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19.01.2016

17:00 Uhr

Lufthansa im Tarifstreit

Schlichtungsversuch mit Flugbegleitern gestartet

4700 Flüge fielen während des größten Streiks der Lufthansa-Geschichte im November aus. Nun wollen Flugbegleiter und Konzern ihren Tarifstreit schlichten lassen. Doch die Frage um Betriebsrenten bleibt außen vor.

Der SPD-Politiker Matthias Platzeck hat bereits Erfahrung in der Schlichtung: Erst im vergangenen Jahr schlichtete er den Tarifstreit zwischen der Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL. AFP

Erfahrener Schlichter

Der SPD-Politiker Matthias Platzeck hat bereits Erfahrung in der Schlichtung: Erst im vergangenen Jahr schlichtete er den Tarifstreit zwischen der Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL.

FrankfurtIm festgefahrenen Tarifkonflikt zwischen der Lufthansa und ihren Flugbegleitern läuft der nächste Schlichtungsversuch. Unter Leitung des SPD-Politikers Matthias Platzeck kamen am Dienstag Vertreter des Unternehmens und der Gewerkschaft Ufo zu mehrtägigen Gesprächen zusammen, wie beide Seiten auf Nachfrage bestätigten. Der Ort der Zusammenkunft wurde ebenso geheim gehalten wie Einzelheiten der Tagesordnung.

Nach dpa-Informationen wird es zunächst um die genauen Spielregeln gehen, also um die Erarbeitung der sogenannten Schlichtungsvereinbarung. Hier wird unter anderem eine Friedenspflicht festgehalten und ein Verfahren, wie die Schlichtung auch einseitig beendet werden könnte. Platzeck hat gemeinsam mit dem Linken-Politiker Bodo Ramelow bereits bei der Deutschen Bahn einen Tarifkonflikt erfolgreich entschärft.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Die umstrittenen Betriebs- und Frührenten für rund 19.000 Lufthansa-Flugbegleiter sind offiziell von dem Verfahren ausgenommen, weil in dieser Frage bereit im Sommer 2015 eine Schlichtung gescheitert war. Eine Einigung in diesem zentralen Punkt soll daher in parallelen Verhandlungen erreicht werden. Eckpunkte müssten bereits zum Auftakt der Schlichtung feststehen, hatte die Gewerkschaft im Vorfeld deutlich gemacht. In der Schlichtung soll es dann vor allem um Fragen der Arbeitsorganisation gehen.

Der Tarifkonflikt war im November 2015 eskaliert, als Ufo den bislang härtesten und längsten Streik in der Geschichte der Lufthansa organisierte. Wegen des Ausstands über sieben Tage waren 4700 Flüge ausgefallen, auf denen rund 550.000 Passagiere gebucht waren. Zuvor hatten die Piloten der Lufthansa in bislang 13 Runden seit April 2014 die Arbeit niedergelegt. Ihre Gewerkschaft Vereinigung Cockpit verhandelt derzeit wieder mit der Lufthansa.

Von

dpa

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