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16.09.2015

15:21 Uhr

Lufthansa-Konzernumbau abgesegnet

Piloten, hört die Signale!

Die vom Aufsichtsrat am Mittwoch verabschiedete neue Struktur von Lufthansa ist richtig, findet Jens Koenen. Die Linie von Lufthansa-Chef Carsten Spohr wird damit klarer. Ein Kommentar.

Grünes Licht vom Aufsichtsrat. Reuters

Lufthansa-Chef Spohr

Grünes Licht vom Aufsichtsrat.

Die nach Umsatz und Passagieren größte Fluggesellschaft Europas ruht künftig auf drei Säulen: Die neue Struktur der Lufthansa, entworfen zusammen mit externen Beratern und am Mittwoch vom Aufsichtsrat verabschiedet, ist mehr als nur eine interne Reform. Sie ist auch ein wichtiges Signal – und das in gleich mehrere Richtungen.

An die eigenen Mitarbeiter gerichtet ist es die klare Botschaft: Die Billigplattform Eurowings kommt, auch wenn sicherlich nicht jeder der fast 120.000 Lufthanseaten die Idee gut findet. Vor allem die Piloten der Lufthansa-Kernmarke sollten sich angesprochen fühlen. Man darf den Beschluss des Kontrollgremiums getrost als eine Art letzten Aufruf an die Flugzeugführer von Lufthansa Classic verstehen, die neue Billig-Airline endlich zu akzeptieren, wenn möglich sogar wohlwollend zu begleiten.

Jens Koenen ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte Pablo Castagnola

Der Autor

Jens Koenen ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte

Sie ist jetzt eine Säule gleichberechtigt neben der traditionellen Lufthansa. Und diese Säule wird schnell wachsen. Ob sie eines Tages sogar größer und wichtiger sein wird als die traditionelle Lufthansa, haben nicht zuletzt die Piloten in der Hand, indem sie endlich bereit sind, ihren Teil zu einer effizienteren und kostengünstigeren Lufthansa beizutragen.

An die Investoren ist die neue Struktur wiederum die wichtige Nachricht: Wir glauben an unser Kerngeschäft Fliegen. Immer wieder waren in der Vergangenheit Stimmen unter den Aktionären laut geworden, die eine Abspaltung der Service-Sparten wie LSG Sky-Chef oder der Wartungstochter Lufthansa Technik vom Flugbetrieb forderten. Die simple Logik dahinter: Die Service-Einheiten erzielen in der Regel eine deutlich höhere Marge als das reine Fluggeschäft.

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Lufthansa wird aber an der Börse vor allem mit Blick auf die Mager-Margen der Airline bewertet. Der Konzern kommt bezogen auf diese für die 2015 erwarteten Gewinne auf ein erschreckend niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,7. Rivale Ryanair schafft dagegen 17,5.Doch am Mittwoch stellten Vorstand und Aufsichtsrat noch einmal klar: Eine Aufteilung ist kein Thema. Man ist überzeugt davon, dass auch mit dem Fliegen eine für Investoren attraktive Marge möglich sein wird.

Zu guter Letzt ist die neue Struktur auch ein Signal an die Kunden. Sicher, es ist keineswegs ausgemacht, dass Eurowings ein Erfolg werden wird. Dennoch: Mit der neuen Struktur wird deutlich, dass Lufthansa bei der Idee, einen eigenen Billigflieger auf die Beine zu stellen, nicht kleckern will sondern klotzen. Und das ist richtig so. Viel zu lange zauderte man bei diesem Thema, über Jahre wurde die bisherige Billigtochter Germanwings kleingehalten. Doch gegen Ryanair und Easyjet kann nur bestehen, wer mit der richtigen Größe kontert.

Natürlich ist es gerade für Vielflieger, die nicht an beiden Hauptdrehkreuzen Frankfurt und München starten, eine gewaltige Umstellung, wenn sie nur noch Germanwings- oder  künftig Eurowings fliegen können. Doch die Alternative ist eine Lufthansa, die ihre Premium-Verkehre nicht mehr auf Dauer finanzieren kann und sich erst gesund und dann am Ende zu Tode schrumpft. Das darf nicht passieren.

Kommentare (2)

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Herr Teito Klein

16.09.2015, 19:10 Uhr

Wer streikt der fliegt
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Und zwar nicht im Pilotensitz der Lufthansa sondern raus!
Die Zwergengewerkschaft VC hatte inerhalb eines Jahres den Luftverkehr Deutschlands 13 mal lahmgelegt. Das freute die ausländische Mitbewerben (Emirates, Singapur-Airlines, etc.) natürlich.
Aber sie wollen ja uch nicht arbeiten sondern gleich in Rente gehen. Und die Lufthansa soll zahlen!

Herr Heiner Holzhueter

16.09.2015, 20:20 Uhr

Ach Herr Klein. Wäre doch ihr Name nicht Programm für Ihren Geist. Ihr Kommentar hätte bestimmt sinnvolles zur Diskussion beigetragen. So dagegen bleibt er ein Manifest der Biertischparolen-Kommentatoren über die wir uns dank des Internets so oft freuen dürfen. Aber auch wenn Sie "Mitbewerber" noch nicht so recht schreiben können, wissen Sie schon genau Bescheid wer von welchem Streik profitiert. Und wer darunter leidet. Nur das es vielleicht eines Tages SIE sind, die für das Streikrecht dankbar die Hände zum Himmel recken, dafür reicht die Weitsicht leider nicht.

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