu warnen, wenn ein Streik früh am nächsten Morgen beginnt.

Lufthansa-Sprecher Klaus Walther warf der Gewerkschaft Ufo Arroganz vor. „Ich glaube, es ist ziemlich arrogant, was die Gewerkschaftsführung gegenüber unseren Kunden macht. (...) Das richtet sich gegen die Flugpassagiere und ist unerträglich aus Sicht der Kunden“, sagte er dem Nachrichtensender n-tv. Walther forderte die Flugbegleiter zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf.

Der Ufo-Vorsitzender Nicoley Baublies hatte schon am Nachmittag mit einer flächendeckenden Ausweitung des Streiks gedroht - für den Fall, dass die Lufthansa nicht zu Zugeständnissen an die Gewerkschaft bereit sein sollte. Dem Fernsehsender N24 sagte Baublies: „Sollte diese Arroganz beibehalten werden, dann wird es jetzt aufhören mit diesen zeitlich und vor allem örtlich begrenzten Streiks. Dann werden wir in den nächsten Tagen irgendwann sagen, Deutschland steht still von null bis vierundzwanzig Uhr.“

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