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29.04.2015

13:26 Uhr

Lufthansa-Hauptversammlung

„Eine Airline kann man nicht anhalten“

VonJens Koenen

Die Lufthansa-Hauptversammlung in Hamburg ist kein normales Aktionärstreffen. Die Germanwings-Katastrophe lastet auf dem Unternehmen – aber eint es auch. Vorstandschef Spohr geht einen großen Schritt auf die Piloten zu.

Lufthansa-Hauptversammlung

Lufthansa-Chef: „Der Schock sitzt immer noch tief“

Lufthansa-Hauptversammlung: Lufthansa-Chef: „Der Schock sitzt immer noch tief“

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HamburgSchon vor dem Congress Centrum in Hamburg merkt man: Dies ist kein normales Aktionärstreffen. Die Flaggen an den Masten sind seltsam farblos, grau dominiert, das sonst prägende Lufthansa-Gelb fehlt. Zwei Streifen Trauerflor flattern an jedem Mast über den Fahnen. Der tragische Absturz von Germanwings-Flug 4U9525, er ist auch hier in Hamburg präsent.

Kommentar zur Lufthansa: Zu viele Baustellen für Carsten Spohr

Kommentar zur Lufthansa

Zu viele Baustellen für Carsten Spohr

Lufthansa-Chef Carsten Spohr will die Germanwings-Katastrophe für einen Neustart bei dem Konzern nutzen. Doch sein Konzept verfängt bei den Aktionären nicht so richtig. Ein Kommentar.

Drinnen, im Foyer, ist eine Gedenkecke aufgebaut. 150 weiße Elektro-Kerzen flackern vor einer schwarzen Wand. „Ich bete für die Menschen, die auf diese Art und Weise ihr Leben verlieren mussten“, hat ein Aktionär in das davor liegende Kondolenzbuch eingetragen.

Noch bevor das Aktionärstreffen pünktlich um zehn Uhr beginnt, ruft Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber zu einer Schweigeminute auf: „Niemand auf Erden ist in der Lage, das unsagbare Leid wieder gutzumachen.“ Auch als Lufthansa-Chef Carsten Spohr ans Mikrofon tritt, ist seine Betroffenheit für jeden spür- und sichtbar: „Der Gedanke an dieses Unglück löst immer noch Fassungslosigkeit, Entsetzen und Trauer aus. Verstehen können wir es bis heute nicht.“

Doch bei aller Betroffenheit, die Baustellen von Europas größter Fluggesellschaft können nicht warten. Lufthansa-Chef Spohr weiß das: „Einen Aviation-Konzern, eine Airline, kann man nicht anhalten. Wir müssen und werden weitermachen“, verspricht er. Und setzt seine Worte umgehend in Worte um. „Wir haben heute Morgen der Vereinigung Cockpit eine Gesamtschlichtung zu allen offenen Tarifverträgen angeboten.“

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Damit können Management und Pilotengewerkschaft künftig gleichzeitig etwa über die Altersvorsorge und die Pläne für die Billig-Plattform Eurowings sprechen. Die Vereinigung Cockpit hatte genau das in den vergangenen Wochen wieder und wieder gefordert. Die Lufthansa-Spitze hatte das aber abgelehnt, unter anderem mit dem Verweis, dass die Themen nichts miteinander zu tun hätten.

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