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15.01.2015

17:02 Uhr

Lufthansa

Piloten gehen wieder auf Streikkurs

Die Pilotenstreiks bei der Lufthansa sind wohl noch längst nicht vorbei. Die Kontrahenten werfen sich gegenseitig vor, einer Schlichtung im Wege zu stehen. Die Gewerkschaft denkt über neue Ausstände nach.

Bei der Lufthansa könnten demnächst wieder Streiks möglich sein. dpa

Bei der Lufthansa könnten demnächst wieder Streiks möglich sein.

FrankfurtKunden der Lufthansa müssen sich auf neue Streiks gefasst machen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) kritisierte am Donnerstag in Frankfurt das Management des Luftverkehrskonzerns scharf. Erneute Streiks seien jederzeit möglich.

Lufthansa habe den VC-Vorschlag zu einer Gesamtschlichtung sämtlicher Tariffragen nicht nur abgelehnt, sondern mit neuerlichen Provokationen beantwortet. Dazu gehöre die Ankündigung einer nicht näher erläuterten „Sanierung“ der Kerngesellschaft Lufthansa Passage.

Knackpunkt des Konflikts ist aber das neue Billigkonzept „Wings“, bei dem sich die Lufthansa nicht der Vermittlung eines Schlichters unterwerfen will, weil es sich um eine unternehmerische Entscheidung handele. Der Konzern hatte der VC stattdessen zwei parallele Schlichtungsverfahren angeboten. Darin sollte es einerseits um die Alters- und Übergangsversorgung gehen und andererseits um die Vergütung, den Manteltarifvertrag, die Rechte der Personalvertretung sowie die internen Förder- und Wechselbedingungen für die Piloten der Marken Lufthansa, LH Cargo und Germanwings.

Neuerliche Forderungen des Managements habe es nicht gegeben, erklärte ein Lufthansa-Sprecher. Dass die Passage wieder wettbewerbsfähige Strukturen entwickeln müsse, werde bereits seit vielen Jahren von der Geschäftsführung kommuniziert. Die notwendigen Änderungen seien im Cockpit bislang nicht erreicht worden.

Die längsten Streiks der deutschen Geschichte

Tarifkampf

Im Tarifstreit bei der Bahn hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL mehrfach gestreikt. Der längste Ausstand dauerte 109 Stunden im Güterverkehr und 98 Stunden im Personenverkehr, der längste in der Geschichte der Deutschen Bahn. Im Vergleich zu anderen Branchen ist dies noch moderat. Es folgt eine Zusammenstellung besonders langer Streiks in Deutschland.

1956/1957

1956/57 dauerte der Streik in der Metallindustrie in Schleswig-Holstein 16 Wochen. 34.000 Beschäftigte setzten sich für eine höhere Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ein. Sie erreichten eine Aufstockung auf 90 Prozent des Nettoeinkommens.

1984

1984 streikten die Beschäftigten der Metallindustrie in Hessen und Baden-Württemberg sieben Wochen lang für die 35-Stunden-Woche. Die Drucker waren bundesweit sogar zwölf Wochen im Ausstand. Die Arbeitgeber reagierten mit massiven Aussperrungen. Am Ende wurde in beiden Branchen die 38,5-Stunden-Woche vereinbart.

1994

1994 legten 100.000 Drucker 17 Wochen lang die Arbeit nieder, um Vorruhestand-Regelungen und einen besseren Gesundheitsschutz sowie eine Gleichstellung von Frauen durchzusetzen. Die Arbeitgeber verpflichteten sich am Ende nur, über diese Themen zu verhandeln.

2004

2004 blieben in Leverkusen die Busse 395 Tage lang in den Depots, weil die Mitarbeiter einer Tochterfirma der Kraftverkehr Wupper-Sieg (KWS) höhere Löhne verlangten.

2012/2013

2012/2013 streikten Beschäftigte des Verpackungsherstellers Neupack in Hamburg acht Monate lang, um einen Tarifvertrag durchzusetzen. Erreicht wurde eine tarifvertragsähnliche Vereinbarung mit dem Betriebsrat.

2013

2013 legten Beschäftigte im Einzelhandel über einen Zeitraum von acht Monaten immer wieder die Arbeit nieder, bis Anfang 2014 die letzten Lohn-Abschlüsse unter Dach und Fach waren. In mehr als 950 Betrieben wurde vorübergehend nicht gearbeitet.

Die VC will nach eigenen Angaben in den kommenden Wochen auf Personalversammlungen „den engen Schulterschluss mit ihren Mitgliedern“ suchen. Auch während dieser Zeit seien Arbeitskampfmaßnahmen „jederzeit möglich und wahrscheinlich“, hieß es in einer Mitteilung.

Seit April 2014 haben die Piloten in bisher zehn Streikwellen offiziell gegen Einschnitte bei der Übergangsversorgung gekämpft. Indirekt ging es bei dem Arbeitskampf aber immer auch um die „Wings“-Billigpläne. Die Streiks haben die Lufthansa bereits rund 200 Millionen Euro gekostet.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Michael Müller

15.01.2015, 17:57 Uhr

Ich fliege grundsätzlich NICHT mehr mit der Lufthansa. Das Ausfallrisiko ist mir zu hoch!

Zudem sind die Luxus-Forderungen der Piloten nicht nachvollziehbar. Die Piloten sind in einem international tätigen Unternehmen beschäftigt. Daher sollten sie ihre Forderungen immer in Bezug auf die internationalen Gepflogenheiten sehen, sonst könnten sie sehr schnell arbeitslos werden...

Herr Teito Klein

15.01.2015, 20:05 Uhr

Streik um des Streikes Willen
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Die Luxuspiloten wollen also wieder einmal streiken. Das ist ja nichts Neues.
Man sollte sie alle freisetzen! Dann haben sie genügend Freizeit und müssen nicht mehr ihren "Knochenjob" nachgehen.

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