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07.03.2004

16:02 Uhr

Lufthansa-Kernmarkt im Visier

Air Berlin plant Börsengang

Die vor allem mit Billigflügen erfolgreiche Fluggesellschaft Air Berlin will sich über die Börse das Kapital für den Kauf von bis zu 70 neuen Flugzeugen verschaffen. Air Berlin-Geschäftsführer Joachim Hunold kündigte in einem am Wochenende vorab veröffentlichten Gespräch mit dem Magazin „Focus“ an, der Börsengang sei in den nächsten zwölf bis 15 Monaten vorgesehen.

HB HANNOVER. Zudem erklärte der Unternehmenschef, künftig dem Marktführer Lufthansa stärker direkt Konkurrenz zu machen. Air Berlin war in den vergangenen zwei Jahren mit preiswerten Flügen stark gewachsen und mit 9,6 Millionen Passagieren im vorigen Jahr zur Nummer zwei hinter Marktführer Lufthansa aufgerückt.

Schon seit mehr als einem Jahr bestehen bei Air Berlin Expansionspläne. Diese wurden allerdings wegen der unsicheren Marktentwicklung und der offenen Finanzierungsfrage bislang wiederholt aufgeschoben. Laut „Focus“ plant Hunold nun den Kauf von 70 neuen Flugzeugen binnen fünf Jahren. Diese sollen die derzeit 44 Maschinen starke Flugzeugflotte von Air Berlin ersetzen und vergrößern.

Das Investitionsvolumen bezifferte der Unternehmenschef mit vier Milliarden Dollar. Kürzlich hatte Air Berlin angekündigt, es würden mehrere Angebote eingeholt. Hunold bekräftigte, ein Wechsel von Boeing zum europäischen Flugzeughersteller Airbus sei vorstellbar.

Für weitere Erläuterungen zu den Börsenplänen war die Fluggesellschaft am Wochenende nicht zu erreichen. Nach Angaben aus Branchenkreisen lässt Air Berlin diese bereits seit einiger Zeit prüfen.

Das seit 1979 bestehende und in den vergangenen Jahren stark gewachsene Unternehmen mit 2.100 Mitarbeitern gehört derzeit fünf privaten Gesellschaftern, darunter auch Unternehmenschef Hunold mit neun Prozent. Die Gesellschafter könnten den Kauf der neuen Flugzeuge nicht finanzieren, hieß es in Branchenkreisen. Wegen der insgesamt schwachen Kapitalbasis und der in Luftfahrt und Touristik unter Druck geratenen Ergebnisse sei für eine weitere Expansion der Börsengang nötig.

Der Umsatz bei Air Berlin stieg im vorigen Jahr bei gut 40 Prozent Passagierzuwachs um knapp 30 Prozent auf 894 Millionen Euro. Allerdings wurde das Ergebnis durch die schwache Auslastung im Ferienfluggeschäft belastet. Konkretere Angaben werden am Freitag auf einer Pressekonferenz zum Beginn der Internationalen Tourimus-Börse (ITB) in Berlin erwartet.

Air Berlin fliegt sowohl Pauschalurlauber für zahlreiche deutsche Reiseveranstalter, darunter auch alle großen Touristikanbieter wie Tui, Thomas Cook, Rewe Touristik und Alltours. Daneben bietet Air Berlin preiswerte Linienflüge von 16 deutschen Flughäfen in zahlreiche europäische Städte und zur Baleareninsel Mallorca, die die Fluggesellschaft als Drehkreuz für Weiterflüge zu anderen spanischen Zielen nutzt.

Allerdings gerät Air Berlin derzeit auf den Verbindungen nach Mallorca durch massive Konkurrenz unter Druck. Sowohl Billigfluggesellschaften wie Germanwings, Hapag-Lloyd-Express und in Kürze besonders die britische Easyjet, als auch die Lufthansa bieten preiswerte Mallorca-Flüge aus Deutschland an. Deshalb werde Air Berlin jetzt umgekehrt auch das Lufthansa-Kerngeschäft (Linienflüge für Geschäftsreisende) ins Auge fassen, zitiert „Focus“ Unternehmenschef Hunold.

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