Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.07.2015

19:03 Uhr

Lufthansa

Germanwings-Chef Winkelmann wechselt zur Muttergesellschaft

Der Chef der vor der Abwicklung stehenden Lufthansa-Marke Germanwings, Thomas Winkelmann, wechselt in den Vorstand der Kerngesellschaft Lufthansa Passage. Auch ein weiterer Neuzugang für den Vorstand steht schon fest.

Der Chef der Lufthansa-Tochter Germanwings, Thomas Winkelmann, wechselt in den Vorstand der Muttergesellschaft. Reuters

Vor Germanwings-Abwicklung

Der Chef der Lufthansa-Tochter Germanwings, Thomas Winkelmann, wechselt in den Vorstand der Muttergesellschaft.

Frankfurt/KölnKurz vor der Abwicklung der Marke Germanwings wechselt der Chef der Fluggesellschaft zum Mutterkonzern Lufthansa. Der 55 Jahre alte Thomas Winkelmann wird ab November im Vorstand der Kerngesellschaft Lufthansa Passage das Ressort Finanzen/Controlling sowie die Verantwortung für das Drehkreuz München übernehmen, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Winkelmann folgt Thomas Klühr, der einen anderen Vorstandsposten in der Lufthansa-Gruppe übernehme.

Nach Plänen des Vorstands soll die Kölner Fluggesellschaft Germanwings in den kommenden Jahren schrumpfen und die Marke in der Lufthansa-Billig-Plattform Eurowings aufgehen. Mit dem Absturz einer Germanwings-Maschine im März mit 150 Toten hat der bereits zuvor beschlossene Umbau aber nichts zu tun.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

In den Passage-Vorstand wird zudem Klaus Froese geholt, der zuletzt den Flugbetrieb der österreichischen Tochter AUA verantwortet hatte. Das soll er nun bei der ungleich größeren Lufthansa ebenfalls tun und zudem das Heimatdrehkreuz Frankfurt/Main leiten. Froese wird zum 1. September Nachfolger von Kay Kratky, der bereits vor einigen Wochen an die Spitze der AUA berufen worden war.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×