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13.02.2015

13:31 Uhr

Lufthansa

Flugbegleiter wollen vorerst nicht streiken

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo hat sich mit der Lufthansa auf weitere Tarifgespräche geeinigt, weitere Streiks sind so erst einmal vom Tisch. Die Fluglinie sieht in der Einigung ein wichtiges Signal an die Kunden.

Ufo verhandelt seit April 2014 mit der Lufthansa über eine ganze Reihe von Themen, die unter dem Stichwort „Agenda Kabine“ zusammengefasst sind. dpa

Lufthansa-Maschinen

Ufo verhandelt seit April 2014 mit der Lufthansa über eine ganze Reihe von Themen, die unter dem Stichwort „Agenda Kabine“ zusammengefasst sind.

FrankfurtNach einem Durchbruch in den Tarifverhandlungen mit der Lufthansa plant die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo vorerst keine Streiks mehr. Die Tarifparteien hätten sich auf einen Lösungsmechanismus für die weiteren Gespräche verständigt, der Streiks in den nächsten Monaten ausschließe, teilte Ufo am Freitag mit. Damit gebe es nun ausreichend Zeit, zu einer Gesamtlösung zu kommen. "Wir wollen den Beweis antreten, dass wir in wirklich turbulenten Zeiten auch ohne Arbeitskampf Sicherheit und Perspektiven für unsere Mitglieder im Lufthansa-Konzern erreichen können", sagte Ufo-Chef Nicoley Baublies. Die Lufthansa bestätigte die Fortsetzung der Gespräche. „Das ist ein wichtiges Signal für unsere Kunden, die wir aufgrund der zahlreichen Streiks der Vereinigung Cockpit wiederholt enttäuschen mussten“, sagte Konzernpersonalchefin Bettina Volkens.

Anfang des Monats hatte die Gewerkschaft noch den Druck erhöht: In einer Urabstimmung sprachen sich gut 90 Prozent der Mitglieder prinzipiell für Streiks aus. Allerdings war die Beteiligung mit gut 50 Prozent relativ niedrig. Ufo vertritt bei der Kranich-Fluglinie 18.000 Stewards und Stewardessen.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Ufo verhandelt seit April 2014 mit der Lufthansa über eine ganze Reihe von Themen, die unter dem Stichwort „Agenda Kabine“ zusammengefasst sind. Neben der Forderung von acht Prozent mehr Lohn für die kommenden zwei Jahre ist vor allem die Übergangsversorgung umstritten. Die Verhandlungen darüber sind geplatzt, allerdings haben beide Seiten ein Schlichtung vereinbart. In einigen wichtigen Punkten haben die beiden Seiten nun vereinbart, weiter zu verhandeln. Dabei geht es etwa um neue Arbeitszeitmodelle oder Wechselmöglichkeiten für Flugbegleiter von der Lufthansa-Billigtochter Germanwings zur Mutter-Airline selbst.

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft stemmt sich ebenso wie die Piloten prinzipiell gegen den Sparkurs der größten deutschen Airline, ist dabei aber im Vergleich zu den Cockpit-Angestellten viel kompromissbereiter. So gab Ufo einem neuen Lufthansa-Langstreckenkonzept für touristische Ziele den Segen.

Von

rtr

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