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15.11.2016

04:41 Uhr

Lufthansa

Piloten drohen ab sofort mit Streiks

Lufthansa-Passagiere müssen ab sofort mit Streiks der Piloten rechnen. Den Zeitpunkt des Arbeitskampfes lässt die Gewerkschaft aber noch offen. Zumindest zu Weihnachten soll es keine Streiks geben.

Tarifstreit erneut entfacht

Lufthansa streikt wieder

Tarifstreit erneut entfacht: Vereinigung Cockpit: Lufthansa-Streiks ab sofort möglich

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FrankfurtNach der Streikankündigung bei der Lufthansa warten die Passagiere auf eine Bekanntgabe des genauen Termins für den 14. Ausstand im laufenden Tarifkonflikt. Bisher hat die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) lediglich mitgeteilt, sie werde den Streik 24 Stunden vorher ankündigen. Der Ausstand sei ab sofort möglich - mit Ausnahme von Heiligabend und den Weihnachtsfeiertagen.

Auch bei der Lufthansa-Billigtochter Eurowings drohen neue Streiks, wie der Tarifexperte der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies, dem „Tagesspiegel“ (Dienstag) sagte. In dieser Woche fänden allerdings noch Krisengespräche mit dem Mutterkonzern statt.

Lufthansa kritisierte, dass die Piloten nicht zu einer Schlichtung bereit seien. „Es ist absolut unverständlich, warum die VC Streiks androht, die erneut auf dem Rücken unserer Kunden ausgetragen werden, anstatt mit uns in eine Schlichtung zu gehen“, sagte Personalchefin Bettina Volkens einer Mitteilung zufolge. Der Konzern sei „auch zu Verhandlungen weiterer offener Tarifverträge bereit“.

Rechte von Fluggästen bei Streiks

Ansprechpartner/Informationsquellen

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Auch der jeweilige Flughafen bietet auf seiner Internetseite ausführliche Informationen über die aktuellen Abflug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Stornierung, Umbuchung, Umsteigen

Einen streikbedingt gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist – und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann. Bei langen Ausständen muss die Fluggesellschaft eine Ersatzbeförderung organisieren, zum Beispiel mit der Bahn oder Bussen.

Verspätung

Verspätet sich der Flug wegen des Streiks, stehen Betroffenen bestimmte Leistungen zu. Bei einer Flugstrecke bis 1500 Kilometer haben die Passagiere ab einer Verspätung von zwei Stunden Anspruch auf Leistungen wie Telefonate, Getränke und Mahlzeiten. Ist der Flug zwischen 1500 und 3500 Kilometer lang, greift die Vorschrift ab einer Verspätung von drei Stunden, bei Langstreckenflügen ab vier Stunden. Auch eine Übernachtung im Hotel muss ggf. bezahlt werden. Ist eine Verspätung absehbar, sollten Passagiere trotzdem zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein, da der Reisende sonst möglicherweise einen kurzfristig organisierten Ersatzflug verpasst.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro – aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks, wie zum Beispiel auch miserables Wetter, als außergewöhnlichen Umstand. Eine Entschädigung gibt es daher nicht.

Anlass für die Streikankündigung sind gescheiterte Verhandlungen zu den Gehältern der rund 5400 Kapitäne und Co-Piloten bei der Lufthansa-Kerngesellschaft, der Lufthansa Cargo und der Germanwings. Eine in letzter Sekunde von der Lufthansa angebotene Schlichtung lehnte die VC ab. Seit April 2014 hat die Gewerkschaft bereits 13 Streiks bei der Lufthansa veranstaltet.

Die Germanwings soll aktuell nicht bestreikt werden, weil man dort schnell in Verhandlungen zur Übergangsversorgung einsteigen wolle. Anders als bei der Lufthansa könne rund ein Drittel der Germanwings-Piloten nicht vorzeitig in den Ruhestand wechseln und habe auch keine Versicherung für den Fall des Verlustes der Fluglizenz, erläuterte VC-Tarifexperte Ingolf Schumacher.

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„Wir gewährleisten mit unserer Professionalität sichere Flüge und tragen so zum Erfolg der Lufthansa ganz wesentlich mit bei“, betonte VC-Präsident Ilja Schulz. Es habe seit mittlerweile fünf Jahren keine Gehaltserhöhungen mehr gegeben, während das Unternehmen rund fünf Milliarden Euro Gewinn eingefahren habe, sagte Schulz.

Die Gewerkschaft fordert über eine Zeitraum von fünf Jahren jährliche Gehaltserhöhungen von 3,66 Prozent im Schnitt. Lufthansa hat nach eigenen Angaben ein Lohnplus von 2,5 Prozent bis Ende 2018 angeboten. Die VC bezeichnete das Angebot wegen der Teuerung als Nullrunde, die zu Reallohnverlusten führen würde.

Die Lufthansa wollte einen erneuten Arbeitskampf der Piloten mit einer Schlichtung zur Gehaltsfrage abwenden. Man habe der Gewerkschaft am Montagmorgen schriftlich zwei konkrete Schlichter vorgeschlagen, sagte Unternehmenssprecher Bartels, ohne Namen zu nennen. Anders komme man offenbar nicht weiter. Er verwies auf die im Sommer erfolgreich abgeschlossene Schlichtung für das Kabinenpersonal unter dem SPD-Politiker Matthias Platzeck.

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