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02.09.2015

11:40 Uhr

Lufthansa

Gespräche gescheitert, Piloten drohen mit Streik

Bis Ende des Monats wollten die Lufthansa und ihre Piloten über ein Ende des Tarifstreits verhandeln. Jetzt enden die Gespräche abrupt. Es gehe dem Management um „Tarifflucht und Auslagerung“, schimpft die Gewerkschaft.

Die Airline hat ein Angebot der Vereinigung Cockpit (VC) offenbar abgelehnt. dpa

Lufthansa-Pilot

Die Airline hat ein Angebot der Vereinigung Cockpit (VC) offenbar abgelehnt.

FrankfurtNach dem Aus der Tarifverhandlungen der Lufthansa mit ihren Piloten müssen sich Reisende zum Ferienende auf Streiks einstellen. Der Lufthansa-Vorstand habe am Dienstag ein Angebot der Pilotengewerkschaft zu einem „Bündnis für Wachstum und Beschäftigung“ abgelehnt, teilte die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit am Mittwoch mit. „Ab sofort muss bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings jederzeit mit Arbeitskampfmaßnahmen gerechnet werden“, sagte VC-Sprecher Markus Wahl. Die Piloten legten die Fluggesellschaft seit Frühjahr 2014 bereits zwölf Mal lahm.

Die Lufthansa äußerte sich enttäuscht. „Wir bedauern, dass die Vereinigung Cockpit das Scheitern der Verhandlungen erklärt hat und hoffen, die Gespräche wieder aufnehmen zu können“, sagte ein Konzernsprecher. Zudem sei es falsch, dass die Lufthansa das Angebot abgelehnt habe.

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In dem Tarifkonflikt geht es um die betriebsinterne Frührente für 5400 Piloten und die Konzernstrategie. Die Pilotengewerkschaft hatte der Lufthansa nach eigenen Angaben ein Angebot unterbreitet, das eine nachhaltige Kostenentlastung von über 500 Millionen Euro enthielt. Zugleich machte die Gewerkschaft gegen Pläne der Konzernspitze mobil, wonach Piloten der Lufthansa-Billigtochter Eurowings künftig geringer bezahlt werden sollen als Flugzeugführer der Kernmarke.

Die Tarifbaustellen der Lufthansa

Es ist kompliziert

Die Lufthansa führt mit mehreren Gewerkschaften getrennte Tarifverhandlungen für unterschiedliche Berufsgruppen. Das komplizierteste Thema sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Piloten

Im Tarifstreit der rund 5400 Piloten im Lufthansa-Konzerntarifvertrag (KTV) geht es nicht nur um Gehalt oder Betriebsrenten, wenn letztere auch der offizielle Anlass für bislang 13 Streikrunden waren. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) will den ungebremsten Ausbau der Lufthansa-Billigschiene „Eurowings“ verhindern, unter deren Dach etliche Fluggesellschaften mit weit geringer bezahlten Piloten agieren können.

Bodenpersonal

Die Gewerkschaft Verdi hatte zum Verhandlungsauftakt für rund 33.000 Bodenbeschäftigte der Lufthansa versucht, das Rententhema herauszuhalten. Nach vier Runden will die Airline aber immer noch die Gehaltsverhandlungen mit der Frage künftiger Betriebsrenten verknüpfen. Die Parteien haben sich bis Ende September vertagt und wollen die Rentenfrage in Arbeitsgruppen besprechen. Von Streiks war noch nicht die Rede.

Flugbegleiter

Die Kabinengewerkschaft Ufo war nach der gescheiterten Schlichtung zu den Rentenfragen schon bereit zu einem Streik, der Ende Juni erst in letzter Minute abgesagt wurde. Lufthansa hatte ihr Angebot zur Neuregelung der Betriebsrenten von rund 19.000 Flugbegleitern der Kernmarke Lufthansa aufgestockt. Anders als Cockpit ist Ufo zu einem Systemwechsel bei den Renten bereit und lehnt auch den geplanten Unternehmensumbau nicht kategorisch ab. Für die Gespräche hat man sich bis zum 1. November Zeit genommen.

Quelle: dpa

„Ausflaggen ist das genaue Gegenteil eines Bündnisses für Wachstum und Beschäftigung“, sagte Wahl. „Wenn ein solches Paket von über einer halben Milliarde Euro abgelehnt wird, zeigt sich, dass es Lufthansa nicht um marktgerechte Bedingungen, sondern um Tarifflucht und Auslagerung von Arbeitsplätzen geht.“

Lufthansa-Chef Carsten Spohr verteidigte den Kurs der Fluggesellschaft. „Ich hoffe, dass es zu keinen weiteren Streiks kommt. Aber wenn es notwendig ist, um die Zukunftsfähigkeit der Lufthansa herzustellen, ist das ein Preis, den wir bezahlen müssen“, sagte Spohr am Mittwoch in Wien.

Von

rtr

Kommentare (6)

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Herr Jürgen Dannenberg

02.09.2015, 10:46 Uhr

Dann sollen sie sich eben in Grund und Boden streiken. Es würde nach ihnen kein Hahn krähen.
Andere, Bessere würden sehr sehr schnell ihren Platz ausfüllen.

Herr Ingo Tietz

02.09.2015, 10:52 Uhr

Liebe Piloten/innen, jetzt passiert genau dass, was viele Spitzenverdiener nie ernsthaft für möglich hielten, es geht an ihre Privilegien und ihren eigenen Geldbeutel. Selbst hoher Ausbildungsstand schützt nicht länger vor Gehaltseinbußen und möglichen Jobverlusten. Ich will hier den Pilotenberuf in keinster Weise abwerten, aber es ist ein höherqualifizierter Ausbildungsberuf, der kein Studium voraussetzt. Viele Piloten/innen sind keine Akademiker, sondern haben die Berufsausbildung zum „Verkehrsflugzeugführer“ erfolgreich abgeschlossen. Sie haben einen Beruf erlernt, der intellektuell, gesundheitlich, physisch und psychisch höhere Anforderungen stellt, als dies in anderen Ausbildungsberufen der Fall ist, das steht vollkommen außer Frage. Nur wie rechtfertigt man die eigenen Vorstellungen und Wünsche gegenüber seinem Arbeitgeber, der dem Konkurrenzdruck des globalen Luftverkehrsmarktes ausgesetzt ist. Ihr unterliegt schließlich in einer globalsierten Welt mit freien Märkten genauso dem Kostendruck bei den Preisen. Ihr Piloten habt im Gegensatz zur Allgemeinbevölkerung großes Druckpotenzial gegenüber eurem Arbeitgeber (DLH), denn wenn ihr streikt, bleiben die Flieger am Boden stehen. Hinzu kommt, dass ihr euren Beruf freiwillig ausgewählt habt, ging es euch dabei wirklich nur um's reine Geldverdienen, um Prestige und soziales und gesellschaftliches Ansehen oder nicht eher um's Fliegen. Natürlich verstehe ich euch, dass ihr für eure Privilegien gewerkschaftlich kämpft, aber letztlich werdet ihr bedauerlicherweise verlieren. Genau wie die 'zig Millionen anderer deutscher Arbeitnehmer in anderen Berufen auch, denen diese Entwicklung mit der Agenda 2010 und der Deregulierung des Arbeitsmarktes politisch aufgezwungen wurde. Der Kelch wird nun weitergereicht und trifft jetzt die Besser- und Bestverdiener. Ich weiß nicht, wohin diese Entwicklung führen wird, wahrscheinlich schaffen wir uns über kurz oder lang durch Automatisierung komplett ab.

Herr Ingo Tietz

02.09.2015, 11:10 Uhr

Hallo Jürgen, ist dummes Zeug, was Sie hier schreiben. Piloten/innen kann man nicht einfach so auf die schnelle ersetzen und austauschen, wie stellen Sie sich das vor? Die Ausbildung ist hart und mühsam, kostet eine Menge eigenes Geld und stellt hohe Anforderungen in Bezug auf die psychische und körperliche Belastung. In vier Dimensionen sicher unterwegs zu sein, ist eben was völlig anderes, als hier unten. Piloten/innen werden auch nicht dafür bezahlt, das sie das Knöpfchen des Autopiloten drücken und sich dann bequem zurücklehnen, sondern für die Notfälle, wenn es darauf ankommt, die millionen € teure Maschine und das Leben der Passagiere zu retten. Genau deshalb sitzen da vorne zwei gut ausgebildete und Notfall simulatortrainierte Menschen. Wenn es drauf ankommt, müssen die Piloten/innen dieses Wissen unter großer Stressbelastung sofort abrufen können, dazu noch Multitasking fähig sein. Das kann nicht jeder. Ich habe dies selbst mal in einem B737 Fullflight Simulator erlebt. Da herrscht Chaos, da muss alles ganz fix gehen, da gibt es keinerlei Fehlertoleranz, ansonsten war es dass nämlich und alle sind mausetot. Also überdenken Sie nochmals ihre Aussage, sie liegen voll daneben!

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