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16.03.2017

10:38 Uhr

Lufthansa mit Rekordgewinn und Sorgen

Dunkle Wolken am Luftfahrthimmel

VonJens Koenen

Trotz Terror und Pilotenstreiks: Carsten Spohr hat die Lufthansa im vergangenen Jahr zu einem Rekordgewinn geführt. Doch die Branche steht erneut vor schwierigen Zeiten. Zwei Themen bereiten den Airlines große Sorgen.

Konkurrenzkampf unter Airlines

Rekordumsatz mit Schönheitsfehlern – Das sind die Baustellen der Lufthansa

Konkurrenzkampf unter Airlines: Rekordumsatz mit Schönheitsfehlern – Das sind die Baustellen der Lufthansa

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Frankfurt/MünchenSo richtig wird Lufthansa-Chef Carsten Spohr den Durchbruch bei den Tarifgesprächen mit seinen Piloten wohl nicht genießen können. Denn das laufende Jahr dürfte eines der eher schwierigeren werden. Darauf deutet die Prognose hin, die die nach Umsatz größte europäische Fluggesellschaft am Donnerstagmorgen vorlegte. Danach soll das Betriebsergebnis 2017 leicht unter dem Wert von 2016 liegen, also weniger als 1,75 Milliarden Euro betragen.

Lufthansa ist die dritte der europäischen Airlines, die Zahlen vorlegt und einen Ausblick gibt. Zuvor hatten sich schon Air France-KLM und IAG (British Airways und Iberia) eher vorsichtig zum laufenden Jahr geäußert. So wagt Frederic Gagey, Finanzchef von Air France-KLM, derzeit überhaupt keine konkreten Angaben zum Gewinn. Dafür sei es einfach noch zu früh, erklärte er vor einigen Tagen. Immerhin sei der Jahresauftakt nicht so schlecht gewesen. Und auch IAG-Chef Willie Walsh zeigte sich jüngst bei der Vorlage der Bilanz 2016 hinsichtlich der Prognose recht zugeknöpft. Er stellte aber immerhin ein kleines Plus beim operativen Ergebnis in Aussicht.

Lufthansa und Piloten: Die Streikhansa ist gelandet

Lufthansa und Piloten

Die Streikhansa ist gelandet

Lufthansa-Management und Piloten haben im Tarifstreit eine Grundsatzeinigung erzielt. Für Konzernchef Spohr ist das der Durchbruch: Europas größte Fluggesellschaft wird ein großes Stück zukunftssicherer. Ein Kommentar.

Die Zurückhaltung der Airline-Chefs hat gute Gründe. Die liegen dieses Mal weniger in den externen Faktoren wie geopolitischen Krisen, Terrorismus und Epidemien, die die Luftfahrt traditionell stark beeinflussen. Aber 2017 spielen andere Gründe eine stärkere Rolle, die vor allem in der Branche selbst zu suchen sind: der immer härtere Wettkampf untereinander.

Alle drei Airlines gehen von weiter sinkenden Ticketpreisen aus. Ein Grund: Nach dem beschlossenen Austritt der Briten aus der EU weiß die Branche nach wie vor nicht genau, wie die Verkehrsrechte zwischen Großbritannien und der EU geregelt werden. Also sucht man beizeiten nach Alternativen im restlichen Europa. Die Folge: Es drängen immer mehr Kapazitäten in wichtige Märkte wie Deutschland oder Frankreich. So baut der irische Billig-Anbieter Ryanair sein Angebot in Deutschland massiv aus. Das wiederum drückt die Preise.

Was verdient ein Pilot?

Grundgehalt

Lufthansa-Piloten gehören zu den bestbezahlten Angestellten in Deutschland. Nach Unternehmensangaben steigen junge Flugoffiziere nach der zweijährigen, teils selbstbezahlten Flugschule mit einem Brutto-Grundgehalt von 55.500 Euro ein, das inklusive Zulagen für Schichtdienst und Flugstunden über das vereinbarte Maß hinaus ein realistisches Anfangsgehalt von rund 73.000 Euro ergibt.

Das „Senioritätsprinzip“

Nahezu jedes Jahr folgt nun nach dem „Senioritätsprinzip“ die nächste Gehaltsstufe. Nach derzeit 23 Schritten ist die oberste Kapitänsstufe mit einem Grundgehalt von 193.000 Euro erreicht, inklusive Zulagen können das pro Jahr mehr als 255.000 Euro brutto werden.

Im europäischen Vergleich

Ähnliche Gehälter werden bei europäischen Ex-Staatsfluglinien wie der Air France-KLM auch bezahlt. Etwas unter diesem Niveau liegen nach einer Aufstellung der Website Airliners.de die British Airways und Easjet, die von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) in der Vergangenheit schon als Messlatte für einen möglichen Low-Cost-Tarifvertrag im Lufthansa-Konzern genannt worden ist.

Zulagen-Modell

Das untere Marktende markieren kleinere Gesellschaften wie die Air-Berlin-Tochter Niki, bei der ein Kapitän laut dem Portal Pilotjobsnetwork bis zu 74.000 Euro im Jahr verdienen kann. Allerdings locken hier vergleichsweise hohe Zulagen für tatsächlich geleistete Flugstunden.

Vorwurf Sozialdumping

Der irische Billigflieger Ryanair wehrt sich gegen den Vorwurf des Sozialdumpings. Bei der Airline könnten Kapitäne bis zu 170.000 Euro verdienen, erklärte noch am Donnerstag ein Unternehmensvertreter. In Branchenvergleichen ist hingegen von 85.000 Euro Höchstgehalt und 25.000 Euro Einstiegssalär die Rede.

Die Fluggesellschaften senken zwar ihre Kosten massiv, aber Lufthansa-Chef Spohr geht davon aus, dass diese Maßnahmen nicht reichen werden, um den Preisverfall zu kompensieren. Zumal gleichzeitig auch die Kerosinpreise wieder steigen. Dennoch blickt der oberste Lufthanseat nicht mutlos in die Zukunft. „Wir fokussieren weiterhin auf Kostendisziplin, um Spielräume für profitables Wachstum zu gewinnen.“

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