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24.08.2016

20:00 Uhr

Lufthansa

Flugbegleiter nehmen Schlichtungsergebnis an

Erleichterung bei der Lufthansa: Die Flugbegleiter akzeptieren die mühsam erreichten Ergebnisse der Platzeck-Schlichtung. Streikgefahr droht damit nur noch von den Piloten – neue Gesprächstermine sind nicht in Sicht.

Die Schlichtung zwischen der Lufthansa und den Flugbegleitern war erfolgreich. Die Streikgefahr ist zumindest an dieser Front gebannt. dpa

Einigung mit Flugbegleitern

Die Schlichtung zwischen der Lufthansa und den Flugbegleitern war erfolgreich. Die Streikgefahr ist zumindest an dieser Front gebannt.

FrankfurtDie Gefahr neuer Flugbegleiter-Streiks bei der Lufthansa ist endgültig abgewendet. Bei der am Mittwochabend abgelaufenen Urabstimmung stimmten 87,36 Prozent für die Annahme des Schlichtungsergebnisses, das unter Leitung von Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck erreicht worden war. Das teilte die Gewerkschaft Ufo mit. Nunmehr könnten die erzielten Kompromisse in umfangreichen Redaktionsverhandlungen in konkrete Tarifverträge umgesetzt werden.

Einzelne der 29 angestrebten Tarifverträge sollen bis ins Jahr 2023 gelten. Sie regeln die Arbeitsbedingungen, Ruhestandszahlungen und Verdienstmöglichkeiten von rund 19.000 Flugbegleitern der Kernmarke Lufthansa. Enthalten sind Einkommenssteigerungen um gut fünf Prozent zwischen Januar 2016 und Juni 2019, eine Beschäftigungsgarantie bis 2021 und ein neues System der Alters- und Übergangsversorgung.

„Dass die längste und schwierigste Auseinandersetzung zwischen Ufo und Lufthansa nun mit einem solch überragenden Ergebnis angenommen worden ist, zeigt, dass es sich gelohnt hat, so lange zu kämpfen“, betonte Ufo-Verhandlungsführer Nicoley Baublies. Nun müssten noch bis Ende September die Tarifvereinbarungen für die deutschen Gesellschaften der Billigtochter Eurowings unterschriftsreif gemacht werden. Auch dies sei Teil der Schlichtungsverhandlungen gewesen.

Die wichtigsten Punkte der Lufthansa-Schlichtung

Die Verhandlungen

Fast drei Jahre hat es von den ersten Verhandlungen bis zum Schlichtungsergebnis gedauert. Lufthansa und die Kabinengewerkschaft Ufo haben unter Anleitung des Schlichters Matthias Platzeck eine komplexe Lösung erarbeitet, die mehr als 20 Verträge umfasst. Einige wichtige Punkte im Überblick.

Entgelt

Im dreieinhalb Jahre langen Tarifzeitraum von Januar 2016 bis Juni 2019 steigen die Gehälter in drei Stufen um knapp 5,5 Prozent. Neben der ersten Stufe hat es bereits eine Einmalzahlung von 3.000 Euro für das sehr erfolgreiche Geschäftsjahr 2015 gegeben. Gewinnabhängige Lohnkomponenten werden erhöht.

Betriebsrenten

Das System wird komplett umgekrempelt und mit den Übergangsrenten (ab 55 möglich) zusammengeführt. Grundsätzlich geht das Zinsrisiko auf die Mitarbeiter über, weil Lufthansa nur noch feste Beiträge zahlt, statt wie bislang die Höhe der Renten zu garantieren. Das entlastet die Bilanz. Lufthansa legt beim Gehalt 5,2 Prozent für die Alterssicherung drauf. Ob es sich für die Mitarbeiter rechnet, hängt von der Rendite ab, für die ein Mitarbeiterfonds verantwortlich zeichnet. Für jüngere Mitarbeiter darf mit den Überschüssen auch in riskanteren Anlagen spekuliert werden.

Künftige Konflikte

Auf Drängen Platzecks haben sich die Partner Spielregeln für den künftigen Umgang miteinander gegeben. Wichtigster Punkt ist neben regelmäßigen Treffen die verbindliche Schlichtung vor einem unbefristeten Streik.

Beschäftigungsgarantie

Die Kabinenmitarbeiter müssen bis 2021 nicht um ihre Jobs zittern. Neben dieser Beschäftigungsgarantie hat das Unternehmen auch zugesagt, seine Flugzeuge bis 2023 nicht mit Fremdpersonal zu besetzen. Zuletzt war die Personaldecke sehr dünn geworden, sodass Lufthansa zu ungewöhnlichen Rekrutierungsmaßnahmen wie einem Casting nach TV-Vorbild griff.

Berufsbild

Aus dem viermonatigen Anlernjob Flugbegleiter soll ein Ausbildungsberuf auf Bachelor-Niveau entwickelt werden. Die höheren Entgeltstufen für Flugbegleiter mit mindestens 2150 Euro monatlichem Grundgehalt kann künftig nur noch erreichen, wer die 18-monatige Ausbildung absolviert.

Das Unternehmen begrüßte die Zustimmung der Ufo-Mitglieder. Es sei ein langfristiger Tariffrieden geschlossen worden. Die verschiedenen Veränderungen in der Alters- und Übergangsversorgung und der Vergütungsstruktur bedeuteten für die Lufthansa Group jährliche Einsparungen im mittleren zweistelligen Millionen Euro Bereich, teilte das Unternehmen in Frankfurt mit. Die neuen Vereinbarungen sollen die Pensionsverbindlichkeiten der Lufthansa Group zusätzlich um einen oberen dreistelligen Millionenbetrag entlasten.

Ufo hatte im vergangenen November 2015 den härtesten Streik in der Geschichte der Lufthansa organisiert, bei dem rund 4700 Flüge ausgefallen waren. Noch offen ist der Tarifkonflikt der Lufthansa mit den Piloten, die bereits 13-mal gestreikt haben. Hier sind die Gespräche derzeit unterbrochen und es gibt nach Auskunft beider Seiten derzeit keine neuen Termine.

Von

dpa

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