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29.04.2014

15:15 Uhr

Lufthansa-Hauptversammlung

Spohr muss „die Zitrone ausquetschen“

VonTobias Döring

Auf der Hauptversammlung verabschiedet sich Christoph Franz von der Lufthansa. Nachfolger Spohr übernimmt und wird von den Aktionären freundlich empfangen. Doch er steht vor schwierigen Entscheidungen.

Der alte und der neue Chef: Christoph Franz (r.) verlässt die Lufthansa AG, Carsten Spohr übernimmt den Posten an der Spitze. dpa

Der alte und der neue Chef: Christoph Franz (r.) verlässt die Lufthansa AG, Carsten Spohr übernimmt den Posten an der Spitze.

HamburgSein großer Tag steht noch bevor. Carsten Spohr tritt sein neues Amt als Vorstandschef der Lufthansa erst übermorgen am 1. Mai an. Auf der Hauptversammlung in Hamburg hat am Dienstag deshalb der Mann seinen letzten Auftritt, den es in die Schweiz zieht: Christoph Franz. Er übergibt Spohr den Staffelstab – und damit einige ungelöste strategische Probleme.

Die europäischen Billigflieger wie Ryanair und Easyjet bleiben stark und werben neuerdings auch um Geschäftsleute, dazu greifen die drei finanzstarken Golf-Airlines Emirates, Etihad und Qatar Airways weiter unvermindert auf der Langstrecke mit Top-Produkten an. Auf diese drängenden Herausforderungen muss Spohr Antworten finden.

In den vergangenen Jahren saß der Pilot und Manager aus Wanne-Eickel auf dem Podium stets nahe bei Franz. Als Vorstand des Lufthansa-Passagiergeschäfts war er dessen wichtigster Begleiter beim Umbau von Deutschlands größter Fluggesellschaft. Jetzt wechselt Franz als Verwaltungsratschef zum Pharmariesen Roche – und Spohr führt das Werk weiter.

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger gilt Spohr als Lufthanseat durch und durch. Der 47-Jährige hat Stallgeruch und ist seit 20 Jahren im Unternehmen. Das kommt bei den Aktionären der Airline gut an: Spohr erhält im Hamburger Congress Centrum den ersten Applaus des Tages, als Chefaufseher Wolfgang Mayrhuber auf den Wechsel an der Konzernspitze zu sprechen kommt. Selbst redet Spohr auf der Hauptversammlung nicht, einen Ausblick bleibt er schuldig. „Mir fehlt die pragmatische Antrittsrede“, bemängelt nicht nur Roland Klose von der Aktionärsvereinigung DSW.

Carsten Spohr: Pilot und Lufthansa-Kenner

Charismatisch, flugbegeistert und erfahren: Mit Carsten Spohr hat sich die Lufthansa für einen Favoriten auf den Chefposen entschieden. Seine steile Karriere bei der Airline findet so ihre Krönung.

Pilot aus dem Ruhrgebiet

Carsten Spohr wurde 1966 in Wanne-Eickel im nördlichen Ruhrgebiet geboren. Nach seinem Studium zum Wirtschaftsingenieur an der Universität Karlsruhe erwarb er die Verkehrspiloten-Lizenz an der Fliegerschule der Lufthansa. Danach absolvierte er das Trainee-Programm bei der Deutschen Aerospace AG.

Steile Karriere bei Lufthansa

Mit 27 Jahren kehrte Spohr zu der Airline zurück und schlug dort eine steile Karriere ein: Zunächst übernahm er die Leitung des zentralen Personalmarketings, später arbeitete er sich über verschiedene Funktionen zur Koordination der Regionaltöchter und dem Airline-Bündnis Star Alliance in die Spitze der Kerngesellschaft Lufthansa Passage empor. Zeitweise war er Assistent von Lufthansa-Legende Jürgen Weber.

Blendende Ergebnisse

Als Chef der Frachttochter Lufthansa Cargo lieferte Spohr bis zur Finanzkrise blendende Ergebnisse und zog schließlich 2011 gemeinsam mit dem scheidenden Lufthansa-Chef Christoph Franz in den Konzernvorstand ein. Gemeinsam setzten sie das harte Sparprogramm „Score“ durch.

Endlich Lufthansa-Chef

Anfang Februar 2014 hat die lange Suche nach einem Nachfolger für Christoph Franz ein Ende: Lufthansa will Carsten Spohr zum neuen Vorstandschef machen. Der 47-Jährige galt im Vorfeld schon als Favorit.

Charismatischer Flieger

Auch wenn seine Beliebtheit in der Belegschaft während der Sanierung abgenommen haben dürfte, gilt der begeisterte Flieger Spohr als charismatischer Gegenpol zu Franz. Dessen kühle, analytische Art verprellte viele Lufthanseaten. Spohr ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Dabei ist schon jetzt klar, was ansteht: Es wird weitergehen wie bisher. „Herr Spohr, Sie sind jetzt Herr Score“, sagt ein Aktionärsvertreter. Das Sparprogramm „Score“ hat die vergangenen Jahre geprägt, davon kann bisher insbesondere die Belegschaft ein Lied singen. Franz und Spohr haben der Lufthansa mit ihren 118.000 Mitarbeitern den größten Umbau der Geschichte verordnet. 3500 Stellen werden im Rahmen von „Score“ abgebaut, das verbleibende Personal muss viele Einschnitte hinnehmen. Im kommenden Jahr soll die Ernte eingefahren werden: Das operative Ergebnis soll auf 2,65 Milliarden Euro steigen.

Dazu muss das wichtigste Projekt, die „neue Germanwings“, reibungslos funktionieren und die geforderten Ergebnisse liefern. Der Europaverkehr abseits der Drehkreuze Frankfurt und München wird Stück für Stück auf die Billigtochter übertragen. „Die Trendwende ist da“, sagte Franz am Dienstag mit Blick auf die Restrukturierung des Konzerns. Doch alles in allem wird es ein schwieriges Unterfangen: 2013 lag der operative Gewinn der Lufthansa bei knapp 700 Millionen Euro, in diesem Jahr werden 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro angepeilt – eine Verdopplung.

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