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29.08.2012

11:32 Uhr

Lufthansa

Flugbegleiter-Streik frühestens ab Donnerstag

Ab Donnerstag kann es für Kunden der Lufthansa ungemütlich werden. Dann könnten die Ausstände der Flugbegleiter beginnen. Der Airline zufolge sind viele Passagiere bereits verunsichert und wollen ihre Flüge umbuchen.

Höhere Personalkosten wären nicht tragbar

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BerlinPassagiere der Lufthansa müssen sich nach Angaben der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo frühestens am Donnerstag auf Behinderungen durch Streiks einstellen. „Am Mittwoch wird es keinen Streik geben“, sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. „Falls es am Donnerstag zu Streiks kommt, werden wir dies am späten Mittwochabend bekanntgeben.“ Baublies hielt sich ausdrücklich offen, ob bereits am Donnerstag oder erst später die Arbeit niedergelegt werde.

„Wir werden unsere Gäste mit mindestens sechs bis sieben Stunden Vorlauf informieren“, kündigte der Gewerkschaftschef im Deutschlandfunk an. Vorerst planten die Flugbegleiter lediglich punktuelle Ausstände an einzelnen Flughäfen der Lufthansa. „Wir werden in den nächsten ein bis zwei Wochen noch nicht flächendeckend agieren.“ Doch auch wenn erste Streiks jeweils nur für wenige Stunden angesetzt würden, könne es danach mehrere Tage dauern, bis sich der Flugbetrieb wieder normalisiere.

Die Rechte der Fluggäste bei Streiks

Stornierung und Umbuchung

Einen wegen Streiks gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist - und auch länger, da ein Rückstau entstehen könnte.

Verspätung

Bei Flügen bis zu 1500 Kilometern haben Fluggäste ab zwei Stunden Verspätung Anspruch auf Betreuungsleistungen - also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden. Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

Pünktlichkeit

Auch bei einer großen absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand - und zahlen eine Entschädigung dann nicht. Zu Recht, wie der Bundesgerichtshof (BGH) nun entschied: Streiks auch der eigenen Piloten sind „außergewöhnliche Umstände“, die von Airlines „nicht beherrscht“ werden können, heißt es in dem Urteil.

Von den rund 19.000 Stewardessen und Stewards der Lufthansa sind nach Schätzungen aus der Branche etwa zwei Drittel in der Gewerkschaft Ufo organisiert. Im Falle eines Streiks sollen die Ufo-Mitglieder per Mail und SMS zu den einzelnen Aktionen aufgerufen werden.

Bei der Lufthansa laufen die Vorbereitungen auf erste Streiks der Flugbegleiter auf Hochtouren. Bereits die bloße unbestimmte Ankündigung habe die Passagiere verunsichert, sagte eine Sprecherin der Fluggesellschaft am Mittwoch in Frankfurt. Dann komme es üblicherweise auch zu Umbuchungen oder Stornierungen, die sie aber derzeit nicht beziffern könne.

Lufthansa werde alle technischen Möglichkeiten nutzen, ihre Kunden über mögliche Flugausfälle zu informieren, sagte Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels. Man sei durchaus optimistisch, dass auch im Streikfall eine ganze Reihe von Flügen stattfinden könne. So würden die Töchter Cityline, Eurowings und Germanwings nicht bestreikt. Voraussichtlich würden auch nicht sämtliche Lufthansa-Flüge ausfallen.

Im Streikfall werde das Unternehmen die Fluggäste auf verschiedenen Kanälen informieren und ihnen möglichst alternative Reisemöglichkeiten anbieten. Umbuchungen auf andere Fluggesellschaften oder die Bahn seien möglich. Selbstverständlich werde auf Wunsch auch der Ticketpreis für ausgefallene Flüge erstattet. Bartels appellierte an die Fluggäste, vor allem die elektronischen Informationsmöglichkeiten zu nutzen. Aber auch an den Schaltern werde Lufthansa „ihr Bestes geben.

Die größten Fluggesellschaften der Welt

Platz 10

US Airways (USA) - 66 Millionen Passagiere

Durch die Fusion mit American Airlines steigt die Fluggesellschaft ab Herbst 2013 zur größten der Welt auf. Im vergangenen Jahr schaffte die Airline nur knapp den Sprung in die Top Ten.

Platz 9

China Eastern Airlines (China) - 73 Millionen Passagiere

Mitte 2011 wurde die chinesische Airline ins SkyTeam aufgenommen. Die 285 Flugzeuge steuern im wesentlichen Ziele im Inland an, aber auch Flughäfen in Nordamerika, Europa und Australien. Größter Anteilseigner der Fluggesellschaft ist die chinesische Regierung.

Platz 8

Air France-KLM (Frankreich) - 77 Millionen Passagiere

Die Franzosen leiden unter dem schwachen Geschäft in Europa. Billig-Airlines und Kerosinpreise verhageln das Geschäft. Darum wurde zuletzt sogar eine Kooperation mit dem aufstrebenden arabischen Konkurrenten Etihad eingegangen, um der Lufthansa ihren Spitzenplatz abzujagen.

Platz 7

Ryanair (Irland) - 79 Millionen Passagiere

Ryanair-Chef Michael O'Leary ist berühmt für seine ausgeflippten Auftritte. Durch seine Billigstrategie sind die Iren mittlerweile die größte Fluggesellschaft Europas. Zuletzt wollten die Iren erneut den heimischen Konkurrenten Aer Lingus übernehmen.

Platz 6

China Southern Airlines (China) - 87 Millionen Passagiere

Asiens größte Fluggesellschaft verfügt über eine Flotte von 360 Maschinen - darunter auch ein Airbus A380. Damit soll die Expansion noch lange nicht abgeschlossen sein, die Flotte soll in den kommenden Jahren um 121 Flugzeuge ausgebaut werden.

Platz 5

Lufthansa (Deutschland) - 103 Millionen Passagiere

Die größte deutsche Fluggesellschaft macht rund 75 Prozent ihrer Umsätze im Passagiergeschäft. Besonders das Geschäft in Europa sorgte zuletzt aber für Millionenverluste. Viele europäische Strecken wurden darum auf die Billigtochter Germanwings umgestellt.

Platz 4

American Airlines (USA) - 108 Millionen Passagiere

Ende 2011 musste die Fluggesellschaft noch Insolvenz anmelden - bald könnte sie durch die Fusion mit US Airways zur größten der Welt aufsteigen.

Platz 3

Southwest Airlines (USA) - 109 Millionen Passagiere

Die bunten Texaner sind die größte Inlandsfluggesellschaft der Welt. Nachdem die Passagierzahl in der Finanzkrise zuletzt heftig gesunken war, erreichte sie 2012 wieder ein Rekordniveau weit über der 100-Millionen-Marke.

Platz 2

United Continental (USA) - 140 Millionen Passagiere

Die Airline aus Chicago verpasst den Spitzenplatz nur knapp. Als Mitglied der Star Alliance ist United auch ein wichtiger Partner der Lufthansa.

Platz 1

Delta Airlines (USA) - 165 Millionen Passagiere

Die Amerikaner sind noch die größte Fluggesellschaft der Welt - müssen ihren Titel aber bald abgeben. Durch die Fusion von American Airlines und US Airways dürfte Delta als größte Fluggesellschaft abgelöst werden. 752 Flugzeuge gehören zur Flotte, weitere 125 sind bestellt.

Ufo hatte nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen am Dienstag erklärt, sie bereite unbefristete und flächendeckende Arbeitsniederlegungen für den Fall vor, dass eine Strategie der Nadelstiche nicht aufgeht. Die Gewerkschaft fordert nicht nur fünf Prozent mehr Lohn, sondern stemmt sich auch gegen den Sparkurs des Unternehmens. Baublies sagte im Deutschlandfunk an die Lufthansa gerichtet, er sei stets gesprächsbereit: „Mein Telefon ist an.“

In der Nacht zum Dienstag waren langwierige, am Donnerstag vergangener Woche begonnene Verhandlungen gescheitert. Ufo hatte neben fünf Prozent höheren Entgelten unter anderem das Ende der Leiharbeit an Bord von Lufthansa-Maschinen verlangt. Die Verhandlungspartner wiesen sich gegenseitig die Verantwortung für das Scheitern zu.

Lufthansa-Streik: Man schadet sich selbst

Video: Lufthansa-Streik: Man schadet sich selbst

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Kommentare (5)

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Account gelöscht!

29.08.2012, 12:01 Uhr

Ich fliege am Sonntag in Urlaub...und da ich mir nur 10Tage im Jahr gönne, wäre ich ziemlich verstimmt wenn es zu Problemen kommen sollte.. aber das schöne ist ja, in diesem Fall kann ich zukünftig (innereuropäisch) durch Nutzung von Ryanair und anderen Billigheimern dafür sorgen, dass die gut bezahlten LH-Mitarbeiter etwas "ausgedünnt" werden.. mein Miles and More Senator Karte können die sich dann auch an den Nagel hängen.. fliege eh lieber mit Singapore und Emirates.. Glück auf!

Schimmel

29.08.2012, 12:11 Uhr

Na Mensch, warum buchst Du denn dann nicht gleich bei diesen Pappnasen? Was für ein blöder Beitrag! Ich bin betroffen, also dürfen die nicht streiken. Das bewegt sich ungefähr auf dem Niveau eines Kleinkindes.
Das Streikrecht ist elementarer Bestandteil unseres Wirtschaftssystems. Ich finde die Forderungen zwar überzogen, das ändert aber nichts daran, daß die Arbeitsbedingungen im "Kampf" ausgefochten werden und das ist auch gut so. Ab und zu provitiert man, ab und zu hat man (als Kunde) das Nachsehen. So ist das Leben.

Doll

29.08.2012, 12:15 Uhr

Wenn Du nur 10 Tage im Jahr Urlaub machst, hast Du die Miles and More Karte doch noch nie in der Hand halten dürfen. Flieg mal Ryan Air. Da bist Du unter Gleichgesinnten.

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