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19.11.2015

15:26 Uhr

Lufthansa lädt Gewerkschaften ein

„Job-Gipfel“ statt Streiks

Die Lufthansa hat sich in ihren Verhandlungen mit drei Gewerkschaften festgefahren. Nach 14 Streiks der Piloten und der Flugbegleiter versucht das Management nun, die Beteiligten an einen Tisch zu holen.

Das Unternehmen setzt auf Dialog statt Konfrontation. dpa

Lufthansa

Das Unternehmen setzt auf Dialog statt Konfrontation.

FrankfurtNach dem heftigsten Streik in ihrer Geschichte versucht die Lufthansa, mit ihren Gewerkschaften wieder ins Gespräch zu kommen. Der Unternehmensvorstand hat die Gewerkschaften Verdi, Ufo und Vereinigung Cockpit zu einem „Job-Gipfel“ eingeladen, bei dem es um die Themen Versorgung, Arbeitsplatzperspektiven und Arbeitsplatzsicherheit gehen soll. Das Gespräch mit dem gesamten Vorstand könne im Anschluss an die Aufsichtsratssitzung vom 2. Dezember stattfinden, erklärte das Unternehmen am Donnerstag.

Die Reaktion der Gewerkschaften fiel unterschiedlich aus. UFO und die Pilotengewerkschaft VC monierten, dass sie zunächst über die Presse von dem Vorschlag gehört hätten. „Wenn uns etwas vorliegt, werden wir darüber entscheiden“, sagte ein VC-Sprecher.

Man müsse umfassend über sämtliche Probleme des Unternehmens sprechen, meinte UFO-Chef Nicoley Baublies, der in der vergangenen Woche den siebentägigen Streik der Flugbegleiter angeführt hatte. Der Vorstand sei gerade dabei, den Konzern und die Unternehmenskultur zu zerstören. Eine eingeengte Tagesordnung lasse er sich daher nicht vorschreiben. „Wir lassen uns nicht auf bestimmte Themen vorfestlegen.“ Denn das hieße, dass über den Rest nicht gesprochen werden könne.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Ein solches Zusammentreffen sei „längst überfällig“, erklärte hingegen Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. Die Vize-Vorsitzende des Lufthansa-Aufsichtsrates hatte einen Runden Tisch zur Frage der Betriebsrenten selbst ins Gespräch gebracht. Es müsse darum gehen, die Probleme der Lufthansa und deren Bedeutung für die Beschäftigten zu analysieren und gemeinsame Lösungen zu beraten. „In den letzten Jahren gab es einsame Unternehmensentscheidungen, dabei sind die Beschäftigten nicht mitgenommen worden. (...) Wer einen Konzernumbau initiiert, muss die Beschäftigten mitnehmen“, erklärte die Gewerkschafterin.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr treibt einen grundlegenden Umbau des Luftverkehrskonzerns voran, was unter anderem einen schnellen Ausbau der Billigplattform Eurowings beinhaltet. Sparen will er unter anderem bei den Beschäftigten der zuletzt schrumpfenden Kerngesellschaft Lufthansa. Der Konzern hat daher unter anderem die Tarifverträge zu den Betriebs- und Übergangsrenten gekündigt. In getrennten Verhandlungen zu den verschiedenen Berufsgruppen ist es mit keiner der drei Gewerkschaften bislang zu einem Abschluss gekommen. Stattdessen haben die Piloten bereits 13 Mal gestreikt und die Flugbegleiter eine ganze Woche lang.

Von

dpa

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