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25.09.2015

18:09 Uhr

Lufthansa

Neue Gewerkschaft will für Bodenpersonal verhandeln

IGL – Industriegewerkschaft Luftverkehr. Unter diesem Namen tritt bei der Lufthansa in Zukunft eine neue Gewerkschaft an, die die Interessen des Bodenpersonals vertreten will. Der Blick geht klar Richtung Tarifeinheit.

Bei der Lufthansa hat sich eine neue Gewerkschaft gegründet. dpa

Industriegewerkschaft Luftverkehr

Bei der Lufthansa hat sich eine neue Gewerkschaft gegründet.

FrankfurtBei der Lufthansa tritt eine neue Gewerkschaft an, die zunächst vor allem Verdi Konkurrenz machen will. Vor wenigen Tagen habe das Registergericht die Gründung der Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL) bestätigt, erklärte der Chef der Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation (Ufo), Nicoley Baublies, am Freitag in Frankfurt. Es handele sich um eine Dachorganisation, der neben Ufo weitere, bislang noch nicht tariffähige Gewerkschaften aus dem Luftverkehrsbereich beigetreten seien. Zunächst hatte die „Rheinische Post“ (Freitag) über die Gründung berichtet.

Als ersten Schritt will die IGL die Lufthansa zu Tarifverhandlungen für alle Berufsgruppen außerhalb des reinen Flugbetriebs auffordern. Das rund 33.000 Köpfe zählende Bodenpersonal in den Technikeinheiten, den Großküchen oder an den Bodenstationen wird bislang von der DGB-Gewerkschaft Verdi tariflich vertreten. In den vergangenen Jahren haben sich kleinere Gruppen wie die Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr (AGiL) und die Technikgewerkschaft Luftfahrt (TGL) gegründet, die ebenfalls der IGL beigetreten sind.

Bei konkurrierenden Gewerkschaften innerhalb eines Betriebs könnte erstmals das neue Gesetz zur Tarifeinheit angewendet werden. Danach könnte nur die mitgliederstärkere Gewerkschaft einen Tarifvertrag verhandeln. „Wenn tatsächlich gezählt werden sollte, haben wir gute Karten“, erklärte Baublies.

Die Tarifbaustellen der Lufthansa

Es ist kompliziert

Die Lufthansa führt mit mehreren Gewerkschaften getrennte Tarifverhandlungen für unterschiedliche Berufsgruppen. Das komplizierteste Thema sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Piloten

Im Tarifstreit der rund 5400 Piloten im Lufthansa-Konzerntarifvertrag (KTV) geht es nicht nur um Gehalt oder Betriebsrenten, wenn letztere auch der offizielle Anlass für bislang 13 Streikrunden waren. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) will den ungebremsten Ausbau der Lufthansa-Billigschiene „Eurowings“ verhindern, unter deren Dach etliche Fluggesellschaften mit weit geringer bezahlten Piloten agieren können.

Bodenpersonal

Die Gewerkschaft Verdi hatte zum Verhandlungsauftakt für rund 33.000 Bodenbeschäftigte der Lufthansa versucht, das Rententhema herauszuhalten. Nach vier Runden will die Airline aber immer noch die Gehaltsverhandlungen mit der Frage künftiger Betriebsrenten verknüpfen. Die Parteien haben sich bis Ende September vertagt und wollen die Rentenfrage in Arbeitsgruppen besprechen. Von Streiks war noch nicht die Rede.

Flugbegleiter

Die Kabinengewerkschaft Ufo war nach der gescheiterten Schlichtung zu den Rentenfragen schon bereit zu einem Streik, der Ende Juni erst in letzter Minute abgesagt wurde. Lufthansa hatte ihr Angebot zur Neuregelung der Betriebsrenten von rund 19.000 Flugbegleitern der Kernmarke Lufthansa aufgestockt. Anders als Cockpit ist Ufo zu einem Systemwechsel bei den Renten bereit und lehnt auch den geplanten Unternehmensumbau nicht kategorisch ab. Für die Gespräche hat man sich bis zum 1. November Zeit genommen.

Quelle: dpa

Dem widerspricht Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle: „An dieser Stelle bin ich extrem gelassen. Verdi ist die mit Abstand größte Gewerkschaft bei der Lufthansa am Boden.“ Für eine Zusammenarbeit mit dem „nicht tariffähigen Konstrukt“ IGL bestehe für Verdi kein Anlass.

Für die rund 19.000 Flugbegleiter will die Ufo selbst weiterverhandeln und den besonders umstrittenen Piloten-Tarif zunächst weiterhin der Vereinigung Cockpit (VC) überlassen.

Von

dpa

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