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06.11.2015

04:31 Uhr

Lufthansa-Flugbegleiter

Streiks beginnen nicht vor Mittag

Ab Freitagmittag bleiben viele Flieger der Lufthansa im Hangar: Die Flugbegleiter beginnen mit ihren Streiks. Doch die Gewerkschaft Ufo lässt Management und Kunden zappeln – und bleibt genaue Angaben schuldig.

Erneut Streiks bei Lufthansa

Experte: „Die Fluggesellschaft muss für die Kosten aufkommen!“

Erneut Streiks bei Lufthansa: Experte: „Die Fluggesellschaft muss für die Kosten aufkommen!“

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FrankfurtDie Lufthansa steht vor dem längsten und unberechenbarsten Streik ihrer Geschichte. Die Gewerkschaft Ufo hat die Flugbegleiter der Airline ab diesem Freitag zum Streik aufgerufen, schweigt bislang aber über das genaue Ausmaß ihrer Aktionen.

Klar ist nach einer Ankündigung vom Donnerstag bislang nur, dass bis Freitagmittag, 12.00 Uhr, nicht gestreikt wird. Ufo will weitere Details am Vormittag bekanntgeben.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Der Arbeitskampf soll bis Freitag kommender Woche (13. November) fortgeführt werden. Nach Informationen aus Gewerkschaftskreisen sollen die südlichen Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg zum Ende ihrer Herbstferien an diesem Wochenende noch geschont werden.

Es ist der erste Ausstand der Flugbegleiter in der aktuellen Tarifrunde, bei der es um die Übergangs- und Betriebsrenten von rund 19 000 Flugbegleitern bei der Lufthansa-Kerngesellschaft geht. Die Piloten der Lufthansa haben hingen schon 13 Mal gestreikt.

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Bei der Lufthansa sucht ein Krisenstab nach möglichen Antworten auf die neue Strategie. „Die auf vielleicht nur noch drei Stunden verkürzte Ankündigungszeit macht die Planung für uns und unsere Passagiere viel schwieriger“, sagte ein Sprecher am Vortag. Bislang waren Streiks immer mit 24 Stunden Vorlauf angekündigt worden. Bei streikbedingten Flugausfällen können die Passagiere kostenfrei umbuchen oder stornieren.

In dem Konflikt geht es um die Betriebs- und Übergangsrenten der rund 19.000 Flugbegleiter der Lufthansa-Kerngesellschaft. Unternehmen und Ufo hatten sich am Donnerstag auch bei Last-Minute-Verhandlungen nicht auf ein neues System einigen können. Sie überzogen sich gegenseitig mit Schuldzuweisungen.

Ufo-Chef Nicoley Baublies erklärte, bei der Last-Minute-Verhandlung am Donnerstag habe Lufthansa gedroht, bei Annahme der Ufo-Forderungen in Zukunft kein Kabinenpersonal mehr einzustellen und weitere Flugzeuge von der Lufthansa-Kerngesellschaft in andere, billigere Airlines zu verlagern. Lufthansa hatte hingegen erklärt, man sei bereit, auf alle Ufo-Forderungen zu den strittigen Betriebs- und Übergangsrenten einzugehen.

Neueinsteigern sollte allerdings eine geringere Altersversorgung auf dem Niveau anderer Dax-Konzerne angeboten werden. Ufo verlangt in dieser Frage eine Gleichstellung auch der neuen Mitarbeiter.

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